Arminia gegen Werder Bremen 2:1 – Was ist denn HIER los!?

Arminia gegen Werder Bremen 2:1 – Rundumbeobachtungen von Jan-Hendrik Grotevent

Seit Tagen, seit Wochen, ja sogar seit Stunden haben wir von nichts anderem gesprochen. DFB- Pokal! Gegen Werder Bremen! Diesmal die Männer! Highlight- Spiel! Obwohl… so ganz kriegt man das Grau des Liga- Alltags wohl auch nicht aus dem schwarzweißblauen Kopf. So heißt es auf dem Weg von der Linie 4 runter zur Alm: „Auf drei Punkte! … ääääääh…“

Arminia gegen Werder Bremen

Aber nein, heute ist Pokal und entsprechend kribblig ist die Stimmung. Geschätzte 34 Mal muss der Rundumbeobachter hören, dass Werder 0:5 gegen Freiburg verloren habe. Und da Arminia jenes bekanntermaßen mit 3:1 aus dem Pokal gefegt hat, müsse das heute mit 8:1 für unsere Farben enden. Höhöhö. 34 Mal. Konservativ gerechnet, wie Markus Rejek gesagt hätte. Ab dem dritten Mal kommt man sich so vor wie im ICE, wo immer irgendein Schlauhorst für das ganze Abteil den außerplanmäßigen Halt wiederholt, der gerade eben für alle vom Zugbegleiter durchgesagt wurde.

Egal. Der Tempel brodelt, die Süd macht Choreo, die Bremen ebenfalls…

…so sieht die Choreo von unten aus…

…und „Gefühlt sind 8.000 mehr hier als sonst“, sagt Block 3. Und hat das im Vergleich zum Aue- Heimspiel ziemlich exakt ausgerechnet.

„DEUTSCHER SPORTCLUUUUUB, ALLEZALLEZALLEZALLEEEEEEEEZ!“, brüllt die Süd die ersten zehn Minuten durch. In denen ist Werder spielerisch stärker, der Ball läuft etwas schneller und flüssiger, als wir das in der Dritten Liga gewohnt sind, aber das ist keine Überraschung. Weder für die singende Zuschauerschaft noch für die Blauen auf dem Rasen, die kaum gefährliche Chancen der Bremer zulassen und ihrerseits – Block 3: „Jajajajajaa…“ – mutig nach vorne spielen. Ein paar Schüsse weit über Kerskens Kiste, mehr springt für die Gäste nicht raus.

Die Moral stimmt bei Arminia. Sie hauen sich in die Zweikämpfe, sie stochern, kicken, feuern die Bremer Bälle weg. Die Alm feiert alles davon. Marvin Duksch muss verletzt raus und macht kurz den Corboz vor Block J, das stört aber nicht weiter. „OSTWESTFALEN; OSTWESTFALEN, HEY! HEY!“ und ein donnerndes „BIE- LE- FELD! BIE- LE- FELD!“, als Arminia sich die erste Ecke erspielt.

Zweikampf dahinten links… hat ihn, geh‘,,, zieh‘ drauf… JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA! Alles bebt, falle der Person um den Hals, die Du als erstes findest. 1:0! Der Endorphincocktail schwappt über. „Was ist dieser Wörl krank“, schreit Block 3 mit sich überschlagender Stimme. Es klingt eher wie „Wahi diea Wöal kraaan!“.

Jetzt ist Arminia am Drücker. Freistoß- Russo- Aaaargh, Glanzparade! Es riecht nach Sieg, es fühlt sich auch so an. Ball von rechts, Corboz springt dazwischen, Ball fliegt- JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA! Nun kippt auch Sebi Wieses Stimme: „Was ist denn HIER los!?“ Und No Limit dröhnt über die Süd.

Halbzeit. Meine Knipsi passt in die Jackentasche und Deine nicht. Ätsch.

Pause vorbei, Block 3 kehrt zurück. „Und? Wie läuft’s? Hähähä…“. Selten so gefeixt.

