Eiertrefferfreistöße – Arminia gegen Köln 1:3

Arminia gegen Köln 1:3 – Rundumbeobachtungen von Jan- Hendrik Grotevent

Ja, da isser wieder in Bielefeld. Nicht nur fürs Spiel. Länger. Viel länger. Seit ewigen Zeiten mal wieder mit Bus und Bahn zur Alm und nicht mit Pingel-Anton alias rasender Münsterländer alias Westfalentod, eigentlicher Name: Regionalbahn 67. Die Linie 4 ist voll bis unters Dach – „Wenn er jetzt scharf bremst, wird vorne jede Menge Platz frei, höhöhö“. Hach, drauf gepfiffen, dass Isaac Newton bei der Aussage Explosionsdurchfall gekriegt hätte – ich bin zu Hause! An der Haltestelle Oetkerhalle gibt es Bahnauffahrunfälle ohne Bahn: Während sich die Massen aus der einen Vier die Treppen hoch wälzen, kommt schon die nächste, deren Massen hinten auflaufen. Vergleichsweise entspannt ist die Situation am Eingang, trotz ausverkaufter Alm.

Arminia gegen Köln

Die Kölner mit Choreo, wir mit Transparenten gegen das neue Polizeigesetz in NRW. Die Kölner laut, wir auch laut. Die volle Alm mit einer Lautstärke, bei der die berühmten Lärmschutzauflagen langsam und mit roten Köpfen in Deckung gehen. Trotz der Chants, die von der gesamten Süd einschließlich Sitzern donnern, bleibt Block 3 seiner differenzierten Sicht auf die Dinge treu: „Die vergeigen es aber noch!“. Bei der Seitenwahl. Wer jetzt? Arminia an diesem Tag? Der EffZeh in dieser Saison? Egal, hauptsache, irgendwer fiedelt was daneben.

Arminia gegen Köln

Zum Beispiel Lord Börner nach zwei Minuten per Kopf. Drei Minuten später rettet Tego mit einer Wahnsinnsparade. Ja, hier geht es hin und her, auf dem Platz und daneben. Tempo, Lautstärke. Das erste Viertel des Spiels gehört Arminia. Die Blauen attackieren hoch, lassen den Ball laufen, in den Strafraum kommt er aber vor allem nach Standards…Börner köpft der als Torwart angezogenen Kokosöl-Bartpflege in die Hände. „Ooouh!“. Block 3 steht unter Hochspannung. Den Grad der Spannung erkennt man übrigens an der Artikulation der Spielkommentare. Heute ist ein Tag für „AASSAMEENATAAA!“, was in Transskription heißt…äääh…

Ab der 25. Minute legt auch der Spitzenreiter los und kommt zu einigen Chancen, bei der Tego wieder einmal seine Klasse beweisen kann. Anderson Lucoqui, der auf Linksaußen sehr lebendig unterwegs ist, trifft doppelt. Immer schön, wenn in Berichten diskret von „in den Unterleib“ gesprochen wird. Lucoqui hat ins Gemächt, in die Familienjuwelen getroffen, oder, wie Block 3 es unterleibstreffend ausdrückte: „Der hat ihm die Eier zerschossen“. Aus irgendwelchen Gründen hat diese Zubereitung von scrambled eggs einen Freistoß für Köln zur Folge. „Genauuu, SchiRi“, hadert Block 3, „so weit sind wir schon!“.

Ach und weh, Block 3 weiß da noch gar nicht, dass wir mit dem SchiRi noch weiter, sehr viel weiter müssen. Schon kurz zuvor war Lucoqui mit dem Ball durchs Seitenaus gedribbelt und hatte schon gestoppt…das Spiel lief aber weiter. Chance auf ein irreguläres Tor vertan. Der SchiRi sollte uns im weiteren noch so penetrant auf die unzerschossenen Eier gehen, dass ich ihm und seinen Problematiken nochmal einen extra Text widmen werde. Für heute nennen wir die fragwürdigen Entscheidungen mal „Eiertrefferfreistöße“.

Der EffZeh kommt über links, Terodde…erzielt ein Abseitstor. Arminia ist lebendig, Köln aber unglaublich gefährlich. Das tut der Stimmung aber keinen Abbruch. Block Eins stimmt an, Block J stimmt an, beide Seiten übernehmen. Minutenlanges „Arminiahaa“ – „Bielefeheeeld“ hin und her und her und hin. Geil!

