Arminia gegen Jena 0:1 – Vom Umstoßen – Böcke und ihre Interpretation.

Arminia gegen Jena 0:1 – Rundumbeobachtungen von Jan-Hendrik Grotevent

Bekanntermaßen gehen beim Fußball die Sichtweisen immer recht weit auseinander. Beispielsweise erzählen Jenenser Beobachter über den 1:0-Sieg der Frauen des FC Carl Zeiss Jena auf der Postheide von einem überlegenen Spiel, das verdient gewonnen wurde. Auf der Heimseite wollen ostwestfälische Beobachter von einem ordentlichen, keinesfalls enttäuschenden Auftritt der Blauinnen, die bei ihrer dritten Saisonniederlage zum wiederholten Mal schlimmes Pech bei ihren Torabschlüssen hatten. Der Rundumbeobachter stellt dazu fest, dass irgendwie beides stimmt. Und wundert sich dabei nicht nur über das Gerede über Fußball, sondern auch über die Interpretationsmöglichkeiten, die der Sport immer wieder liefert.

Arminia gegen Jena

Enttäuscht haben die Blauinnen jedenfalls nicht. Die Einstellung stimmt, das war spätestens nach dem Platzverweis von Lotti Schöning zu sehen, als die Mädels wenigstens den einen Punkt über die Zeit zu fighten versuchten. Dass vorne etwas die Durchschlagskraft fehlte und die Chancen, die sich ergaben, nicht genutzt wurden, greift irgendwie auch zu kurz. Denn ein paar wirklich gute Kombinationen waren schon noch dabei. Und die Defensive stand ordentlich. Die Einstellung muss sich doch irgendwann auszahlen. Oder, wie Wuckel sagte: „Wir müssen den Ball über die Linie und damit das Spielglück auf die eigene Seite zwingen“. Hat er recht, denn im Moment kommt es nicht von alleine. Ist schon eine ganze Menge Pech im Spiel.

Vielleicht liegt ein böser Fluch über der Postheide, der dazu führt, dass Arminias Frauenteam auf der mit 15 Monaten nun nicht mehr ganz so neuen Spielstätte erst ein Spiel gewonnen hat. Als das passierte, haben wir nachher Weihnachtslieder gesungen. Okay, Corona hat den Zeitraum natürlich gestreckt, sagt aber in diesem Fall: „Lass mich da raus, ich sorge nur dafür, dass keine Zuschauer kommen dürfen und Du deswegen kein Gerede vom Spielfeldrand aufschnappen kannst!“. Ja, danke auch. Außerdem glaube ich nicht an Flüche.

Halten wir fest: Viel Aufwand bringt wenig bis keine Erträge, zu keinem Glück kommt Pech und auch die Einstellung muss sich irgendwann auszahlen. Das sind schon ein paar Böcke, die umgestoßen werden müssen (denn, wie wir eben feststellten, von alleine fallen sie nicht um).

Welche Interpretationsmöglichkeiten lässt der Saisonstart der Blauinnen denn dann zu? Schaut man voraus bekommt man da schon ein beklemmendes Gefühl und spielt bedenkliche Zukunftsszenario durch. Kurz: Man macht sich Sorgen. Jetzt ist es aber das Besondere an den Blauinnen, dass man aus den Sorgen die Hoffnung nie so ganz wegkriegt, wenn man ihnen zusieht. Da steckt zuviel Hingabe, zuviel Einsatz, zuviel Leidenschaft für komplett dustere Zukunftsgedanken drin.

Hat Satre also recht, wenn er sagt, dass ein großer Teil der Sorgen aus unbegründeter Furcht besteht? Oder Camus, der in der Sorge den Anfang aller Dinge sieht? Die Blauinnen haben jetzt zwei Wochen pflichtspielfrei. Am besten lässt Wuckel in diesem Zeitraum viermal gegen Wiedenbrück spielen. Die hat Arminia in der Vorbereitung mit 18:0 abgefiedelt. Und vielleicht veranstalten sie auch ein kleines auflagengerechtes Kabinengelage. Wo man Drei-Litern-Pullen Maracujaschnaps herkriegt, wissen die Mädels ja.

Und dann kann es, mit wiedergewonnener Spielfreude, wiederentdecktem Spaß an Toreschießen und Maracujaschnaps weitergehen. Es ist ein langer Weg zurück in die eingleisige Zweite Frauenbundesliga, aber dafür ist noch genug Saison übrig.

Also. Mit Freuden ran, you girls in blue!

„Das Boot“-Zitat zum Spiel:

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