Arminia gegen Mönchengladbach II 8:0 – Rundumbeobachtungen von Jan-Hendrik Grotevent
Hach ja, zweite Mannschaften… das Übel der Drittklassigkeit. Und in der bisherigen Saison ein Übel der Blauinnen. Gegen die zweite Mannschaft von Leverkusen eine Klatsche auf der Alm gefangen und eine Woche drauf der nächste Fangschlag bei der zweiten vom EffZeh. Und jetzt kommt mit Borussia Mönchengladbach die zweite dritt… dritte zweite Mannschaft in Folge.

Immerhin kommen die Jungfohlen auf die Postheide und da sind die Blauinnen über ein Jahr in der Liga ungeschlagen (Liga! Westfalenpokal und Testspiele sind nicht Liga!).

Und vielleicht können die jüngsten Niederlagen, wie auch die beiden Siege in den allerersten Saisonspielen, auch einem Findungsprozess zugute gerechnet werden. Heute ist es das fünfte Spiel der Serie und die fünfte neue Startelf. 21 Spielerinnen hat Bella (Wuckel: „Anna“) Jäger bisher eingesetzt und lediglich Maren Allmeroth hat neben Tor-Lisa alle Minuten dieser noch jungen Saison durchgespielt. Spoiler: Das war das letzte Mal für diese Rundumbeobachtungen, dass Tor-Lisa erwähnt wurde. Liegt nicht an ihr, sondern am Spielverlauf und der ging so:

Wie eine Saison braucht auch ein Spiel eine Findungsphase und wie üblich ist die bei Arminias Frauen recht lebendig. Soffes Thiemann sorgt für den ersten Höhepunkt, als sie ein schönes Zuspiel von Jocy Hampel aufnimmt und direkt unter die Latte zielt. Gladbachs Torfrau verhindert mit einer Irrsinnsparade die frühe Führung. Bei der folgenden Ecke kullert der Ball knapp am Tor vorbei. „Gehalten“ sagt der Spielfeldrand. Und dann „Ecke.“ Und dann: „Knapp vorbei.“ Boah, Kommentare, als wäre man selbst live dabei.

Die zweite Mannschaft der Borussia vom Niederrhein kommt als Vizemeister auf die Postheide, hat aber erst zwei Punkte aus den ersten vier Spielen geholt. Offensiv passiert bei den Gästen kaum was, aber defensiv sind sie gut organisiert.

Nach etwa einer Viertelstunde haben sie sich auf die Angriffe der Blauinnen eingetaktet. „Lasst sie laufen!“, rufen die in grün gekleideten Fohlenelfen. „Angebote machen!“, ruft man bei Arminia. Und alle rufen: „Fuß!“, „Hier!“, „Da!“, „Ja! Ja!“, was das Spiel zu diesem Zeitpunkt ganz gut wiedergibt. Und diese These des Rundumbeobachters bestärkt: Spätestens seit der logopädischen Fehlpressung am Spielfeldrand von Essen II erscheint es egal, was man sich beim Fußball zuruft, der taktische Mehrwert ist Null, es passiert auf dem Platz, was auf dem Platz passiert. Kannste ebenso gut „Fischbrötchen“ brüllen.

Das gilt übrigens auch für den Spielfeldrand: „Ey SchiRi, Abseits!“ – „Das war eigene Hälfte“ – „Und wenn nicht?“ – „Dann ja. Abseits“. Fischbrötchäääään!

Gladbach lässt also die Blauinnen laufen. Die nehmen das an und verballern eine Torchance nach der anderen. Erst zielt Susi Werner knapp daneben. Dann scheitert Jocy Hampel an der Torfrau, Susi Werner kann den Abpraller nicht unter Kontrolle bringen, Zoffi Thiemann haut den Ball schlussendlich drüber, Dann verfehlt wiederum Susi Werner das leere Tor. Und aus der Distanz verfehlt auch noch einmal Thiemann das volle Tor.

