Arminia gegen Spvg. Greuther Fürth 1:3 – Großartig und Grandios (nicht)

Arminia gegen Spvg. Greuther Fürth 1:3 – Rundumbeobachtungen von Jan-Hendrik Grotevent

Jedes Jahr – wirklich jedes Jahr – kratzt der Sommer bei Arminias letztem Heimspiel im September seine Restenergie zusammen und beschert Ostwestfalen einen Heimsuftrieb mit angenehmen Temperaturen. Und jedes Jahr – wirklich jedes Jahr – heißt es in der Linie 4 zu diesem Heimspiel: „Ein letztes Mal warm. Nächstes Heimspiel ist Oktober, da ist es schon kalt.“.

Arminia gegen Spvg

Mannomann, müssen wir uns immer den Spaß an allem versauen? Dazu ist doch das Spiel da…obwohl: „Die Alm…“, schwärmt einer der Bahnfahrer im Angesicht des wellblechverzierten Tempels, „Grandiose Siege haben wir da feiert! Großartige Abende haben wir da erlebt!“, Na, wenn das so ist, vergessen wir die anstehende kalte Jahreszeit und freuen uns auf den großartigen und grandiosen Abend. DSC Arminia Bielefeld gegen Krreuddä Fädd,, allein die Paarung an sich verspricht ja schon einiges.

In den ersten zwei Neunteln des grandiosen Abends lernen wir, was unsere Fahne tut. Nämlich für immer weiter wehen. Weil Block Eins es uns vorsingt und wir es, mal laut, mal leise, mitsingen. Toll, was unsere Fahne kann. Wehen. Unsere Mannschaft hat alldieweil öfter den Ball und versucht es mit hohen oder flachen langen Bällen in die Spitze, die die Fädder, aufmerksam in der Raumdeckung, aber abfangen und/oder abdrängen. Die Gäste zeigen in der Offensive, dass an der oft bemühten Fußballphrase von der „Nahtstelle“ tatsächlich etwas dran ist. Und Arminias Abwehr hat mehr Nahtstellen als die Visage von Frankensteins Monster. Eieiei…

Mit Glück, Geschick und kämpferischem Einsatz bekommen die Blauen die Nähte erstmal dicht. Erstmal. Denn dann kommt tatsächlich ein Fädder durch, sein Schuss wird abgefälscht. Kersken und deie hinter ihm versammelte Südtribüne müssen zusehen, wie das Spielgerät langsam neben dem Pfosten ins Netz kullert. Torschütze Futkeu macht dann einen auf Patrick Schick.

Arminia fiel bis dahin nicht viel ein. Und Arminia fällt auch jetzt wenig ein. „Das Mittelfeld…mehr Bewegung!“, fordert Block 3. Problem daran: Die Blauen spielen langes Korn. Die haben heute gar kein Mittelfeld. Und Jonny, Isi und Wörli laufen sich als Alleinunterhalten vorne fest. So wirkt die „optische Überlegenheit“ des DSC, die dessen Bericht ausgemacht hat, schon etwas passiv. Die Sparrenburg ist dem Rest der Leineweberstadt übrigens auch optisch überlegen. Und schießt auch keine Tore.

Die Stimmung ist ordentlich. Die Süd singt. Und Schonzi holt im Schonzi- Tempo ausgegangene Bälle. Es ist also nicht so, dass an diesem großartig- grandiosen Abend alle anwesenden Arminen passiv sind. Zum Spiel sagt Block 3: „Scheiß die Wand an“. Jou, passende ostwestfälische Frustphrase. „Machste nix!“. Doch, singen und Bälle holen.

Halbzeit. Aaah, deswegen heißt das „Bier weghängen“.

Wenn mir jetzt noch einer erklärt, wieso das Pizza heißt, habe ich wieder eine ganze Ecke mehr von der Welt verstanden.

Wenn das noch ein grandioser Sieg werden soll und kein brillantes Reinscheißen wie in 2018, muss taktisch was passieren. Die rechte Seite mit Momuluh und Young, die gegen Magdeburg besser funktionierte als befürchtet, funktionierte in der ersten Hälfte wie befürchtet. Kania kommt für Young und geht in die Sturmmitte, Lannert ersetzt Momuluh. Jonny Grodowski geht auf Rechtsaußen.

Und es läuft besser. Lannert schiebt an, Kania sorgt für Unruhe. Und Arminia macht Druck. WÖRLI!SCHUSSUNDJAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!

Ausgleich! 1:1! Auf Block 3 macht sich dieses unvergleichliche Wir- spielen- gut- und- kommen- zum- Erfolg- Gefühl breit, dass sich etwa so anhört: „Wwwrrlllaaaaaaaaa, läuft!“ Stimmung geht ab. „BIE-LE-FELD! BIE-LE-FELD!“ von links, „Für Dich singen wir unsere Lieder, unsere Lieder immer wieder!“ von rechts.

Und die Blauen gehen ab. „Die brauchen das Flutlicht, sonst geht nix.“, mutmaßt Block 3, „Fackel an und die denken, es sind Bremer.“. Sind aber Kleeblätter. Und die Drangphase des DSC ist auch nur eine Drangphase. Die beendet Jonny Grodowski. Er scheitert frei. Zweimal. „Manchmal ist das gut, was Jonny macht“, weiß Block 3. Heute ist es nicht der beste Tag des lustigsten Stiers nach Lohmann. Dann fällt das Spiel wieder in den Trott der ersten Hälfte. Kein Mittelfeld und die Defensive sieht wieder aus wie Frankenstein.

Fürth bekommt einen (fragwürdigen) Freistoß von links. Der wird getreten. Und fliegt. Eigentlich muss nur einer der gefühlt 350 im eigenen Strafraum versammelten Arminen den Ball berühren, um ihn zu klären (was wahrscheinlich ein Endergebnis 1:1 zur Folge gehabt hätte). Machen sie aber nicht. Ball fliegt ins Tor.

Block 3 hadert mit der Bräsigkeit seiner Balltreter: „Eine Aktion und schon isses wieder 2009“. Oh je, Frontzeck- Vibes. Oder Scherning/Koschinat- Vibes. Ein bisschen sogar Kniat- Vibes. Dass wir Ostwestfalen es uns einfach nicht abgewöhnen können, unsere Bräsigkeit zur Schau zu stellen. Das 1:2 ist wie laut in der Straßenbahn in aller Ausführlichkeit erzählen, dass man zu Hause seine Fernbedienung verloren hat und nicht nur zum Finden sondern schon zum Suchen zu dämlich war. Ey Leute, wir waren im Pokalfinale, wir sind jetzt cool. Lasst das!

Es ist nicht so, dass Arminia sich nicht bemüht. Sie rennen, sie spielen lang. Kein Mittelfeld. Platz für die Fädder und Hrgota macht das 3:1…

…nicht. Man könnte das mit Referenz zum letzten großartig- grandiosen Aufeinandertreffen mit Fürth in 2023 ausgleichend gerecht nennen, als Hrgota nach VAR- Schwurbelei einen Elfer nochmal ausführen durfte, aber „Lohnt das überhaupt noch?“, fragt Block 3.

Nö. Das 1:3 erkontert sich die Spielvereinigung dann noch. War es ein grandioser, großartiger Abend? Nö. Nää. Nicht.

Fotos zum Spiel

Empfehlung: Die „Fußballfibel DSC Arminia Bielefeld“ mit jeder Menge schwarzweißblauer Lagerfeuergeschichten. Das Buch gibt es bei Thalia. Oder bei amazon. Oder im Fanladen. „90 Minuten Arminia“ habt Ihr schon…?

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