Arminia gegen Kaiserslautern 0:0 – Rundumbeobachtungen von Jan-Hendrik Grotevent
Arminias Homepage bemüht im Bericht zum Spiel der Blauen gegen die Roten Teufel die diplomatische Phrase „nicht zielführend“. Wir alle haben das Spiel gesehen und unterschreiben diesen Ausspruch. Es wird vermutlich wenig überraschen, wenn die Rundumbeobachtungen auch zu einem ähnlichen Fazit kommen. Eingangs aber eine Logik, aufgeschnappt in der Linie 4 zwischen Hauptbahnhof und Oetkerhalle, die mit Sicherheit nicht zielführend ist: „Magdeburg hat Unentschieden gespielt. Wir steigen ab.“ So verquer führt nichts zum Ziel.

„Vier Punkte, auf Rasen und Tribüne!“, fordert der Vorsänger von Block 1 für die letzten beiden Spiele des Kalenderjahres. Das hat zwar auch einen logischen Wackelkontakt (wo und wie holt die Tribüne vier Punkte?), aber gibt eine eindeutige Richtung vor. „So nämlich!“, stimmt Block 3 zu. Und die Süd sammelt ihre Punkte. „Deutscher Sportcluuuub, Shalalalalalalalaaaaaa…“.

Und Arminia… hat erstmal Ballbesitz. Und das war’s für die Startphase der Begegnung. „Die ersten zehn Minuten sind überschaubar“, summiert Block 3 und hat wie immer recht. Alles sehr überschaubar. Man kann die Mannschaften durchzählen. Beide elf Spieler. Keiner vergessen. Man kann die Maximalzahl an Bieren evaluieren, die von einer Person durch einen knallvollen Block 3 geschleppt werden (sechs). Man könnte den mitgereisten Pfälzer Anhang durchzählen, wenn man Lust hätte.

Zeit genug hat man dafür, da Arminia auf dem Platz zwar den Ball hat, aber kaum etwas damit anstellt, außer einen Aufbauversuch im Mittelfeld nach dem anderen zu starten und keinen davon zielführend fortzusetzen. „Bitte Tor“, stöhnt ein genervter Block 3.

„Der Marlon Ritter soll das totale Arschloch sein“, weiß Block 3. Kann sein. Deutet besagter Balltreter auch ein paar mal an. Das ist insofern erwähnenswert, als dass das das einzige ist, was die Gäste andeuten. Offenbar hat sich die Preußen- Taktik herum gesprochen, dass es reicht, massiv hinten zu stehen, dreckig zu spielen und auf Fehler des DSC zu lauern. Eine positive Erkenntnis heute ist, dass diese Fehler nicht passieren. Und dass die Laudrer auf dreckiges Spiel verzichten, von Ritterschen Andeutungen mal abgesehen. „Ritter von der traurigen Gestalt!“, ruft Block 3 aber für alle Fälle und: „Ritter der Kokosnuss!“. Der Rundumbeobachter ergänzt noch „Armer Ritter mit Vanillesoße.“

Nach 26 Minuten steht es 1:1 nach offensichtlichen Abseitstoren. Sonst rennt Arminia gegen die kompakteste Fußballfestung seit Lübeck 2024 an. Ohne Zielführendes zu erwirken. Block 3 befasst sich derweil mit dem, was im Torraum der Gäste rumliegt: Choreo- Rückstände. „ Habt Ihr kein Klopapier in Kaiserslautern odawatt!?“. Unangenehm… dann wäre es angebracht, die Streifen einzusammeln und gerecht unter der Mannschaft zu verteilen. Und nichts Scharfes oder Fettiges zu essen.

Einziger Aufreger in Hälfte Eins: Ein Schuss von Benjamin Boakye ans Außennetz. Danach: *Pfiff* – „SchiRi, ey was!!?!“ – „Pause.“ – „Ach so…“

Halbzeit. „Hach, es ist doch immer wieder eine Freude…“, sagt Block 3. Was jetzt? Das Spiel? Die Halbzeitversorgung? Adventszeit? Allgemeine Tristesse?

Es ist ja schon länger ein Phänomen: Dr. Arminia and Mr. Bielefeld oder: Die zwei unterschiedlichen Halbzeiten. War das bisher gesehene nun die guten oder die schlechten 45 Minuten? Schlimmer kann es eigentlich kaum werden. Obwohl… drei Tore in 15 Minuten kassieren? Ein gelungener gegnerischer Angriff und Arminia hat verloren? Kann alles noch passieren…

Wobei man den Blauen nicht absprechen kann, dass sie sich bemühen und alles reinhauen. Aber wie Block 3 sagt: „Ohne Schüsse aufs Tor kann man nicht gewinnen.“ Und die ersten zehn Minuten des zweiten Durchgangs scheint der DSC das auch verinnerlicht zu haben. Erst dröhnt Wörl einen auf die Kiste, die der Laudrer Keeper etwas unorthodox zur Seite boxt. Und dann zaubert Russo einen ans Gebälk AAAAARGH! Block 3 passt an: „Schüsse aufs Tor… Schüsse ins Tor brauchen wir…“

Und dann… tja dann… Arminia rennt gegen die kompakteste Fußballfestung seit Mecklenbeck 2024 an. Rennt, passt, versucht es nochmal, spielt hintenrum, spielt nochmal hintenrum, versucht es nochmal, bricht versucht ab, rennt, spielt hintenrum, spielt nochmal hintenrum und alles nochmal von vorne. Reprise der ersten Hälfte – die zweite ist also weder besser noch schlechter. Toll.

„Mecker nich‘, so wie die spielen, führen die doch 3:0“. Ach soooooo. Auch der gläubig erwartete Jonny Grodowski und der hoffnungsvoll erwartete Isi Young ändern nichts am Anrennen. Man hätte es eigentlich befürchten müssen. Wenn die Trainingsjacken beim Warmmachen schon wie Schlafanzüge aussehen…

Die letzte beschriebene Spielszene dieser Rundumbeobachtungen ist der Lattenschuss von Steff Russo, die Leserschaft wird es bemerkt haben. Danach kam nix mehr und kommt auch nix mehr. Zumindest nichts zielführendes. Also endet das letzte Heimspiel der Blauen im irrsinnigen Kalenderjahr 2025 mit 0:0. Ein Punkt nach drei Niederlagen, immerhin. Ein Punkt weniger, den Arminia zum Klassenerhalt holen muss. Und so gesehen ist er (eventuell) doch zielführend.

Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch Euch allen! Wir lesen uns im neuen Jahr!

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