Die schwarzweißblaue Führung wäre, sagen wir mal, so was Ähnliches wie verdient. „Geduldig sein“, rufen die Blauinnen durch Windflöte. Aber so viele Chancen, so gar kein Tor… Nee, der Rundumbeobachter ist nicht der, der jetzt „Wenn sich das mal nicht rächt“ schreibt.. aber wenn jetzt einer bei Gladbach mal nicht Fischbrötchen sondern „Spielt ruhig nach vorne“ brüllt und das verstanden wird… Nee, der Rundumbeobachter ist nicht der, der jetzt „Wenn sich das mal nicht rächt“ schreibt,… der ist der, der das am Spielfeldrand erzählt, ja, aber nicht der, der das schreibt.

Kurz vor der Halbzeit ist das dann aber Fischbrötchen. Susi Werner spielt von rechts flach rein, Jocy Hampel vollstreckt – da isses, das 1:0!

Einer der mitgereisten Gladbacher sagt nach dem Pausenpfiff: „Glück gehabt, dass es nicht 5:0 oder 6:0 steht.“ Freu Dich aufs Endergebnis, mein Lieber.

Halbzeit. Ein kleines Zitat von Mörike. *räusper*: „Im Nebel ruhet noch die Welt, noch träumen Wald und Wiesen: Bald siehst du, wenn der Schleier fällt, den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt in warmem Golde fließen.“. Der kannte die Postheide auch. Eine ausführliche Interpretation werdet Ihr in den nächsten Rundumbeobachtungen vermissen.

Acht Minuten sind in Durchgang Zwo vorbei, als Hännah Wehmeyer von rechts reinflankt und Jocy Hampel zum 2:0 einköpft. Püschologisch wichtige Zeitpunkte, zu denen die Tore fielen. „Was soll Gladbach tun?“, entgegnet der Spielfeldrand auf Rundumbeobachters vorher noch einmal geäußerte Theorie von „Wenn sich das mal nicht rächt?“. „Das gibt kein Rocky IV hier… Was macht eigentlich Dolph Lundgren?“ Keine Ahnung, aber wir wissen, was Jocy Hampel macht: Die sagt nach einem verunglückten Gladbacher Rückpass vielen Dank und schnürt ihren Dreierpack.

Spätestens als die Gladbacherinnen eine Ampelkarte kassieren ist klar: Das wird wirklich nix mit Rocky IV. Aber Zoffes ruft „Ecke IV“ kurz vor Ausführung derselben. Und dann heißt es Arminia IV, als die eingewechselte Lizzza Lösch ihren ersten Ballkontakt effektiv zu verwerten weiß.

Wenn es höher wird, pflegen die Blauinnen ihre Tore ja gern in Doppelpacks zu erzielen. Zwischen 2:0 und 3:0 lagen drei Zeigerumdrehungen. Genauso viele sind es, als es nach dem 4:0 Elfmeter für die Blauinnen gibt. Der beschert dann auch Zoffes Thiemann ihren wohlverdienten Treffer.
Ja, hat die gute Sophia sich verdient. Ebenso wie die Spielerinnen auf der rechten Angriffsseite, von der sechs der am Ende acht Tore vorbereitet werden. Es ist aber der Nachmittag der Jocelyn Hampel. Eine Viertelstunde vor Schluss erzielt sie das 6:0. Ein Minütchen später kommt die nächste Hereingabe von rechts und… na ja, ratet mal. Jocy V statt Rocky IV. Kurz vor Schluss erzielt Maren Allmeroth noch das 8:0. Endstand.

Blauinnens eben. Wenn es rollt, rollt es. Beitrag dieses Spiels zu Erkenntnissen in der eingangs angesprochenen Findungsphase: Öfter rollen lassen.
Für zeitloses Lesevergnügen ist die „Fußballfibel DSC Arminia Bielefeld“ empfohlen. Da stehen viele Lagerfeuergeschichten drin, auch über die Blauinnen. Die Fibel gibt es bei Thalia. Oder bei amazon. Oder im Fanladen. „90 Minuten Arminia“ habt Ihr schon…?



