Arminia gegen Fortuna Düsseldorf 5:1 – Surfin‘ DSC

Arminia gegen Fortuna Düsseldorf 5:1- Rundumbeobachtungen von Jan-Hendrik Grotevent

Da man es immer wieder gerne liest, kann man es auch gerne nochmal schreiben: Arminia ist aufgestiegen!In die Zweite Liga! Den ganzen Frühling hindurch schwamm Ostwestfalen- Lippe auf einer ballsportlichen Euphorie- Welle und die hält immer noch an. Der obligatorische Stadiongruß zum ersten Saisonspiel – „Frohes Neues Jahr“ – klingt doch einen Tacken begeisterter als in den Jahren zuvor. Und als es beim Eingangschoral „Heut‘ ist der Tag, endlich wieder soweit“ heißt, antworten nicht wenige Stimmen im weiten Rund der Alm mit „Endlich!“

Arminia gegen Fortuna Düsseldorf

„Es geht voran, und darum sind wir alle hiieer!“ – „Hieeer!“. 847 Tage sind vergangen seit dem letzten Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf. In diese Zeit hat Arminia mehr Wellen reingepackt als der Pazifik mit Bodengrollen. Letztendlich endet ja jede Welle entweder im Versanden oder krachend vor der Hafenmauer- mal schauen, was mit der aktuellen Euphorie- Welle so passiert.

Natürlich darf sie gerne weiter rollen, aber die bekannteste Fußballvertretung der Landeshauptstadt, die im Mai noch um den Bundesliga- Aufstieg mitspielte, ist schonmal eine harte Nuss zum Auftakt.

Die Laune auf der Alm ist gut, Stimmung auch, gut laut. Block 3 kann endlich wieder das Fußballtier rauslassen: „Eydadaddanavoaaaane!“. Und das Spiel? Die Blauen surfen erstmal schwungvoll los und erarbeiten sich ein paar halbe bis zwei Drittel Chancen. Das beurteilt Block 3 weniger animalisch denn ostwestfälisch: „Wie findste Arminia?“- „Joa, ganz gut“. „Zwölf Minuten durch, wat sachste?“ – „Äääääh…“.

Der Rundumbeobachter weiß nicht, ob die SchiRis des DFB und angegliederter Verbände immer noch Nachwuchssorgen haben. Dass der heutige Unparteiische sein 100. Spiel pfeift, dürfte aber ein deutliches Indiz dafür sein. Als Block 3 das Spiel mit „Äääääh…“ bewertet, sind Boakye und Lannert bereits verwarnt. Zwei Minuten später heißt es „Schieber! Schieber!“ als der Mann in Gelb zum zigillionigsten Mal einen unerheblichen Freistoß korrekt einparkt. Fünf Minuten später, beim zigilliondreizehnten Mal, erneut „Schieber! Schieber!“. Der hat keine kleinliche Linie. Der hat Langeweile. Was ihn angesichts des eigentlich recht unterhaltsamen Spiels, das er leitet, umso fragwürdiger macht.

Arminia rennt und spielt. Fortuna, die es in den ersten Minuten mit langen Bällen versuchte, spielt nun auch. Ausgeglichenes Spiel, das in beide Richtungen kippen kann. Und gerade neigt es sich Richtung Düsseldorf. Ein paar Mal können sich die Fortunen auf den Flügel durchsetzen. Mal können die Blauen klären, dann hilft der Pfosten, aber schließlich umkurvt Cedric Itten ein paar Arminen, netzt zur Gästeführung ein und macht erstmal einen auf semmelblondes Arschloch aus Monaco.

Na? Euphorie- Welle noch da? Ja. Stimmung ist weiter gut und laut. Und seit kurzem haben wir ja einen mentalen Rettungsanker, oder Block 3? „Berlin war schon geil.“. Geht doch.

Familie Oberdorf hat einen Hang zur ungestümen Zweikampfführung. Das allerdings ist fatal, wenn man damit auf einen SchiRi trifft, der Langeweile hat. So kassiert Lenas Bruder (aber den Witz habt Ihr schon vorher verstanden, gell!?) die Ampelkarte. Schlüsselszene des Spiels. Denn von der Dezimierung erholt sich Fortuna Düsseldorf erst, als das Spiel schon verloren ist.

