Arminia gegen Holstein Kiel 2:2 – Im Winter zur Arbeit

Arminia gegen Holstein Kiel 2:2 – Rundumbeobachtungen von Jan-Hendrik Grotevent

„Müssen die bei der Kälte spielen?“, knötert es durch die Linie 4 Richtung Alm. Ja. Da führt nichts drum rum. Muss sein. Auch, wenn sich die Arminia im Kniat- Zeitalter (siehe auch 2024, siehe auch 2025) nie so recht an die kalte Jahreszeit gewöhnen konnte. Wir müssen da durch.

Keine Ausreden! (Die gab es übrigens das letzte Mal vor vier Jahren, als der Schnee ein Bundesliga- Geisterspiel zwischen dem DSC und Werder Bremen unmöglich machte)

Arminia gegen Holstein

Damals im Schneechaos von 2021 fuhren natürlich weder Bus noch Bahn und der Rundumbeobachter, schneidig, wie er ist, machte sich zu Fuß zur Arbeit auf. Wintermärsche mit zusammengebissenen Zähnen durch die polare Leineweberstadt. Und das will er auch heute von den Blauen im Spiel gegen Holzbein Kiel sehen: Schneidig voran ans Ziel, durch alle Unwegbarkeiten der ungeliebten kalten Jahreszeit! Grunz!

Block 3 will das natürlich auch sehen und brüllt „ÄKSCHN!“ beim Anstoß. Die Blauen auf dem Rasen laufen viel und haben ordentlich Ballbesitz. Ob das Äkschn im Sinne von Block 3 ist, sei dahingestellt. Die „Uouuh“- Momente von Block 3 haben jedenfalls die Gäste von der Kieler Westförde, die Kersken in der Startphase ein paar Mal gefährlich nahe kommen.

Felix verletzt sich und muss nach einer guten Viertelstunde runter, Maxi Großer kommt für ihn. „Mist“, hadert Block 3, „eine Wechseloption weniger.“. Stimmt. Lieber einen Verteidiger weniger denn eine Wechseloption.

Mitte der ersten Halbzeit ist es nicht wirklich das jogo bonito. Vielmehr passt sich das Niveau des Kicks den Temperaturen an. Da hinten, knapp jenseits der Mittellinie vor der Ost, köpft mal ein Bielefelder, mal ein Kieler das Spielgerät unkontrolliert und sinnlos hoch. Das Spielgerät denkt sich vermutlich: „Ich weiß nicht, was ich hier tue, aber wenigstens muss ich nicht den kalten Boden berühren.“. Block 3 sagt: „Gut, dass ich nicht alleine hier bin, wäre sonst total langweilig“. Und die an der chaotischen Kopfballstafette beteiligten Fußballprofis denken sich… nichts, so wie es aussieht.

Bekanntlich hapert es bei Arminia Bielefeld im Moment mit dem Toreschießen. Oder genauer: Es hapert, überhaupt in die Nähe des benetzten Gehäuses des Gegners zu kommen. Umso ärgerlicher ist es, wenn es dann mal klappt und der Abschluss ganz furchtbar verhauen wird. Das passiert Rochelt. War Abseits, oder wie Block 3 vor diesem Hintergrund schnauft: „Gottseidank Abseits“. Was die Abschlussproblematik aber nicht weniger ernst macht.

Bekanntlich ist Arminia Bielefeld gern mal für eine gewisse Bräsigkeit in der Defensive zu haben, die dann Gegentore zur Folge hat. So auch heute. Kiel flankt scharf von links, Schneider vollstreckt mit langem Ball eiskalt wie das Wetter in die eigenen Maschen. Boah, so was mal wieder offensiv und in des Gegners Kiste sehen dürfen…

Durfte der Ball vor einer Viertelstunde bei einer Kopfballstafette nicht auf den Boden, wollen ihn die Herren Herren Fußballprofis nun im Rahmen einer Stocherstafette offenbar ins kalte Erdreich buddeln. Da hinten, knapp jenseits der Mittellinie vor der West. Schlimm anzugucken. Oder, Block 3? „Scheißäääää!“. Danke.

Guckt mal, die Anzeigetafel hat über die Feiertage ein neues Design gekriegt. Zeigt jetzt sogar die Nachspielzeit!

Ach ja, das 0:2… bekanntlich reicht es zur Zeit bei Arminia Bielefeld, mit einem einzigen Tor ausgeknipst zu werden. Das ist quasi die Alternative zum bräsigen Gegentor. Heute sehen wir beide Varianten. Hurraaaaa.

