Arminia gegen Bayer 04 Leverkusen U23 0:4 – Rundumbeobachtungen von Jan-Hendrik Grotevent
ARMINIA GEGEN LEVERKUSEN! Okay, jetzt, wo ich Eure Aufmerksamkeit habe, lest vom Spiel der Blauinnen gegen Leverkusens Zwote.

Arminias Frauen- und Mädchenfußballabteilung wird 50 in diesem Jahr- und zur Feier des Jubiläums hat man für dieses Spiel den Platz an der Melanchthonstraße gewählt. Dass der Gegner Leverkusens U23 ist und nicht, sagen wir mal, Wacker Mecklenbeck, nun… blame it on the Spielplan. Schön übrigens, dass das Spiel Rahmen eines Generationentreffens war: Viele Spielerinnen und Funktionäre aus den fünf Blauinnen- Jahrzehnten finden den Weg zur Alm.

Ob sie den Weg zu ihrem Platz finden, ist eine andere Geschichte. Block G ist offen. Sonst nix. Und das soll auch so bleiben. Ist mit rotweißem Flatterband abgegrenzt. Und die Ordnerinnen passen auf. Macht man es sich, das Flatterband halb im Gesicht, also auf einem Platz gemütlich, der eigentlich zu Block H gehört, wird man verjagt. Hat man eine Dauerkarte für die Blauinnen (die ja eigentlich für die Postheide gilt), hat man freie Platzwahl. Eine Tageskarte hat einen festen Platz. Glaubt man am Verkauf.

Der Rundumbeobachter verfolgt sein Credo einer freien Platzwahl und wird dann gleichermaßen mit der ostwestfälischen Variante von „freie Platzwahl“ und der ostwestfälischen Variante von „keine freie Platzwahl“ konfrontiert. „Hier sitze ich, da ist mein Platz“ (hält die Karte, die eigentlich nur ein ausgedruckter Zettel ist, ins Portrait). „Geh da weg, ich kann nichts sehen“- Staus in jeder Reihe, auf jeder Treppe in der Akkumulation dieser Anliegen. Ihr kennt das.

Zur Sache, zum Spiel. Zwei Spieltage ist die Regionalliga West bis dato alt und die Blauinnen haben sich einen netten Platz gewählt: Tabellenzweiter mit maximaler Punktzahl, nur die Tordifferenz trennt sie vom Tabellenführer, Kölns U21. Unabhängig von der Wahl des Tabellenplatzes legt Arminia recht lebendig los. T-Handie Reinkensmeier geht frei auf die Torfrau, wählt auch die richtige Ecke, doch die Pfostensteherin ist auf Zack und kann zweimal retten.

Das Spiel läuft und läuft und groovt sich ein. Die DSC-Frauen haben ein leichtes Übergewicht und ein paar durchaus kreative Spielzüge. Die nächste Chance ist allerdings eine Einzelleitung: Hännah Wehmeyer wuselt sich durch ein paar Leverkusener Abwehrbeine, kriegt am Ende nicht genug Druck hinter den Ball- kein Thema für die Torfrau.

Die U23 der Werkself hat sichtbar Geschwindigkeitsvorteile und ist taktisch gut auf die Blauinnen eingestellt – unsere wie immer tapfer rennenden Mädels werden abgelaufen und abgedrängt. Nach vorne lauert Bayer Nullvier- Zwo auf Fehler der Blauinnen.

Und leider ist das- wie wir das in der Vergangenheit auch öfter mal beobachten konnten, ein probates Mittel. Zweimal hintereinander. Erst flippert der Ball irgendwo in Blauinnens Fünfmeterraum rum, dann ist Leverkusen frei vor Tor-Lisa, der Ball schlägt unter die Latte. Eine Zigarette später flippert der Ball irgendwo in Blauinnens Fünfmeterraum rum, Leverkusen hat das finale Wort bzw. den finalen Fangschuss.