Dann kommt der Moment, ab dem dem Umpfparteiischen die Linie verloren geht. Ein Eiertreffer-doch-nicht-Strafstoß. Jeff hat nachher auf der Pressekonferenz erzählt, dass der Schiedsrichter-Beobachter des DFB sich in der Halbzeitpause bei ihm entschuldigt habe ob des ebenso eindeutigen wie nicht gegebenen Strafstoßes. Das spricht für sich. Auch Hartherz spricht für sich und sieht Eiertreffer-Gelb. Die Unterleibsverletzung zieht leider die erste Halbzeit in die Länge, in der Terodde dann doch noch zuschlägt. Mist! Aber sofort ist die Süd da: „BIE-LE-FÄLD!“. Applaus für die Blauen, Pfiffe gegen den SchiRi zur Pause.

Halbzeit. Ist mal jemanden Aufgefallen, wie trist unser Almrasen aussieht, seitdem dort Cyborg-Gras wächst? Früher konnte man Löcher zählen, den Grad der Vermoorung schätzen, Grashalme suchen und wenn man ein Mikroskop dabei hatte, ganzen Zivilisationen von Mikroorganismen beim Support zugucken. Und heute? Hybridgrüne Ödnis…

Auf dem Platz und auf den Rängen geht es lebendig in die zweite Hälfte. Köln mit zwei gegen eins in vollem Lauf…okay das war’s…DOCH NICHT! Edu klärt vor dem leeren Tor. Was macht der eigentlich nicht? Arminia gibt sich kämpferisch, Block 3 auch. „Kommt Jungs, zieht duuuuurch!“. Unterbrochen wird der Support durch diverse ungezählte Eiertrefferfreistöße und noch ungezähltere Eiertrefferfreistößeaufreger. Dabei lässt die sonst so begeisternde Kreativleistung von Block 3 etwas zu wünschen übrig – „Du hast doch nicht alle Steine auf dem Brett“ ist noch das Originellste, was dem SchiRi ans Ei gefeuert wird.

Na ja, es kommen auch fast minütlich neue Eiertrefferfreistöße und damit neue kreative Herausforderungen – da muss selbst ein Block 3 irgendwann kapitulieren. Arminia fightet…doch der EffZeh vertut die Chance auf ein irreguläres Tor nicht. Drexler aus dem Eiertreffer-Abseits auf Terodde, und der…na ja. Zielt halt nicht daneben. Der Angriff zum 0:2 resultierte auch aus etwas Eiergetroffenem. Vielleicht auch nicht. Aber wer weiß das jetzt noch? Kleiner Tipp: Der SchiRi nicht…

Aber mit Blick auf die letzte Saison und vor allem mit Blick auf den Sieg in Darmstadt wissen wir: Arminia ist erst besiegt, wenn die Truppe im Mannschaftsbus sitzt und die Türen abgeschlossen sind. Da kann man hoffen und sogar wetten, nach dem Spiel vor der WunderBar hört der Rundumbeobachter, wie jemand durch eine spontane Live-Wette beim Darmstadt-Spiel richtig abgesahnt hat…das ist der Arminia-Spirit, den wir brauchen!

Und das ist der Arminia-Spirit, den die Alm in der Schlussphase zeigt! „Wir sind immer dabei“ im Gänsehautentzündungs-Stil. Natürlich wieder in mehr Varianten von „ob nah oder weit“, als es Buchstaben gibt. Und jaaaaa, Staude trifft! Anschluss! Und Arminia und Alm hauen sich nochmal rein! Die Blauen machen auf, das ist jetzt aber auch egal. Leider auch jede Menge Eiertreffer-Hektik.

Dominick Drexler stirbt in Tegos Strafraum vor sich hin, Tego regt sich maximal beim Kommando-Ei auf, Drexler wird von den Kölner Physios so schnell reanimiert, dass er sofort nach verlassen des Platzes wieder zur Mittelinie sprinten kann, wo Kommando-Ei ihn nicht etwa bis zum Schlusspfiff stehen lässt…Okay, das 1:3 fällt dann halt und ist am Spielverlauf gemessen eins zuviel. Tego will dem Ober-Ei an die Eier und muss von Bielefeldern und Kölnern fixiert werden.

Müßige Frage, ob das Spiel unter einer Spielleitung mit Eiern anders ausgegangen wäre. Köln war cleverer, Köln war fordernder. That’s it. Den Blauen ist kein Vorwurf zu machen, außer vielleicht etwas mehr Mut im Spiel nach vorne. Kannste verlieren, darfste verlieren, nächste Woche in Bochum sieht alles wieder anders aus.

Das Bielefelder Glückshormon hatte mit SchiRi keine Chance…

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