Arminia gegen Sandhausen 1:1 – Warum wir samstags aufstehen (pt.1)

Arminia gegen Sandhausen 1:1 – Rundumbeobachtungen von Jan-Hendrik Grotevent

Linie 4 Richtung Alm. „Ich weiß ja nicht, wofür DU morgens aufstehst,…“. Nun, der Adressat dieser Aussage hat einen schwarzweißblauen Schal um und steht wegen Arminia gegen Sandhausen auf. Der Absender dieser Aussage hat auch so einen Schal und folglich den gleichen Grund. Arminia ist ein edler Grund, um samstags aufzustehen. Und ein Grund, den man mit aller zur Verfügung stehenden Ernsthaftigkeit verfolgen sollte. Erst recht, wenn der Samstag Gelegenheit bietet, den DSC gleich zweimal zu unterstützen. Da kommen wir aber später noch zu. Erstmal gilt die volle Konzentration dem Spiel gegen Sandhausen. Und da legt Block 3 alle zur Verfügung stehende Ernsthaftigkeit an den Tag: „Ich habe mit der Kleinen zu Hause extra nochmal die Hymne geübt.“ Lobenswert!

Arminia gegen Sandhausen

Während das Gebolze unten seinen Lauf nimmt, äußert Block 3 ein ganzes Spektrum an Erwartungshaltungen. „Vor Klos laufen sie alle weg“, heißt es von links, als unser Hochdruckpresswerk mit der Nummer Neun zwei Gegenspielern entwischt. „Das bleibt jetzt 90 Minuten so“, heißt es von rechts, als Tego und Vorderleute das Spiel von hinten mit einigen Querpässen unter Kontrolle bringen. Also alles normal bei Arminia: Es wird irgendwo zwischen einem 3:1 gegen Bayern und einem 0:2 gegen Sölde enden.

SchiRi Winkmann (der eigentlich „Pfeifmann“ heißen müsste, „Winkmann“ klingt nach LiRi) gibt Elfer. Bouhaddouz, unvernünftig, wie er ist, ist nicht vor Fabi weggelaufen und hat dessen Arm ins Portrait gekriegt. Block 3 fordert den Videobeweis. Gibt es nicht. „Wo ist Köln, wenn man es braucht?“. Der Ball liegt. „TEGO, DEN HAST DUUUU!“. Donnerndes Pfeifkonzert. Anlauf. Und TEGO HAT IIIIIHN! Erster dicker Jubel auf der Alm.

Zur Zeit steht Arminia unter einem positiven Stern. Da klappt sowas! Unter einem besonders positiven Stern steht Jonathan Clauss. Da klappt sowas: Da hinten, weit weg von Block 3, luchst er einem schlafmützigen Hardtwälder den Ball ab, läuft in den Strafraum, guckt, …Zweiter dicker fetter Jubel auf der Alm. Geile Kiste! Block 3 würde mit der Zunge schnalzen, wenn er wüsste, dass Zungeschnalzen bei einem geilen Tor opportun ist (ist übrigens nicht schlecht, dass Block 3 das nicht weiß. 2.000mal Zungeschnalzen würde sich eklig anhören).

So. Was klappt als nächstes? Natürlich die Rhetorik von Block 3. Bei einem Freistoß aus der linken Seite, den Hartel etwas verzieht, heißt es: „Den hast Du nicht hoch genug gekriegt!“. … … … Die Säue sind nicht die, die aussprechen, sondern die, die interpretieren. Wie zum Beispiel ich, wenn ich jetzt frage: Weiß Hartels Freundin davon? Tego rettet artistisch…bei dem klappt’s.

Uwe Neuhaus stellt vor der Partie klar: „Sandhausen hat jeder anderen Mannschaft bis jetzt sein Spiel aufgezwungen.“ Arminia bildet aus irgendwelchen Gründen keine Ausnahme. Der SVS kommt ins Spiel, der Ball läuft flüssig durch die schwarzweißen Reihen. Block 3 runzelt die Stirnen: „Arminia macht jetzt gerade ein bisschen wenig…oder die ganze Zeit schon“. – „Nutzt ja nix.“

Klassiker. „Nutzt ja nix“. Das kann man in jedes Alm-Vokabular aufnehmen. Oder gleich in die Alltagssprache. „Warum muss Hartherz spielen?“- „Nutzt ja nix“. „Wann beginnt der Vorverkauf gegen Karlsruhe?“ – „Nutzt ja nix.“. „Wieso kommt die Straßenbahn nicht?“ – „Nutzt ja nix“. Und so weiter. Yabo stolpert und verpasst ein Zuspiel. Riesenärger auf Block 3. „Wieso wird der immer aufgestellt?“. Yabo ist der neue Hartherz. Oder der ganz neue Börner. Oder der ganz ganz neue Dirk Flock.

