Arminia gegen Karlsruher SC 4:0 – Rundumbeobachtungen von Jan-Hendrik Grotevent
Auf Stellung nehmen. Auf Block 3, auf der Süd, auf der ganzen Alm. Auch im Gästeblock, wo sich eine große Menge Fans aus Baden auf den Weg nach Ostwestfalen gemacht hat, um den Karlsruher SC zu unterstützen. „Man, sind die laut“, stellt Block 3 anerkennend fest. Und daraufhin lässt sich der Rundumbeobachter zu folgender Prognose hinreißen: „Lass mal, wenn die nach 30 Minuten 4:0 hinten liegen, ist Ruhe.“.

Ja, eine ziemlich steile These, waren Arminias Auftritte gegen den KSC in der Vergangenheit doch eher halb super. Heute starten die Blauen mit viel Elan und mal wieder viel Rennerei, die ersten 20 Minuten kommen aber nicht mehr als eine vergurkte Volley- Abnahme von Handwerker und ein Kopfball von Mael Corboz dabei herum.

Arminia ist also feldüberlegen. Und der KSC? Tut wenig. Bis nix. In der Linie 4 nach dem Spiel behauptet irgendein Schlaumeier, Karlsruhes Trainer Christian Eichner habe in der Pressekonferenz nicht gewusst, wie sein Team das Spiel auf der Alm angehen solle. Zum Beleg mit Zitaten. Die Eichner nie gesagt hat.Tatsächlich hat er gesagt, man wisse um Arminias Laufbereitschaft, die sei aber nicht spielentscheidend, seine Mannschaft müsse sich darauf einstellen und bereit sein, zu leiden. Wie dem auch sei, ob Gerede in der Straßenbahn stimmt (und wer zweifelt daran?) oder ob ein Gästetrainer einen Plan hat – schlussendlich hat der KSC heute unterm Strich nur die Bereitschaft zu leiden gezeigt.

Aber das wissen wir nach 25 Minuten noch nicht. Die Alm ist damit beschäftigt, unsere Lieder immer wieder für Arminia zu singen. „Die reagieren nur, die agieren nicht“, kommentiert Block 3 die im Moment recht übersichtlichen Ereignisse auf dem Spielfeld. Wobei das eigentlich nur auf die Gäste zutrifft. Arminia agiert schon. Gibt auch nichts, worauf die Blauen reagieren müssten. Nach 30 Minuten steht es 0:0…

…und Rundumbeobachters These von der 4:0-Führung ist …ääääh… etwas strapaziert. „Highlightarmes Spiel“, meint Block 3 und hat recht, mit einer Ausnahme: Eine junge Dame wühlt sich durch die Menschenmengen auf den Block. Und fragt, wo der Ausgang sei. Faszinierend. Kommt rein und fragt, wie man rauskommt. Fasst das nicht die typisch ostwestfälische Form von räumlicher Orientierung, wie sie auf Block 3 herrscht inklusive gewisser logischer Fragezeichen perfekt zusammen?

So sieht es in der Nachspielzeit von Halbzeit Eins nach einem verdienten 0:0 aus… bis sich da drüben vor der Nordtribüne ein paar Arminen aufregen und der SchiRi Fernsehen gucken geht.

Dann erklärt er der Alm, dass irgendwas Strafbares vorlag und gibt Elfer für den DSC. Jonny und JAAAAAAAAAAAAAA!
Doch eine Pausenführung.

Halbzeit. Um noch eine Prise Verwirrung zur Ausgang-Episode dazuzugeben:

Anstoß. Ball zu Taddel. Taddel rennt los. „Mach alleine“, brüllt Block 3 und JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA, MACHT DER AUCH!

Jubel Umarmen, Bierdusche! Sofort zur Halbzeit, sofort nach der Halbzeit, das sind Wirkungstreffer. Zumindest für Block 3, wo man euphorisch ist: „Siggi Reich hat ja mal vier Tore gegen Karlsruhe geschossen“ – „Heute Tadd…“ – JAAAAAAAAAAAAAA! DOPPELPACK HAT ER SCHONMAL! Jubel Umarmen, Bierdusche!

3:0 nach 50 Minuten, die Stimmung ist entsprechend. „Dass unsre Stürmer Spitze sind, weeeeiß jedes Kind!“. Und auch die Blauen sind beflügelt. Schuss- abgeblockt! Der Ball kommt zu Corboz auf halbrechts, der schaut, der flankt, Noah KOPF- JAAAAAAAAAAA!

WUUUUUHU!

4:0 nach 60 Minuten! 60 Minuten sind genauso wie 30 Minuten! 60 Minuten sind ja eh nur 30 Minuten und nochmal andere 30 Minuten! 60 Minuten sind genau genommen nur ein Mal andere 30 Minuten als 30 Minuten! Also hat der Rundumbeobachter Recht gehabt und beginnt jetzt eine zweite Karriere als Straßenbahnschlaumeier.

Und Arminia rennt weiter. Da isses wieder, Gespenst der unterschiedlichen Halbzeiten. Nur ist es heute ein gutes Gespenst. Und die Blauen haben in der Viertelstunde nach der Pausenwurst keine drei Tore kassiert, sondern drei Tore geschossen. Und, wie gesagt: Sie rennen weiter. „Die spielen, als würde es 0:0 stehen“, schwärmt Block 3. Die Moral stimmt auch. Übrigens: Fasst man die gelaufene Strecke der Blauen von heute und letzter Woche zusammen, ist Arminia einmal von der Alm bis nach Amsterdam oder Lübeck oder Gernsheim in Hessen gelaufen. Wo ist die Straßenbahn, die das hören will?

Eine halbe bis dreiviertel Chance nach der anderen. Block 3 gönnt sich einen Moment der Überheblichkeit: „’n Fünftes wäre doch auch schön.“ – „Nee, lass mal, die haben so einen weiten Heimweg.“ – „Dann isses da wenigstens still.“.

Viel passiert nicht mehr und Block 3 gönnt sich noch ein bisschen mehr Überheblichkeit: „Ist dat’n langweiliges Spiel, höhöhö…“

Dann haben sich zu den beiden dreißig Minuten nochmal dreißig Minuten plus Nachspielzeit hinzu gesellt. Und Arminia hat den Karlsruher SC, so Block 3, „nach allen Regeln der Kunst auseinandergenommen.“. Auch wenn da wieder etwas Überheblichkeit mit schwingt, stimmt es. Taktisch aufmerksam, effektiv, einsatzfreudig und das Herz auf dem Platz gelassen: Es geht, was Arminia betrifft, wohl kaum besser als heute Nachmittag.

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