0:2 nach einer gespielten halben Stunde. Block G, der das Spiel bis dahin laut und lebendig mitging, ist konsterniert. Die Blauinnen selbst nicht, die spielen weiter tapfer nach vorne. Aber sie werden abgelaufen und abgedrängt und… wie beschrieben. Distanzschüsse von Hännah Wehmeyer und Susi Werner sind eine leichte Beute für die Torfrau. Irgendwann in den letzten fünf Minuten der ersten Halbzeit führen ebendiese Torfrau und ihr Trainer über das halbe Spielfeld eine lautstarke Debatte zur effektiven Spieleröffnung. Mit gegenseitigem gestikulieren. Minutenlang. Während sich Arminia um Spielaufbau bemüht. Das zeigt, wann und wie oft der Strafraum der Leverkusenerinnen als Platz des Spielgeschehens gewählt wird.

Zwei Fehler, zwei Gegentore, voll ins taktische Messer gestolpert und trotzdem tapferes Anrennen der Mädels. Somit hat Block G vor der Pausenpfiff ein typisches duales Blauinnen- Gefühl: Sieht nicht gut aus, ist aber noch nicht verloren. Der letzte Torschuss kommt wieder von Susi Werner.

Halbzeit.




Ja, die Anna Schakalaka ist jetzt im Spiel, ebenso Jocy Hampel. Für die weibliche Florian Wirtz Hännah Wehmeyer und Susi Werner. Kann man so machen. Mehr Antritt und mehr kreativer Moment vielleicht. Wer diese Rundumbeobachtungen bisher aufmerksam gelesen hat, wird aber feststellen, dass mit Hannah und Susi diejenigen mit den bisherigen Torchancen (jaaaa und Thandie) für die Blauinnen sind.

Die erste Chance jedenfalls hat Sophia Thiemann, ihr Distanzschuss zischt knapp am Tor vorbei. Dann passiert lange Zeit nichts. Block G vertreibt sich diese Zeit, in dem man sauer auf die Unparteiische ist – nicht ganz zu Unrecht, einige Abseitsentscheidungen erscheinen doch diskussionswürdig. Aber das hängt wahrscheinlich davon ab, wo man steht und welche Persepktive man hat. Kennen wir ja aus Spielen gegen Leverkusens U23.

Drei riesige Chancen haben die Blauinnen in Durchgang Zwei, um das 0:2 zu korrigieren. Lizzza Lösch und Jocy Hampel köpfen knapp neben den Pfosten. Und Shakalaka haut eine scharfe (allerdings auch schwer zu nehmende) Hereingabe volley aus einem Meter über das Tor.

Dann wird in die falsche Richtung korrigiert. Wie rundumbeobachte ich das nett und lustig…mit einem Jahn- Regensburg- Gedächtnis- Rückpass. Oder Alemannia- Aachen- Rückpass. Ihr wisst schon. 3 Fehler, 3 Gegentore, 1 Deckel drauf.

Man muss den Blauinnen (wie meistens) zugute halten, dass sie trotzdem nicht aufstecken und weiter spielen. Auch dann, als Leverkusens U23 kurz vor Schluss zum ersten Mal ein Tor selber herausspielt und es mit 0:4 happig wird.

Verbuchen wir diesen gebrauchten Nachmittag mal nicht als Tabellenplatzwahl sondern als Teil des oft und mit Recht vom Führungsstab der Blauinnen postulierten Lernprozesses. Lehrmaterial wird es nach drei brotigen Gegentoren reichlich geben. Für heute bleibt die Erkenntnis: Nur für Tapferkeit gibt es keine Punkte. Nächste Woche geht es zur U21 des EffZeh, die inzwischen drei Siege im Lager und weiter den ersten Platz der Regionalliga gewählt haben. Da kann es nur besser werden. Als heute. Und die letzten Male dort.
Für zeitloses Lesevergnügen ist die „Fußballfibel DSC Arminia Bielefeld“ empfohlen. Da stehen viele Lagerfeuergeschichten drin, auch über die Blauinnen. Die Fibel gibt es bei Thalia. Oder bei amazon. Oder im Fanladen. „90 Minuten Arminia“ habt Ihr schon…?