Nach einer guten halben Stunde ist der SVS dann zu schnell für die sonst recht aufmerksame Arminenabwehr. Zuspiel von rechts (Block 3-Sicht) auf den langen Pfosten, zack, drin. „ABSEEEEEITS!“ – (nix passiert) – „WAAAS? KEEEEEIN ABSEITS?“. „Videobeweeeis!“. „Wo ist Köln, wenn man es braucht?“. Am VAR nervt eine Menge, einer großer Teil davon ist seine Ambivalenz in der Wahrnehmung.

Jedenfalls wird SchiRi Winkmann, der eigentlich Pfeifmann heißen sollte, jetzt zum Buhmann. „Wenn Du das am Fernsehen siehst, hat SchiRi eigentlich immer recht“, redet auf Block 3 eine Stimme der Vernunft, die aber keiner hören will. Unterm Strich war der SchiRi okay, sieht man vielleicht von einer merkwürdigen „Happy Hour“ ab (Foule zweimal, kriege einmal abgepfiffen).

Halbzeit. Wenn man die Aktivitäten der Südtribünen-Insassen in einer Halbzeitpause zusammenfassen will, wird „Laufen lassen“ auch ein heißer Kandidat fürs Alm-Vokabular. Jetzt dürft Ihr interpretieren.

Runde Zwei geht los und irgendwann spricht sich die Dresdner Führung in Hamburg herum. Und jetzt? Nutzen wir die Chance oder nicht, so typisch-Arminia-mäßig? „Keine Taktik, spielt einfach drauf loooos!“, postuliert Block 3. Ich möchte ergänzen: Und brüllt dabei wie die Apachen beim Angriff, das dürfte jeden Gegner verwirren. Sandhausen macht den Fehler, ihr Spiel nicht mehr aufzuzwingen und sich zurückzuziehen mit der Folge, dass die Blauen jetzt stärker aufkommen.

Block 3 hat Durst. Die Kunst ist, Augenkontakt mit Beerman aufzunehmen, der dann nach einer Bestellung fragt. Wenn man fies sein will, nimmt man Augenkontakt auf und sagt einfach „Hallo!“. Und wenn man richtig fies sein will, nimmt man Augenkontakt auf und grinst einfach nur dämlich. Aber wir wollen nicht fies zu Beerman sein, der macht einen super Job. Allein die Aufnahme der Bestellung ist eine hohe Kunstform: „Wollt Ihr noch was?“ – „Durchzählen! Eins…“ – „Zwei!“ – „Drei!“ – „…häh? Was?“…“ – „Nochmal, also: Durchzählen! Eins…“

AAAAARGH, Fabi völlig frei und köpft daneben. AAAAAAGH! Zwar schafft Sandhausen ein paar fürchterlich gefährliche Entlastungsangriffe, aber: Die Blauen sind dran! „Ich leg mich fest: Bei einem Sieg steigen wir auf!“, prophezeit Block 3. Rackern! Fighten! Fabi aus der Distanz, knapp vorbei! AAAARGH! Wuckel würde sagen: „Ihr macht das super! Der nächste ist drin!“.

Aber zu dem kommen wir später noch. Jetzt liegt erstmal Sandhausens Nummer 29 auf den Hybridpflanzen. Schon wieder. Und dann gleich nochmal. „Immer der Weiße!“, „Steh auf, ich stehe hier schon auch schon seit zwei Stunden.“ Block 3 hat wenig Verständnis für soviel Verweichlichung.

„Zwei Minuten mindestens mehr!“ – Wer bietet mehr? Da die Beziehung zwischen Nummer 29 und Rasen immer intensiver wird, einigt sich Block 3 auf vier Minuten und bekommt recht. EDDIIIEEE! Latte! MAAAAAAN….es endet 1:1.

Ein Punkt der für Arminia und für starke Sandhausener in Ordnung geht. Jetzt haben wir nicht gewonnen. Steigen wir jetzt nicht auf? Natürlich nicht. Typisch Arminia! Ist ein Aufstieg ausgeschlossen? Natürlich nicht, typisch Arminia. Was ist überhaupt dieses „Aufstieg“? Natürlich nicht. Typisch Arminia! Besser so. Was kann man überhaupt jetzt sagen? Also erstmal fahren wir zu den Blauinnen nach Rheda. Aber da kommen wir später noch zu.

VAR (Visuell aufmerksamer Rundumbeobachter):

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