Arminia gegen SF Lotte 2:0 – Rundumbeobachtungen von Jan-Hendrik Grotevent
Wie geht’s Euch so? Berlin verarbeitet? Wir haben zwar immer vom Triple erzählt, Meisterschaft/Aufstieg, DFB- Pokal und Westfalenpokal, aber irgendwie ist die Saison doch gefühlt vorbei.

Und da ist jetzt wirklich noch das Westfalenpokalfinale? Der Wettbewerb, den wir in zwei Jahren Dritte Liga nie so ganz ernst genommen haben? Wo das Halbfinale gefühlt schon wieder Äonen her ist? Wo Block 3 vor dem Spiel sagt: „Immer wieder schön hier auffe Alm, nur scheiße, wenn’s um nix mehr geht“?

Sei es das Schaulaufen der Drittliga- Meisters und Vize- DFB- Pokalsiegers, sei es Ritual (belauscht in der Linie 4 zum Spiel: „Den Platz hier habe ich erst 20 Jahre, davor 25 Jahre auf Block 5“), sei es tatsächlich Respekt vor dem Wettbewerb oder die wohlige Erkenntnis, dass Arminia ihn als Zweitligist (erstmal) nicht mehr spielen muss – schön, dass die Hütte voll ist.

Immerhin winkt ja auch noch der Doublesieg. Oder eine ziemliche Blamage zum Saisonabschluss. Jedenfalls: Die Blauen nehmen das Westfalenpokalfinale erstmal ernst, haben die ersten Spielminuten den Ball und geben ihn nicht her. „Jetzt mal’n Tor machen“, fordert Block 3, als Arminia zum etwa siebten Mal vor dem Lotter Strafraum von links nach rechts und wieder zurück kreiselt.

Die Sportfreunde haben aber die erste richtig fette Chance. Kersken rettet per Fußabwehr. Sportfreunde Lotte? „Lotta aus der Krachmacherstraße“ behauptet Block 3, das stimmt aber nicht so ganz. Der Finalgegner spielt direkt am Autobahnkreuz Lotte, so sieht es da aus (bzw. so sah es da 2010 aus):

Die Saison in der Regionalliga West beendeten die Sportfreunde auf Rang Drei. Klingt (ähnlich wie bei den Blauinnen) respektabel und ist es auch. Allerdings waren es 17 Punkte Rückstand auf den Regionalligameister aus Duisburg. Und die Zebras verabschiedeten sich mit einem 4:0 in Lotte in Richtung Dritte Liga. Auch wissenswert: Die Westfalenpokal- Paarung Arminia gegen Lotte gab es auch schonmal. Im November 2011 zu Beginn der Stefan- Krämer- Zeit. Elfmeterschießen. Auf der Rußheide.
Zurück in die Gegenwart, da hatte Block 3 ja die Arbeitsanweisung „Jetzt mal’n Tor machen“ an Arminia ausgegeben. Grodowski am Ball und JAAAAAAAAAAAA!, schön in den Knick geschweißt! Block 3 mag es, wenn auf ihn gehört wird und sagt: „Da isses!“.

Relativ frühe Führung- tut gut auf dem Weg zum Double. Oder zur Verhinderung einer Blamage, je nachdem. Lotte kämpft, Arminia ist defensiv aufmerksam. Die Blauen kreiseln weiter, legen quer, spielen ab, nach links, nach rechts (ja, wie in dem Oranje- Song), durch die Mitte- und vergessen dabei, dass man den Ball einfacher ins Tor schießen denn ins Tor kreiseln kann. Immerhin: Sie mögen den Ball und wissen mit ihm umzugehen. War ja auch nicht immer so.

So allmählich fühlt sich das Spiel an wie der Fahrradreifen, der langsam Luft verliert. Block 3 erneuert seine Forderung: „Mal’n Tor machen“. Tun die Blauen aber nicht. Mehr als ein paar halbe bis zwei Drittel- Chancen springen dabei nicht raus. Da die schwarzweißblaue Abwehr außerdem aufpasst, dass die tapferen Sportfreunde der Kiste vor der Süd nicht zu nahe kommen, fährt das Spiel auf schlappen Schluffen in die Pause.

