3:0?…nee… 4:2?, …nee…- Arminia gegen Jahn Regensburg

Arminia gegen Jahn Regensburg – Rundumbeobachtungen von Jan-Hendrik Grotevent

Wenn man jemanden fragt, der einfach nur Spaß am Fußballgucken hat – solche Leute soll es ja geben -, wie er sich ein unterhaltsames Fußballspiel vorstellt, sagt er sicher sowas wie: „Acht Tore, gehaltene und ungehaltene Elfmeter und zwei Platzverweise, dann war wirklich alles dabei.“ Wirklich alles?

Arminia gegen Jahn Regensburg

Auf der Alm ist heute gegen Regensburg erstmal alles Normale und Gewohnte dabei. Alle Tribünen sind auf Sebi Wieses Anfrage bereit. Den Teutoburger Wald soll auch heute niemand erobern. Hymne, Seitenwahl, Anpfiff.

Tja, und dann geht’s ab. Heute hat es den Rundumbeobachter auf Block J verschlagen. Willste Dich justemang hinsetzen, muss Tego gleich den ersten durchgebrochenen Regensburger Angriff abfangen. In den nächsten Minuten folgt die Erkenntnis, dass wir das mit dem Hinsetzen heute lassen.

Es folgt das Kapitel „Börner-Show“. Unser Capitano macht die Pole-Dancing-Stange für Marco Grüttner, der mit einer eleganten Turnfigur die Gästeführung erzielt. Kurz darauf köpft der Lord Edus Ecke zum 1:1 ein. Dann kommen ein paar wacklige Zweikämpfe – so oft, so kurz hintereinander und mit so viel unterschiedlicher Emotion hat Block J wohl noch nie „Böööörnaaaa!“ gebrüllt.

Durchschnaufen is aber nich. Wenn man eh nicht so schnell schreiben kann, wie heute die Tore fallen, kann man auch einen kleinen Exkurs einschieben: Jonathan Clauss wird in Lautschrift so geschrieben: ʒɔnatɑ̃ klos. Und Block J so: „Super, Klaus!“. Dabei ist Fabi so eine tolle Eselsbrücke. Das üben wir jetzt, also: Der Clauss-Klos wird nach einem furchtbaren Regensburger Fehlpass geschickt, flankt auf Vogi und – JAAAAAAA! Der Vogi weiß auch noch, wie’s geht.

16 Minuten im Match, drei Kisten. Block verlassen besser auch nicht, sonst kommt man durcheinander. Der CanCan ist gerade verklungen, da kommt ein glückliches Gesicht die Stufen hoch. „3:0“, sagt der Strahlemann. „Nee, 2:0.“, korrigiert Nebenmann“. „Quatsch“, erwidert Strahlemann, „2:0 war doch eben schon.“.

Aber heute relativieren sich Zwischenstände so schnell, da kann man ins Schleudern kommen. Jetzt relativiert zur Abwechslung mal wieder Regensburg. 2:2. Unbedrängte Flanke, Jann George hechtet ein. Daraufhin wird er zum Buhmann des Spiels für die Südtribüne. Immerhin ist es nicht mehr Staude, wie zuvor. Auf Block J grassierte bis dato das Staude-Tourette – sich reflexhaft über ihn beschweren, selbst wenn er meilenweit weg vom Ball ist.

Komm, noch 65 Minuten zu spielen, da ist noch was drin. Und der Jahn macht weiter mit der Ergebnis-Relativierung. Saller denkt: „Mein Torwart steht da…“. So kann man sich irren. Da steht das leere Tor. Falsch gedacht. Ein solches Eigentor passt in den Film heute. Hoididoidi, Langeweile geht anders, Verteidigen auch. Es steht also 3:2 für Arminia. Bis zur Pause passieren sehr merkwürdige Dinge: Torschüsse hier und dort, die mal nicht in den Maschen landen. Als gute Ostwestfalen müssten wir uns eigentlich darüber beschweren, oder?

Halbzeit. Sebastian Wiese macht den „Fürth führt“-Witz. Kann ich auch (und muss ihn später nicht mehr machen): Führt Führt? Fürth Für(t) Arminia zu nix, aber führt Fürth die Tabelle an. Viel Spaß beim Knabbern. An der Pizzabude bestellt jemand „Was mit Champignons“. Was mit Champignons…wie wär’s mit dem Teuto? Der ist was mit Champignons. Viel Spaß beim Knabbern.

