Bisschen zäh gerade – Arminia gegen Augsburg 0:1

Arminia gegen Augsburg – Rundumbeobachtungen von Jan-Hendrik Grotevent

Herzlich Willkommen zu den Rundumbeobachtungen, sie beginnen heute etwa fünf Stunden vor dem Anpfiff in der Straßenbahn von Rundumbeobachters Arbeit nach Rundumbeobachters Wohnstätte. Da sagt jemand: „Arminia muss heute Abend gewinnen!“ und erhält folgende Antwort: „Müssen die das nicht eigentlich immer?“. Eigentlich. EIGENTLICH. Als Anhänger der ostwestfälischen Gloria ist „eigentlich“ ein Wort, dass man nie gerne hört. Schon gar nicht vor Arminia gegen Augsburg. Zu prophetisch.

Arminia gegen Augsburg

„Halloooohooo!“ – „Oh, ein höflicher Mensch!“. „Der hat schon Geeelb!“. „Du Hoooyzer!“. Scheißenochmal, ich bin wieder Zuhause. Block 3! Nachdem wir zwischendurch die ganze Alm kennengelernt haben, endlich wieder Südtribüne! Wann war das letzte Mal? Ich hatte es echt vergessen. Ich schaue nach…und erinnere mich, warum ich es vergessen hatte.

Das Match beginnt intensiv. Die Blauen zeigen sich lebendig und gewinnen in den ersten Minuten ein paar Zweikämpfe. „Ein bisschen Körper ist okay.“, goutiert Block 3. Allerdings meinen das auch die Augsburger, die das erste Viertel der Partie damit verbringen, unsere Topscorer aus dem Match zu prügeln. Wimms und Masaya-San kriegen mehr aufs Fell als eine Marschtrommel bei einer 60-Kilometer-Parade.

Bereits nach einer Viertelstunde muss die japanische Version von Frau Schneider länger behandelt werden, nachdem Caligiuri ihn mit offener Sohle wegsäbelt. Gab übrigens noch nicht mal Freistoß. Den und die Gelbe gibt es erst ein paar Sekunden später, als Caligiuri (einmal auf den Geschmack gekommen) die nächste Sense ausfährt. Unverständnis auf Block 3. „Der SchiRi? Brych? DOKTOR Brych? Der ist Doktor? Hoffentlich kein Zahnarzt…“. Der Rundumbeobachter hat für Euch gegoogelt: Er ist promovierter Jurist. Ironie at its best. Fabi hat derweil Arminias beste und einzige Torchance. Und war im Abseits.

Auch Ironie at its best: Es sind die Augsburger Keulenschwinger, die verletzungsbedingt das erste Mal wechseln müssen. Uduokhai muss runter. …Uduokhai? Hießen die Bösewichte im Herrn der Ringe nicht so? Oder war das Star Trek? Angriff der Killertomaten?

„Bisschen zäh gerade“ sagt Block 3 im Schlussdrittel der ersten Hälfte und untertreibt dabei genauso wie Arminias Spielbericht, in dem es heißt: „Der Weg in Richtung Augsburger Kiste blieb jedoch beschwerlich.“. Augsburg spielt eine Taktik aus der Steinzeit. „Ugahuga …’putt hauen…ugahuga…Ball vorne hauen…ugahuga…“. Arminia spielt eine Wir-wissen-es-doch-auch-nicht-Taktik, in der kein Mittelfeld vorkommt. Dort ist Fabian Kunze der auffälligste Spieler, der oft mit der Suche nach Anspielstationen beschäftigt ist. „Kunze ist heute ordentlich“, bescheinigt im Block 3 und das dürfte angesichts des Standings von Fabian Kunze eine Eins mit Sternchen sein.

Block 3 sonst so: „Mach Deine Brille sauber, sonst siehst Du nichts vom Spiel.“ Nee, lass sie lieber dreckig. „Jetzt biste wieder wach, oder?“. Nein. „Gebt mal 19 Minuten Nachspielzeit.“ Warum? „Hätte ich auch so gemacht!“ Was denn? Verhaltener Applaus nach den ersten 49 Minuten, die es dann tatsächlich wurden.

Arminia gegen Augsburg

Halbzeit. Eine kurze Umfrage auf Block 3 ergibt, dass niemand die neue Versorgungs-Vorbestellungs-Option in Anspruch genommen hat. Also erklärt Euch der Rundumbeobachter jetzt mal, wie das funktioniert: Ihr wendet Euch rechtzeitig per Telefon, Mail, Fax, Brieftaube an Arminia und teilt Eure Wünsche mit, sagen wir mal: „Ich möchte mir eine halbe Stunde vor Spiel Grundlage anfressen und bestelle zwei Mantaplatten.

