Arminia gegen 1.FC Saarbrücken 3:1 – Rundumbeobachtungen von Jan-Hendrik Grotevent
Ostwestfalen sind berüchtigt für ihre Geistesgegenwart. So fragt jemand im Gewühl zwischen gerade eingefahrener Linie 4 und Rolltreppe an der Haltestelle Oetkerhalle „Is‘ hier Oetkerhalle?“. Is‘ hier Alm? Is‘ hier Bielefeld? Is‘ hier Planet Erde?

Wer möchte es uns verdenken. Unser schwarzweißblauer Herzensclub weigert sich ja beharrlich, die Frage „Is‘ hier Spitze der Dritten Liga!?“ mit mehr als einem „Vielleicht“ zu beantworten. Zu Beginn des Jahres zog Cottbus ein schönes Stück weg und weitere mehr oder weniger unnötige Punktverluste führten da auch nicht zu einem klaren „Ja!!“. Und heute Abend kommt der spielstarke 1.FC Saarbrücken auf die Alm und die Frage „Is‘ hier Spitze?“ stellt sich für Arminia ziemlich laut- und wenn wir Pech haben, zum letzten Mal in dieser Saison. Also. Is‘ hier Spitze!?

Hier is‘ jedenfalls Block 3 und dort sieht man den Dienstag Abend pragmatisch: „Wenn ich schonmal da bin, schepper‘ ich mir auch einen.“ Prost! Die Blauen auf dem flutlichthellen Rasen haben auch Lust auf Scheppern. Der Sekundenzeiger hat gerade viermal die Runde gemacht, da haben wir schon „Uuoh“ bei einem Stocherball von Youngg und „UUUUOH!“ bei einem Schuss von Russo gemacht, den der Gästekeeper über das Gestänge löffelt und uns über die ersten Eckstöße gefreut.

Dann allerdings spielt Saarbrücken guten Fußball. Bei einer schnellen Ballstafette der Gäste in Richtung Kersken denkt man jedes Mal „Jetzt haben sie ihn“. Haben sie aber nicht. Arminia ist zum ersten Mal wieder am Ball, als es darum geht, diesen aus dem Netz zu holen. Rasiermesser- Angriff. 0:1.

Toll… starker Start, das Tor machen die anderen. Verl- Vibes auf Block 3: „Bei 0:2 gehe ich nach Hause“. Geht es so weiter wie in der Nachbarschaft? Gut reinkommen, rauskommen und draußen bleiben? Immerhin spielt Arminia weiter druckvoll. Kania am Ball – „Schiiieß!“ – macht er, Ball eiert, kullert… JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA! Beste Antwort auf „Is‘ hier Rückstand?“. NEIN!

Fühlt sich jetzt wieder gut an, das Spiel. Block 3 befasst sich mit den Gästen. „Scheiß Saarländer!“. Toll, wie Block 3 sowas immer weiß. Vermutlich kennt niemand auf Block 3 einen Saarländer. Den Rundumbeobachter eingeschlossen, der in seinem Leben schon näher am Libanon war als am Saarland. Und Saarländer kennt er nur aus Erzählungen eines Lautern- Fans, der seine ersten Studiensemester in Saarbrücken absolvieren durfte und diese Zeit mit „zu viele Saarländer“ umschrieb.

Jedenfalls ist der 1.FC Saarbrücken in dieser Saison recht flott auf der Piste. Heute Abend hat die Gastmannschaft immerhin durch ein Tor ihre Spitzenposition angedeutet. Das war es aber auch. Den Takt gibt Arminia vor. Und Block 3 ist in voller Konzentration. „Mach‘ Dein Handy aus!“ – „Mach‘ Du doch Deins selber aus!“. Konter aus dem Bilderbuch. So wie vielleicht jetzt über Grodowski? Der spielt rein und JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA! KANIA ZUM ZWEITEN!

Ein echt schicker Spielzug! Findet Block 3 auch, drückt es allerdings etwas anders aus: „Dafür, was wir hier schon für Spiele gesehen haben, geht das noch“. Und es geht wirklich. Arminia spielt eine ordentliche erste Halbzeit. Verl ist Vergangenheit, keiner muss nach einem 0:2 nach Hause gehen.

Halbzeit. Das Geld liegt auf dem Boden. Muss man nur noch zugreifen. Diese Becher hier 166.667 Mal zurückgegeben und der Wörli bleibt bei uns.

Gutes Gefühl zu Beginn der zweiten Hälfte, ein bisschen Souveränität wie gegen Stuttgart II schwingt mit, zumindest auf den Rängen. Auch wenn Saarbrücken ein ganz anderes Regalfach ist. Die Gäste melden sich mit einem ziemlich gefährlichen Distanzkracher ins Spiel zurück und bringen dann noch mehr Offensive auf den Platz. Der Rundumbeobachter findet auf diesem Wege heraus, dass Sebastian Vasiliadis jetzt beim FCS ist. Na schau, wie weit es runter gehen kann… Florian Krüger ist auch bei den Saarbrückern? Hmmm… dem hätte ich auch das Zeug zu mehr unterstellt…

Gute Stimmung auf der Alm und laute Gesänge. „D! [pammpammmpammm] S! [pammpammmpammm] C! [pammpammmpammm] “… – „Paderborn?“. Man sollte bei der Klatschnummer nicht mit den Buchstaben durcheinanderkommen. Irgendwann hat Arminia 7:0 Ecken. „Vielleicht wird es jetzt mal was mit Tor nach einer Ecke“, hofft Block 3. Wird es nicht. Bei 8:0 Ecken auch nicht.

Sowieso ist im letzten Viertel der Partie eher wenig los. Um nicht zu sagen: Gefährlich wenig los. Und das riecht brenzlig. „Nicht einlullen lassen“, warnt Block 3. „Zeit für Wechsel“. „Zeit für das 3:1“.

So ist es. Denn jetzt macht der 1.FC Saarbrücken Alarm. Kersken mit Glanztat, huiii… und kaum hat Sebi Wiese unsere Nummer Eins gefeiert, muss er nochmal ran… AAAAARGH! Jetzt aber Arminia dahinten vor dem Gästeblock. Flanke… Ball senkt sich… JAAAAAAAAAAAAA! DAS WAR’S! Zeit für das 3:1 optimal genutzt.

Die Alm feiert mit dem Gänsehautentzündungs- „Immer dabei“ und besingt das Punktekonto, das wächst. Und dann ist es auch amtlich um drei Punkte gewachsen.

Um auf die Ausgangsfrage dieser Rundumbeobachtungen zurückzukommen: Is‘ hier Spitze? Nein. Aber die ist da vorne, wieder ein ganzes Stück näher. Und wenn Arminia da hin will, wo Spitze is‘, dann darf ein zweites Verl, ein zweites Sandhausen, ein zweites Essen nicht mehr passieren. Liefert ab, Jungs! Mal ehrlich, ins Pokalfinale kommen und dann in der Liga nur die Holzmedaille holen, das wäre doch selbst für Arminia Bielefeld zu skurril.
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