Arminia gegen Verl 3:1 – Rekordfinale. Ja, ist so!

Arminia gegen Verl 3:1 – Rundumbeobachtungen von Jan-Hendrik Grotevent

Da haben wir es also doch noch entdeckt- das Interesse am Westfalenpokal der Männer. War das Viertelfinale gegen Rödinghausen noch so gut besucht wie die Bushaltestelle Grundheide Dienstag um Null Uhr Dreißig, war die Zuschauerzahl im Halbfinale gegen Münster schonmal satt fünfstellig. Und im Finale Arminia gegen Verl stellt die Alm einfach mal den Zuschauerrekord für Westfalenpokalspiele auf.

Arminia gegen Verl

Lustige Info, bevor wir zugucken, wie Arminia den Westfalenpokal gewinnt: Die Top Drei der am besten besuchten Westfalenpokalspiele gehen damit übrigens an die Alm, die ersten beiden Plätze haben Vorschlussrunde und Endspiel in dieser Saison 23/24 erobert. Noch lustigere Info hintendran: Bevor Bochum, Schalke oder Dortmund nicht gewaltig sportlich abkacken, gibt es in Westfalen noch nicht einmal ein Stadion mit genug Kapazität, um der Alm die ersten beiden Plätze streitig zu machen.

Arminia gegen Verl

2012 waren es übrigens knapp 12.000, die das damalige Finale gegen unsere Lieblingsfeinde aus dem Leezendorf sehen wollten. Heute sind es doppelt so viele, und die gucken erstmal komisch als zunächst die Hymne des SC Verl und später auch die Torhymne des Nachbarn gespielt werden. Erklärt sich so: Die Alm gilt im Westfalenpokalfinale als „neutraler Platz“. So, nun aber wirklich rein ins Spiel!

Block 3 ist kaum auf Block 3 eingetroffen, da regt er sich schon auf. Da hinten links packt ein Verler den Rasenmäher gegen ein Blauen aus, was der SchiRi übersieht. Die Aufregung ist aber kurz, denn Arminia spielt weiter nach vorne, der Ball kommt rein…kriegt der ihn noch… JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!

Oppiiiiie! Ins Tor vor die Süd!! Ein fast vergessenes Gefühl, so ein Ding zu bejubeln. Kriegt Block 3 aber hin. Sonst ist Block 3 in rhetorischer Normalform: „Also… ein 0:0 wird es schonmal nicht.“. „So schnell in Führung, kennste so auch nich‘.“

Ein nettes Spiel ist es da unten. Verl ist schnell an der Mittellinie, Arminia ist aufmerksam und zweikampfstark und spielt ebenfalls nach vorne. Und hat mehr und mehr Feldvorteile. Block 3 muss sich damit erstmal arrangieren: „Heute spielen sie ja mal was Unerwartetes… was Gutes!“

Einwurf, der Ball kommt rein, fliegt durch den Strafraum Kopfball… JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA! Wiiiiieder Oppie! Wiiiieder ins Tor vor der Süd! Block 3 liegt sich in den Armen! Da kann man sich schnell wieder dran gewöhnen, so innerhalb von 13 Minuten. Ist auch besser für die Statistik. Vor Oppies erstem Treffer haben wir 1.008 Spielminuten auf ein wackelndes Tornetz im Süden warten müssen. Rechnen wir jetzt die 13 Minuten bis zum 2:0 mit rein, bedeutet das: Wir bejubeln in der 61. Minute im fünften Heimspiel der nächsten Saison das nächste Tor vor Block 3 und 4. Ohne 2:0 wäre es die 21. Minute des zehnten Heimspiels gewesen. Statistiken sind was Tolles.

Aber freuen wir uns mal einfach nur über den Spielstand von 2:0 für Arminia. Block 3 ist zufrieden mit dem Zwischenergebnis – „Berlin! Berlin! Wir fahren nach Berlin!“ – „…wat!?“ – „Ich sach immer: Freu Dich nicht zu spät!“ . Und mit dem bärenstark aufspielenden Doppeltorschützen. „Louis Oppie. Bester Mann auf dieser Position. Höchstens Kimmich ist vielleicht noch’n Tacken besser.“

Der SC Verl spielt übrigens ordentlich. Aber Arminia ist in dieser Phase das bessere Team und pöhlt lebendig und strukturiert. „Kläwwwaaaa!“, honoriert Block 3 die dargebotenen Pässe und Dribblings (das ist das ins Ostwestfälische übertragene angelsächsische Wort „clever“). Aber natürlich bleibt man Armine und das ohne Pause: „So ordentlich, wie die zocken, verschrecken die glatt ihre Fans.“

Nur keine Sorge, Block 3, gleich ist wieder die typische schwarzweißblaue Borderliner- Labilität gefragt. Verl kommt stärker auf. Dann donnern die Gäste da drüben von rechts einen drauf- Anschlusstreffer. Na? „Ey, wieder viiiiel zu einfach!“. „Jetzt fangen sie an, um den Ausgleich zu betteln“. Geht doch.