Stimmung gut und laut. Block 3 feiert. „Ex! Ex! Ex!“, heißt es irgendwo hinten rechts. Man kann sich auch ohne Grund die verteuerten Gerstengemäße in den Wanst schrauben, aber mit is‘ schöner… da hinten setzt sich Corboz über links durch, flach in die Mitte, Gewühl, Ball kullert… JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA! Ex! Ex! Ex! „Soooo wichtig!“.

Halbzeit. „Ex! Ex! Ex!“ ist auch ein toller Pausenvertreib. Sind die Becher geleert, Braucht man sich in der Halbzeit nicht durchzuwühlen zum Nachschub holen, sondern muss sich nur einreihen ins allgemeine Gewusel.

Weiter geht’s und die Süd trommelt sich ein. „D! S! C!“. Wie immer klingt das in der Mitte der Tribüne richtig gut (wahrscheinlich), die Präzision des Taktes lässt aber Richtung Rand eher nach. Steht man an der Grenze zu Block J, kann man relativ entspannt klatschen, wann man will. Muss nur die Buchstaben in der richtigen Reihenfolge hinkriegen.

„HAAAND!“… das wird ja in Stadien sehr inflationär gebrüllt. So auch jetzt. „HAAAND!“… das wird ja in Stadien sehr unterschiedlich ausgelegt. Nicht jedoch bei einem gelangweilten Spielleiter. Elfer. Kania.

JAAAAAAAAAAAAA! „Schon wieder“, sagen Sebi Wiese und Block 3 nahezu unisono.

Führung, Überzahl, lebendiges Spiel der Blauen. Und kein Rumunken auf Block 3 von wegen „Dat geht noch schief.“. Ist schön auf der Welle. Selbst als die Fortunen den Ball über Kersken heben kommt Block 3 nicht dazu, sein fatalistisches „Das. Kann. NICHT…“ zu vollenden. Weil Russo die Kirsche artistisch von der Torlinie kratzt. Bei Arminia klappt’s gerade einfach.

Stimmung laut, zum ersten Mal brüllen wir den Gänsehautklassiker aus der zweitgeilsten Pokalsaison des DSC. „Das ist der größte Aufreger der Saison!“, johlt Block 3 mit tiefgründigem Humor. Statistisch stimmt das natürlich. Genauso, wie es stimmt, dass Arminia in dieser Saison ein desaströses Eckenverhältnis hat.

Sieben Ecken und kein Tor erzielt. Aber da es bei Arminia gerade einfach klappt, nickt Joel Felix diese siebte Ecke zum 3:1 ein. JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA! Nach jeder siebten Ecke ein Tor, das ist über dem Durchschnitt des Weltfußballs! (der liegt übrigens bei etwa zehneinhalb, das am Rande).

Party, Singen, Feiern. Und der Ball wieder vor den Düsseldorfer Kasten, KAWUMMM! JAAAAAAAAAAAA! JONNYYYYYYYYY! Party, Singen, Feiern. Euphorie- Welle reiten! Everybody’s gone surfin‘. Surfin‘ DSC!

Letzter Auftritt des SchiRi, der Spaß an der Langeweile hat und aus den Tiefen seines unergründlichen Cortex zehn Minuten Nachtisch ausbuddelt. Kurze Verwunderung auf Block 3, dann wird weiter DSC gesurft. Und sich auf kommende Gegner eingestimmt. „Preußeeeen Schweineeeee!“. Dass Fortuna mittlerweile wieder aufwacht und auf 4:2 stellt, bekommt keiner so richtig mit. Ist egal, zählt auch nicht.

Und dann noch die Zutat zum perfekten Kitsch: Sam Schreck haut auch noch einen rein. Und alle freuen sich mit ihm, Mannschaft, Stadion und Schreck selbst am meisten. Diesmal hat er wirklich aus dem Spiel heraus getroffen. Nicht zurückgepfiffen wie im Pokal, nicht geschenkt wie in Haching.

Das wir beim Schlusspfiff nicht „Oh, wie ist das schön“ anstimmen, liegt daran, dass wir es vor lauter Andere- Sachen- Singen – wie etwa „Spitzenreiter, Spitzenreiter, heyhey!“- nicht mehr unterbringen. Was für ein Saisonauftakt! Und da sehe ich schon wieder Memes und Kommentare, die davon sprechen, dass Arminia wieder den Pokalmodus eingeschaltet hat. Bitte nicht. Der ging viermal gut. Viermal reicht nicht für eine Zweitligasaison. Schaltet in den Ligamodus. Wenn sowas wie heute dabei rumkommt, ist das doch auch ganz okay.

Fotos zum Spiel

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