Arminia gegen SG Andernach 1:2 – „Das ist wild Schschschsch…“

Arminia gegen SG Andernach 1:2 – Rundumbeobachtungen von Jan-Hendrik Grotevent

Straßenbahnhaltestelle Hauptbahnhof, kurz vor halb drei Nachmittags. „Ist das hier die Straßenbahnhaltestelle?“. Nee, das ist ein Glitzerschleim-Bergwerk. Erkannt man an den Tunnels. Straßenbahnhaltestelle Hauptbahnhof, Gleis 4, immer noch kurz vor halb drei Nachmittags. „DümDümDümDümmmm…Linie 1…Richtung…Bethel…Senne“. „Wieso kommt die Bahn nicht?“ Weil zwischen Beckhausstraße und Hauptbahnhof ein Raum-Zeit-Wurmloch ist. Kurz vor halb drei Nachmittags scheint nicht jedermanns Sache zu sein. Schnell zu Arminia gegen SG Andernach.

Arminia gegen SG Andernach

Auf der Postheide angekommen kollidiert der Rundumbeobachter mit diesem Ding:

Ein klarer Angriff von hinten in die Beine. Die Schiedsrichterin übersieht es. Der Rundumbeobachter hätte sich beschwert und dafür Gelb gekriegt…wenn die SG 99 Andernach nicht zeitgleich (kurz nach Anstoß) in Führung gegangen wäre. Freistoß von links, Kopfball der unbewachten Magdalena Schumacher in den Knick.

„Wie steht’s?“- meeeine Güte, ist heute Stell-eine-dämliche-Frage-Tag?…oh…ist tatsächlich heute. Also antworten wir ohne Sarkasmus. „0:1“. Und der Kommentar dazu ist sachlich korrekt: „Das ist Schschschsch…“. Gästetrainerin Isabelle Stümper (Name ist kein Programm) erklärt mir nach dem Spiel, sie habe die Blauinnen genau analysiert. Und das ist zu sehen. Der frühe Treffer, das flinke Spielen in die Schnittstellen – das zeigt Wirkung. Wie sagte Mr. Spock in „Star Trek II“: „Sie haben genau gewusst, wo sie uns treffen konnten.“

Arminia ergeht es wie der Enterprise in besagtem Film: Der Antrieb ist schwer beschädigt und Scotty (sucht Euch aus, welche Blauin Scotty sein darf) wird brauchen, um die Energieversorgung wieder herzustellen. So laufen unsere angezählten Ladies erstmal hinterher und schaffen es kaum, Struktur ins eigene Spiel zu bekommen. Anders als die Torhüterin der SG 99, die bei fremden Ballbesitz „Umschalten!“ fordert. Ich frage mich: Umschalten? Bei fremdem Ballbesitz?

Die Blauinnen brauchen, um sich zu finden, Andernach wartet ab. Gute Gelegenheit, den heutigen Ehrentag mit ein paar dämlichen Fragen zu feiern. „Gibt es Einwurf, wenn der Ball voll umfänglich über der Linie ist?“ – „Nein, wenn er voll durchmessend über Linie ist, oder?“. Dabei gibt es Freistoß wegen Handspiel, wie uns die freundliche Linienrichterin erklärt. Cool! Hätte der Winkemann vom Freitag nicht gekonnt.

Erst um die 30.Minute herum kriegen die Blauinnen mehr Sicherheit in ihr Spiel und übernehmen allmählich das Kommando. Jetzt muss nur noch das Spiel nach vorne klappen. Wuckel feuert seine Mädels von der Seitenlinie an und Ejupi hat die erste Chance für Arminia. Sarah Grünheid scheitert kurz darauf an der Torhüterin. „Hat die den jetzt gut gehalten?“ Nein, sie hat ihn sich selber reingeboxt, deswegen steht es jetzt auch immer noch 0:1. Stell-eine-dämliche-Frage-Tag.

Halbzeit. Pommeeeees! Oder noch besser: Mantaplatteeeeeeeee! „Der Herr bekommt die Mantaplatte“, sagt die Mantaplattenfachkraft. „Der Herr“. Auf einem Fußballplatz. Da brauchste Dir keinen Adelstitel mehr kaufen.

„Jetzt gleich’n Tor, aber zackig“, fordert das Publikum bei Wiederanpfiff. Und jetzt sind die Blauinnen am Zug! Weitschuss von Bella (Wuckel: „Anna“) Jäger, tolle Tat der Torfrau. Ein Kiddie nebenan feuert unsere Nummer 7 an: „Annabel! Annabel!“. Die Torhüterin fordert wieder „Umschalten!“ bei fremden Ballbesitz. Bei fremdem Ballbesitz? Ach sooo, auf Defensive umschalten…okay, Rundumbeobachter, jetzt hast Du Dich auch in die dämlichen Fragen eingereiht. Nimm Dir’n Keks, im Clubheim gibt es noch welche. „Der nächste ist drin!“, kündigt Wuckel nach Bellas Weitschuss an. Ist er auch, nur leider auf der anderen Seite. Antonia Hornberg schließt einen Konter zum 0:2 ab.

Wuckel brüllt „Kommt, Mädels, eine halbe Stunde noch!“. Es fängt an zu regnen. Ein bisschen, dann doch nicht, dann wieder, Schirm auf, Schirm zu, was denn nun? Kein richtiges Ostwestfalen-Arminia-Wetter…und irgendwie auch noch kein richtiges Ostwestfalen-Arminia-Spiel. „Kommt, drei brauchen wir!“, schreit Wuckel. Ist korrekt. „Muss mehr bei rumkommen!“, schreit Bella (Wuckel: „Anna“) Jäger. Ist gleichfalls korrekt. Die Torfrau der SG 99 schreit: „Mehr draufschieben“ – Das wäre zum Beispiel eine Maßnahme für Arminia. Und ein Trigger für jede Menge dämliche Fragen.

Kurz vor Ende dann ein toller Angriff der Blauinnen, die freigespielte Gentiana Fetaj macht das 1:2! Kommt, Aufbäumen! Ein letzter Freistoß noch, bei dem Vivi „Sparrenburg“ Brandt mit nach vorne geht…wird nix mehr. Schschschsch…

Die Blauinnen sind geknickt. Ich behaupte einfach mal, es gibt in diesem Moment kein passendes Trostwort – laut Nietzsche liegt darin eine solche Auszeichnung, dass die Blauinnen wieder Mut fassen. Erst recht, wenn man später nochmal Spock zitiert: „Seid nicht traurig, seid logisch“. Und ganz bestimmt, wenn man die Blauinnen noch später selbst zitiert: „WIR! SIND! EIN! TEAM!“. Die Zweite Liga kriegt Ihr in den Griff!

VAR (Visuell aufmerksamer Rundumbeobachter):

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