Der Anhang des SC Verl hat die offensichtliche „Alle in Weiß“- Parole angesetzt und ist jetzt, da ihr Team leicht am Drücker ist, zu hören.

Und über dies Banner hat der Rundumbeobachter doch ein bisschen grinsen müssen:

Der Rest der Alm hat auch im Finale keinen organisierten Support, ist aber trotzdem richtig laut und spontan. Und Block 3 borderlinet. „Ecken können wir nicht“ – „Elfer auch nicht“ – „… tja… Einwürfe! Hab‘ schon lange keinen falschen Einwurf mehr gesehen“. Mit 2:1 geht es zum Pausentee, Pausenbier, Pausenwurst,…. was eigentlich?

Halbzeit. Ja, was eigentlich? Selbst Block 3 ist sich da uneins. „So!“ – „Was? Ja, komm‘ hier durch.“ – „Nee.“ – „Warum sachste dann ‚So!‘!?“

Einig ist sich Block 3 beim Verlauf der zweiten Hälfte. „Mit Vollspeed vor die Wand.“ Erstmal geht es mit Vollspeed an die Latte- Corboz – Aaaaaargh! – Momuluh mit Vollspeed… geklärt, AAAARGH!

Ausgeglichenes Spiel, ohne Gefahr für das Arminia- Tor. Oder das Verler Tor. Da packt Block 3 doch gern die Psychospiele aus. „Torwart, Deine Hose rutscht!“, im gnadenlosen Optimismus, am anderen Spielfeldrand gehört geschweige denn erfolgreich ernstgenommen zu werden. Egal. Is‘ witzich. Ich schicke noch hinterher „Achtung hinter Dir!“. Und „Guck mal, eine dreiköpfige Schildkröte!“. Und „Buh!“.

Taddel rennt. „Ja los, geh, … ÄÄÄÄÄY!“ – „Letzter Mann!“ – „JAWOLL! ROT!“. In der Tat, Platzverweis gegen Verl. „Hat der SchiRi wohl doch Karten dabei.“, erklärt Block 3, nach dem der Referee im Spiel zuvor eine ziemlich großzügige Linie gefahren ist.

Die Unterzahl zieht dem SC Verl erstmal den Zahn, obwohl das Team südwestlich von Eckardtsheim tapfer weiterkämpft. Die Reaktionen auf der Süd sind da so semischlau: „Zieht den Verlern die Gummistiefel aus!“ – „Ihr kriegt den Block nicht voll!“ – „Ihr seid nur ein Karnevalsverein!“. Da zweimal semischlau vollschlau ergibt, hier ein unter Lebensgefahr gefilmter voller Verler Block zu Karneval:

Und dann übertreibt es der nächste Verler mit dem Weiterkämpfen. Wörl wird weggehobelt, zum zweiten Mal wird der rote Karton hervorgeholt. Block 3 erweitert seine Theorie hinsichtlich der Kartons, die der SchiRi so in den Taschen hat: „Hat nur die rote Karte dabei.“. Bis hierhin hätte durchaus der Eindruck entstehen können, dass der Unparteiische nicht so ganz mit dem Tempo zweier Drittligisten mithalten konnte. Ist im Rückblick nicht so. Und außerdem, so elegant, wie sich der Assistent warm gemacht hat…

2:1, noch zehn Minuten, zwei Mann Überzahl. Eigentlich… eigentlich… Aber „eigentlich“ ist nie ein passender Begriff im schwarzweißblauen Wortschatz. „Ihr kennt Arminia“, verkündet Block 3, „die können immer alles verkacken!“. Tut Arminia aber nicht. Wörl, auffälligster Blauer neben Oppie, tankt sich durch die Verler Abwehr und holt den Westfalenpokal auf die Alm. Ja, isso. Obwohl Block 3 erst in der Nachspielzeit angibt „so langsam vorsichtig optimistisch“ zu sein.

Bevor die Truppe jubelt und sich mit Sponsoren- Gerstensaft duscht, hier noch der historische Moment des Spiels: Die Karriere des Fabian Klos geht endgültig zu Ende. Zu ihm, wie schonmal geschrieben, gibt es noch Abschiedsrundumbeobachtungen.

Und dann ist es durch! Westfalenpokalsieger Arminia!

Ein versöhnlicher Abschluss einer schwierigen, aber wohl notwendigen Saison. Wat sacht Block 3? „Wir haben mehr Titel als die Bayern!“. Ich darf ergänzen: Wir haben mehr Titel als Bayern und Paderborn zusammen!

Fotos zum Spiel

Empfehlung: Die „Fußballfibel DSC Arminia Bielefeld“ mit jeder Menge schwarzweißblauer Lagerfeuergeschichten. Das Buch gibt es bei Thalia. Oder bei amazon. Oder im Fanladen. „90 Minuten Arminia“ habt Ihr schon…?

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