Halbzeit. Die Brauerei mit den Namensrechten am Wettbewerb hat sich ein Spiel ausgedacht: Den Kastenkick. Drei Herren müssen aus etwa 30 Metern Entfernung einen Ball in eine große Bierkiste schießen. Einer scheidet aus, zwei gehen ins Stechen. Als Lotte schon zur zweiten Halbzeit auf das Spielfeld zurückkehrt, steht der Sieger fest. 120 Liter vom Bier der Arminen darf er sich mitnehmen. Der zweite darf nun 50 Liter sein eigen nennen.

Fragen dazu: 1.) Was wäre passiert, hätte das Stechen sich noch länger hingezogen? Warten mit dem Anstoß bis der Sponsor fertig ist? 2.) Das Bier der Arminen kommt aus Kreuztal. Kann sich noch irgendwer erinnern, dass es schonmal aus Lübbecke und aus Herford kam? Wann kommt es endlich aus Detmold? 3.) Wieso sagt keiner der Finalkandidaten „Ich nehme die 50 Liter Antrittsbier, süffele mir die schön mit den Jungs rein und pfeife auf diese Werbekasperei“?

Spiel geht weiter und Block 3 redet Block 3- Sachen. „BlablaWuahaasabbelbla…“ – „Halt die Fresse.“. Arminia ist leicht im Vorwasch… ääh… Vorwärtsgang, Lotte testet intensiv die Abseitsregel.

Alldieweil gibt Block 3 einen total originellen Chant zum Besten: „Berlin! Berlin! Wir waren in Berlin!“. „War da was, höhöhö…“. „Haste dat Tor von Kania gesehn? Ich war Bier holen.“ War es aus Detmold, das Bier? Kania und Corboz werden sich unten gerade nicht einig, wer den Ball Richtung Kiste flexen soll. Kania ist heute in der Startelf, findet aber nicht so recht Zugriff auf das Spiel. Was ihn sichtlich ärgert. Verständlich, so als bester Torschütze.

Lotte an Pfosten- „Ooooouh!“ im weiten Rund. Und kurz darauf Kersken. Und nochmal Kersken. Objektiv betrachtet ist das Spiel jetzt auf Messers Schneide. Subjektiv betrachtet passt keiner mehr auf, der Saisonende- Kater ist dann doch präsenter und präsenter. Und das Fahrrad mit dem platten Schlauch fährt mittlerweile auf der Felge.

Da feiern wir lieber Marius Wörl, der für seine letzten Minuten im blauen Hemd auf den Platz kommt. Den Pokalhelden. Den Hannover 96 unbedingt braucht und das wohl auch zu Recht. Viel Glück und DANKE, Wörli!

Übrigens ist das spielerisch trotz der platten Reifen recht ansehnlich, was Arminia da so aufs Parkett legt. Einmal noch die letzte Konsequenz und das Ding ist durch. JAAAAAAAAAAAA! Danke, Sarenren Bazee. Ding ist durch. Und auf Block 3 brüllt irgendjemand hinten links: „Pfeif‘ den Bums ab, ich will jetzt Wochenende haben!“, Okay. Abpfiff, Bums…
…ach ja, und WESTFALENPOKALSIEGER ARMINIA! TITELVERTEIDIGER!


Egal ob Schaulaufen oder Ritual, egal wie ernst wir den Westfalenpokal nehmen- die Siegesfeier ist ausgelassen.

Highlight der Siegerehrung ist übrigens der Funktionär mit der Festrede. Hätte man da ein Phrasenschwein aufgebaut, der hohe Herr hätte sein Eigenheim verzockt. Als er dann zur Verleihung der Trostpreise an die Sportfreunde Lotte streiten will, muss er feststellen, dass das schon längst geschehen ist. Wenigstens Arminia lässt er die ungeteilte Aufmerksamkeit. Und jetzt feiern!

So, nu isse aber wirklich durch, diese so besondere Saison.
Empfehlung: Die „Fußballfibel DSC Arminia Bielefeld“ mit jeder Menge schwarzweißblauer Lagerfeuergeschichten. Das Buch gibt es bei Thalia. Oder bei amazon. Oder im Fanladen. „90 Minuten Arminia“ habt Ihr schon…?