Zur 40.Minute plane ich, rotzevoll zu sein und bestelle daher zur Hymne sowie zur 3., 12., 22. und 33. Minute jeweils zwei Seidel Bier. In der 55. und 70. Minute jeweils einen. Pegel halten. Ich werde den entsprechenden Ausdruck mitbringen. Bitte planen Sie für jede Abholung plusminus vier Stunden Zeittoleranz ein, da ich den Begriff ‚zügig erledigen‘ ostwestfälisch verstehe. Ach ja, bitte Frühbucher-Rabatt. Ich akzeptiere die AGB“. So klappt das immer. Siehe auch viele positive Beispiele für Bahnfahrt, Pizzaexpress, Reisebüro, Auswärtstickets.

Eben hat Block 3 „ein bisschen zäh gerade“ gesagt. Und so geht es weiter. Nur noch ein bisschen zäher. Arminia: Wir geben Kunze den Ball. Kunze: Wo ist der Rest? Rest: *statikrauschen* Kunze: Ich gebe mal zu Tego. Tego: Wo ist der Rest? Rest: *statikrauschen* Tego: Zurück zu Kunze? Oder langer Hafer? Augsburg: Ugahuga. Irgendwo hinter dem langen Hafer rackert und rennt unsere Sturm-Statue. Nützt aber nix, wenn keiner da ist, der ihn in Szene setzt. Ach ja, Ihre Schuhe, Herr Klos, haben ein Blau, das Sie laut Beschluss der Mitgliederversammlung vom Sommer 2021 ändern müssen!

Brunner wird halbhoch angespielt. Er soll wohl irgendwie nach vorne gehen. „Was ist das für ein Hoffnungspass?“ schimpft Block 3. Hoffnungspass oder Katastrophenpass? Katastrophenpass. Augsburg kann im Folgenden eine Karte auslegen, die Spielwege bis in Tegos Netz einzeichnen und nach Plan verfahren.

Die Alm ist im Großen und Ganzen tapfer. Auch nach 50 Minuten Zähigkeit und 0:1 stimmen wir Chants an und versuchen, die Blauen zu pushen. Allerdings pusht nix. Der FCA bekommt Oberwasser. Ugahuga wird durch ein paar nette Passkombinationen ergänzt. „Immer die Weißen“ meckert Block 3. Schwanenweiß. Wenn ein Augsburger den Atem eines Bielefelders riecht, stirbt er wie ein Schwan. „Ihr spielt, wie Ihr ausseht!“ stellt Block 3 folgerichtig fest. Schwanenweiß. Wie Italien zu deren zweitbesten Zeiten und wie Heidenheim in der Dritten Liga.

Nun ja, damit war zu rechnen, passt zum Ugahuga. Und geht auf, da auch der Herr Doctor iuris drauf reinfällt. „Hoyzer raus!“. Bekräftigt Block 3. Nach dem Spiel in der Linie 4 verwechseln noch ein paar Milchbärte Felix mit Felix. „Zwayer [SIC!] ist ein Dietmar Hopp“. Irgendwie süß.

In Arminias Mittelfeld tut sich weiter nichts. Stattdessen werden de Medina und Bello eingewechselt, die von Außen anschieben sollen. Und da stellt der Rundumbeobachter fest (bevor es im ganzen Gemaule untergeht): Bello war ein kleines Licht am finsteren Abend.

Sonst bleiben wir tapfer auf der Süd und Umgebung, werden aber immer verzweifelter. „Mann, Castro [ja, der hat mitgespielt], mach einmal was richtig!“. Jau, hol‘ mir zum Beispiel’ne Pommes. Ist vorbestellt, ich gebe Dir den Ausdruck mit. Warum freuen wir uns nochmal, wenn es Ecke gibt? Castro? War nix. Wimmer? War auch nix. Als zum Ende Tego mit nach vorne geht, legt sich Bello den Ball zurecht. Block 3: „Kann Bello Ecken?“ Ecke kommt. Oder sowas Ähnliches. Block 3 trocken: „Nnnnein!“.

„Arminia muss heute Abend gewinnen!“ – „Müssen die das nicht eigentlich immer?“. Eigentlich. EIGENTLICH. Als Anhänger der ostwestfälischen Gloria ist „eigentlich“ ein Wort, dass man nie gerne hört. Warum nicht? Weil man „eiGENtlich“ nicht ohne „Gen“ schreiben kann. Und da ist es Arminias Gen, wichtige Spiele zu vergeigen. Lese ich zumindest überall. Nee, Ausnahmen hat es nie gegeben.

Warum regen wir uns dann auf, wenn wir es schon seit der Straßenbahn von der Arbeit geahnt haben? Weil Arminia vor allem in der zweiten Halbzeit beängstigend zäh unterwegs war. Den Rest der Saison müssen die Blauen jetzt richtig gegenhalten. Was beruhigen könnte: Wir wissen, das sie es können. Und „geGENhalten“ kann man auch nicht ohne „Gen“ schreiben. Also, reingehauen!!! Aber auch wirklich!

Das Wort des Tages ist „SCHEIßEFUCKMISTDRECKSCHEIßESCHEIßE!“ (einmal durch die Auslassphase rundgehorcht).

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