Halbzeit. Block 3 diskutiert die Handball- EM. „Ey Dänemark hat jetzt nach irgendwie zehn Jahren das erste Mal wieder verloren. Gegen Portugal. Und Deutschland hat gegen Portugal gewonnen. Das heißt…“. Jaja. So hat der Rundumbeobachter in jungen Jahren auch immer Arminia- Ergebnisse vorausberechnet und kann aus Erfahrung sagen: Ist eine unsichere Formel.

Arminia bringt zu Beginn von Hälfte zwei deutlich mehr Elan auf die kalte Platte als die letzten 35 Minuten von Hälfte eins. Es kommen sogar ein paar Bälle Richtung Kieler Kiste. Ohne diese allerdings ernsthaft zu gefährden. Taddel wuselt sich durch den Strafraum der Störche, ist frei vor dem Tor… und scheitert dann doch am einzigen Kieler Abwehrbein, dass auf drei Hektar Umgebung zu finden ist. Das tut gleich von mehreren Seiten weh (Taddel gönnt man immer ein Tor, Arminia sowieso, der Zeitpunkt hätte gestimmt, wieso so ein komischer Abschluss, wiesoweshalbwarum)… dabei haben die Blauen beim Aufwärmen doch so fleißig Flanken und Strafraum- Zuspiele geübt…

Übrigens verkündet Block 3 nicht nur sowas wie „Was’n Rotz“ oder „Nicht gut für die Füße, so ein Pass“. „Wir müssen die positiven Dinge sehen, wenn sie kommen“, heißt es auf einmal hinten rechts. „Sag‘ Bescheid, wenn die kommen.“ – „Tja… bei diesen Temperaturen wird das Bier nicht warm“. Ich liebe Block 3.

Wörli wuselt durch.. EYYYY und JAAAAAAAAAA, Elfmeter! Und jawoll, Ampel gegen die KSV Holstein. Jonny macht Jonny- Sachen. JAAAAAAAAAAAAAAAA!

Anschlusstreffer und 20 Minuten plus Nachspielzeit in Überzahl! Das weckt die frierende Alm! „Vom Wahnsinn angetriebääääään!“, singt die Süd. Und Arminia gibt Gas! Schuß! Latte! Aaaaargh! „BIE- LE- FELD! BIE- LE- FELD!“.

Foul an Grodowski! EYYY… wat!? Gelb wegen Schwalbe?! Also… entweder geht das in Ordnung oder das war die Fehlentscheidung des Monats. Ohne bewegte Bilder gesehen zu haben meint der Rundumbeobachter, das es in Ordnung geht. Denn, das ist gerne mal anzuerkennen, der SchiRi schaffte es, das Spiel auf eine großzügige Linie einzugrooven. Und das hatten wir so schon lange nicht mehr. Da kann man mal eine Latte für den SchiRi brechen.

Ja, der Rundumbeobachter weiß, dass man eigentlich eine „Lanze“ bricht und keine „Latte“. Aber wenn wir schon von Latten sprechen: Uldrikis ist im Spiel, die, so Block 3, „lettische Latte“. Und der verleiht Arminias Angriffsspiel nochmal Schwung. Natürlich wird er hoch angespielt und er leitet die Anspiele immer recht gewitzt an die Nebenleute weiter.

Und dann findet er Bazee am langen Pfosten und JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA, DA ISSA! AUSGLEICH!

„BIE- LE- FELD! BIE- LE- FELD!“ Arminia greift weiter an. Latte (nicht die lettische). Argggdqwudf!!! Geht noch was!?! Nein. Wäre schön und nötig gewesen, aber auch des Guten zuviel.

Arminia spielt gegen Holstein Kiel 2:2. Nach einer grauenhaften ersten Hälfte und einer deutlichen Steigerung (und einem Platzverweis für die Störche und einem Elfmeter…). Wäre der Rundumbeobachter so in 2021 zur Arbeit gestapft, wäre er mit versauten Klamotten und etlichen blauen Flecken aufm Job erschienen. Aber immerhin: Angekommen ohne ganz schlimme Blessuren. Um festzustellen, dass jede Menge Arbeit vor ihm liegt. Beziehungsweise bei Arminia: Vier Sechs- Punkte-Spiele.

Na ja, bald ist Frühling. Oder Feierabend.

Fotos zum Spiel

Empfehlung: Die „Fußballfibel DSC Arminia Bielefeld“ mit jeder Menge schwarzweißblauer Lagerfeuergeschichten. Das Buch gibt es bei Thalia. Oder bei amazon. Oder im Fanladen. „90 Minuten Arminia“ habt Ihr schon…?

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