Das SchiRi-Gespann lässt auf sich warten. Block J entwickelt Erklärungsansätze, die meist auf Verdauungsdefizite des Unparteiischen abzielen (was mit Champignons?). Und wir erleben wieder die unnachahmliche Kommunikationsakrobatik der Alm: „Wieso gehst Du schon wieder? Du bist doch gerade erst wiedergekommen“ – „Nee, ich war Bierholen“.

Nun könnte man annehmen, dass nach der stürmischen ersten Hälfte nichts mehr passiert. Tut aber keiner, das ist heute ein anderes Spiel. Jahn und Arminia kämpfen mit entblößter Deckung, wie der Kampfsportler sagt, und nun ist mal wieder der DSC an der Reihe, sich infolgedessen einen Schwinger bzw. ein Tor zu fangen. „Wie heute üblich…“, sagt Block J und hat recht. Der Ausgleich ist auch für den bis dahin ordentlich lauten Support ein Wirkungstreffer. „Da kriegen die drei Tore von Jahn Regensburg…“. Na ja, bisher zumindest.

Denn der Jahn ist jetzt am Drücker. Clauss-Klos und Tego müssen in höchster Not retten. Weihrauch und Prince kommen. “Aufwachen jetzt!“, schreit Block J. Die beiden Neuen bringen nochmal Schwung in die Angriffe der Blauen. Hin und her geht es, die Tribünen unter Strom, unartikuliertes Gebrüll von hinten auf Block J, nochmal alles reinwerfen, es kommt die Schlussphase und da haben wir noch Lorbeeren aus der letzten Spielzeit…

…und wir haben Klos-Klos. Unser Überdruck-Dampfhammer dröhnt eine Edu-Flanke in die Maschen und wir rasten aaaaaaaaaaaaus! …“Gut, dass es die 88. Minute ist, jetzt hat Regensburg wohl kaum noch Zeit“. Weit gefehlt. Das Standard Drehbuch des Fußballgottes sieht in solchen Fällen vor, dass der Gegner noch einen letzten Freistoß kriegt. Torwart Pentke geht mit nach vorne. Es würde ins Spiel passen, wenn noch das 4:4 fiele. Durch Pentke…

…aber das hier passt auch: Hartherz fängt ab und pöhlt die Kirsche Richtung entblößte Kiste…Weihrauch kriegt den Ball…Stimme zerbrüllen…Weihrauch läuft aufs leere Tor…Stimme zerbrüllen…Haken um den Gegenspieler…Stimme zerbrüllen…EINSCHIEBEN!…STIMME ENDGÜLTIG ZERBRÜLLEN! Da ist der Dreier! Allez Ladiho!

„Wahnsinn“, sagt Sebi Wiese nachher, „wir gewinnen mit 4:2…Ich komme auch schon mit dem Zählen durcheinander, 5:3!“. Nochmal langsam, da es ja nun doch nicht alltäglich ist: Arminia Bielefeld gegen Jahn Regensburg Fünf zu Drei. Wenn man jemanden fragt, der einfach nur Spaß am Fußballgucken hat – solche Leute soll es ja geben -, wie er sich ein unterhaltsames Fußballspiel vorstellt, sagt er sicher sowas wie: „Acht Tore, gehaltene und ungehaltene Elfmeter und zwei Platzverweise, dann war wirklich alles dabei.“.

Platzverweise und Elfer waren heute nicht dabei. Dafür aber jede Menge andere Kuriositäten. Was lernen wir daraus? „Alles dabei“ ist im Fußball relativ. Deswegen sagen wir Arminen auch nicht „Alles dabei“ sondern „Immer dabei“, um bei unserer schwarzweißblauen Kuriositätenschau auch ja nichts zu verpassen. Und jetzt freuen wir uns erstmal über sieben Punkte aus vier Spielen. Guuuter Saisonstart! Und alles Gute für den stark aufspielenden SSV Jahn Regensburg.

Das Bielefelder Glückshormon hat schwer arbeiten müssen. Nach dem Match ging es ins Bett und schläft jetzt immer noch. Ich wecke es zum Pokalderby der Blauinnen.

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