(Gerade) lauter – Arminia gegen Fortuna Köln 1:0

Arminia gegen Fortuna Köln 1:0 – Rundumbeobachtungen von Jan-Hendrik Grotevent

„Ihr seid leiser als Fortuna Köln“. Ein in deutschen Fankurven gern gesungener Chant und auch heute an der Schillerstraße gibt es ein paar, die das vor sich hin trällern. Nun heißt die Paarung also Arminia gegen Fortuna Köln. Sollen etwa unsere tapferen Mädels leiser sein als Fortuna Köln? Fortuna Köln, kann ja nicht leiser sein als Fortuna Köln, da Fortuna Köln ja immer nur so leise sein kann wie Fortuna Köln, also genau genommen…lass Fußball gucken.

Arminia gegen Fortuna Köln

Vor dem Anstoß ist Fortuna Köln jedenfalls lauter als Arminia. Die Blauinnen sind mit dem „Was sind wir? Ein! Team!!“ fix durch, während die Kölnerinnen im Mannschaftskreis einen ganzen Gedichtband runterbrüllen. Arminia hat in der ersten Halbzeit die Sonne im Rücken – symbolisch für einen Spitzenreiter. Aber das Frühlingswetter macht offenbar frühlingsmüde. Die Blauinnen haben mehr Ballbesitz, aber es fehlt an der zündenden Idee, Fortuna Köln leise zu machen. Die Gäste stehen kompakt und stellen alles zu, was nach Arminia aussieht. Erst in der 20. Minute das erste „Oooouuh!“, als Tommy Grünheid die bis dahin fünfte Ecke an den Balken köpft.

Irgendwie wirken sie angeknackst, die Stürmerinnen in den blauen (okay, roten) Hemden, die Kickerinnen aus Westfalen. Die Kommandos auf dem Platz sind jedenfalls lauter als die von Fortuna Köln, dafür sind die mit sympathischem rheinischem Zungenschlag – „’sch schpell Disch links an.“

Und dann hat Fortuna Kölns Torfrau Lisa Brenner auch noch einen Sahnetag. Erst Friederike Schaaf, dann Sarah Grünheid, dann Sophia Thiemann scheitern an der Pfostensteherin. Das Publikum meint indes, einen Grund für das melancholische Spiel der Blauinnen gefunden zu haben: „Da sind zu wenig Rothaarige im Team!“. …h…häh?!…fehlt nur noch: „Das haben amerikanische Forscher herausgefunden.“

Das Match plätschert vor sich hin. Die im Abstiegskampf befindliche Fortuna wittert die Chance auf einen Punktgewinn durch 0:0 und zeigt sich in der Abwehr ebenso konzentriert wie im Angriff wenig interessiert. Während die Partie so in die Halbzeit rieselt, ist allerhöchst fußballakademisch festzustellen, dass entweder eine geniale Idee, die Brechstange oder ein Gammelkacktor die drei meist versprechenden Mittel zum Erfolg in Hälfte zwei sind.

Halbzeit. Ich tue es auch hier gern nochmal kund: Die Blauinnen haben demnächst ein neues Zuhause im Sportpark Windflöte. Renoviert, mit frisch geklontem Hybridrasen, also dieselbe Flora wie auf der Alm. Treue Rundumbeobachtungen-Leserinnen klären deren Verfasser über die Möglichkeiten auf, mit den Öffis dort hinzukommen. Danke Euch! Hoffentlich ist die Wurst da genau so gut und günstig wie hier…

Im zweiten Durchgang marschiert Arminia in die Sonne – symbolisch für einen Spitzenreiter. Da zielt Sophia Thiemann erstmal ein Eckchen zu hoch. Dann passiert erstmal gar nichts. Dann ist Sarah Grünheid frei vor Lisa Brenner, die unsere 40-Tore-Stürmerin über die Klinge springen lässt. Über Strafstoß gibt es keine Diskussionen. Wohl aber über den Platzverweis, den Wuckel fordert. Doch der SchiRi meint: „Der Ball war schon zu weit weg, um noch eine klare Torchance darzustellen.“ Hoffentlich findet dieses Argument nicht auch noch Einzug in das elende Videobeweis-war-das-rotwürdig-oder-doch-eher-Hand-Gefasel, das nervt so schon genug. Da Sarah Grünheid nach dem Foul noch behandelt wird, schnappt sich Lisa Lösch den Ball…und versenkt! 11 Blauinnen und 150 Zuschauer sind lauter als Fortuna Köln!

Geniale Idee, Brechstange, Gammelkacktor…oder eben ein Elfer. Möglichkeit vier, um das Spiel Richtung Heimsieg zu bringen. Und die Führung gibt den Mädels Schub. Kampf und Wille sind jetzt da. Ein Zweikampf an der Außenlinie endet mit Schmackes im Knick…der Kölner Auswechselbank. Gut, dass bei dem schönen Wetter alle draußen sind.

Fortuna Köln bleibt defensiv sehr gut organisiert und das Spiel bleibt ein ordentliches Stück Arbeit für die Blauinnen. Und Lisa Brenner bleibt in Überform und hat das Aluminium auf ihrer Seite. Sophia Tiemann einmal, Sarah Grünheid zweimal und Bella (Wuckel und Lisa Lösch: „Anna“, die anderen aber auch „Bella“) Jäger gleich dreimal – bei Lisa Brenner ist Endstation.

Und gerade, wenn man denkt, jetzt setzt sich die Kondition durch und Fortuna Köln wird leise…wird Fortuna Köln laut. Zweimal an die Latte…wieso beim zweiten Mal die freistehende Kölner Stürmerin nicht abstaubt, ist vom anderen Ende des Feldes nicht zu sehen, dafür aber ein riesiger Schreckmoment. In dieser Phase ist Fortuna Köln laut genug für den Ausgleich. Immerhin dauert diese Phase nicht mehr lange und die Blauinnen haben einen heute eher mühevollen Sieg eingefahren.

Muss man jetzt Angst um die Blauinnen haben? Nein. Nicht jedes Spiel ist Schützenfest. Und gerade nach den letzten beiden wackligen Auswärtspartien dürfte gerade so ein Arbeitssieg gut tun. Einen Punkt brauchen Wuckels Spielerinnen noch, und die Relegation ist sicher. Und mit dem Rest der Ligasaison kann man sich dann auch wieder warm spielen. Und sowieso: Gute Pferde springen nicht höher, als sie müssen. Und gute Blauinnen müssen nicht brüllend lauter sein als Fortuna Köln. Nur laut genug.

Das Bielefelder Glückshormon tut an einem sonnigen Sonntag auch nicht mehr als nötig.

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