Zurück kehrt auch Amos Pieper. Als Bremer Einwechselspieler. Die Süd begrüßt ihn freudig, Amos antwortet mit einem leicht schüchternen Lächeln und dezentem Händeklatschen auf Hüfthöhe. War’n guter Jung, is’n guter Jung.

Werder Bremen kriselt gerade vor sich hin. Das derzeit formschwächste Team der Bundesliga ist sich – Achtung, toller Wortwitz – untereinander nicht grün und der nicht um markantes Palaver verlegene Trainer Ole Werner bemerkte unter der Woche dazu, wer mit Druck nicht klar komme, solle doch im Freibad mit seinen Kumpels Fußball spielen. Und die Bremer Presse jazzte Werders Pokalspiel auf der Alm sogar zum „Gradmesser“ hoch… na denn, um ein Stückchen Fazit vorweg zu nehmen: Viel Spaß beim freien Fall vom Zehn- Meter- Brett.

Aber immerhin – Bremen legt jetzt einen Zahn zu, die eingewechselten Bittencourt und Burke schieben das Spiel der Gäste schon ordentlich an. Kersken rettet im Eins gegen Eins… „JAWOOOOLL!!“. „AUF GEHT’S ARMINIA, KÄMPFEN UND SIEGEN!“. die dann auf 2:1 stellen. Schreckmoment. Wie gegen Freiburg wieder nicht das 2:0 über die 60- Minuten- Grenze gewuchtet. Jetzt kommt die Spannung… Lannert!!! … aaaargh! „AUF GEHT’S ARMINIA, KÄMPFEN UND SIEGEN!“

Uldrikis ist ins Spiel gekommen… und verletzt sich schwer. Er muss mit der Trage vom Platz. Oh je… Ach, Mann, gerade wo es anfing, richtig gut für ihn zu laufen bei Arminia. Ātri veseļojies, Roberts! Ein Gutes hat die Verletzung allerdings: Sie bringt den Schwung des Bremer Spiels durcheinander.

Bremen ist übrigens recht körperbetont unterwegs. Irgendwer checkt kurz nach der Verletzungsunterbrechung Kersken weg. Malatini (aufgrund seiner Scorerpunkte sei es ihm verziehen” und Mitchell “Ich war mal bei Bayern” Weiser schnuppern recht offensiv am Plaztverweis. Rein in die Schlussphase

“DIE KURVE SINGT FÜR DICH; VOM WAHNSINN ANGETRIEBÄÄÄÄÄN!”, besser kann man es nicht ausdrücken. Selbst die Ordner, die grimmig vor dem Zaun auf Block 3 gucken, singen den Chant mit. Wahnsinnige Spannung! Hände vorm Gesicht. Arminia kämpft! „RausrausRAAAUS!“. Arminia haut sich rein mit aller Leidenschaft, die in diesem Team steckt und das ist eine ganze Menge.

“WIR SIND IMMER DABEI, OB NAH ODER WEIT, IN EWIGKEIIIT!”- Der Gänsehautentzündungs- Klassiker kracht. Die ganze Alm steht, singt mit. SpnnungSpannungSpannung! Am Zaun abstützen, um Halt zu haben in dem Irrsinn. Irgendwelche Gedanken im Kopf? Irgendwelches Gefasel auf Block 3? Nein. Nur Mitfiebern „Bitte kein Tor mehr, bitte kein Tor mehr“, stottert jemand hinten links.

Sieben Minuten Nachspielzeit. Nur noch im Tunnel, nur noch Spannung, nur noch Angst, wenn Werder im Ballbesitz ist und das ist Werder viel zu oft… LATTE, Pouaaaaaarrrgh… „BIE- LE- FELD! BIE- LE- FELD!“- Weiterbrüllen, Weitersingen… nicht still sein, das macht der Kreislauf nicht mit… da kommt Grodowski angerannt, die Alm brüllt sich nicht nur die Seele, sondern auch Lunge, Leber und Nebennierenrinde aus dem Leib… „SPIIIIEEEEL’“… quer… JAAAAAAAAAAAAAAAAAA! Der Rundumbeobachter weiß nur noch, dass er irgendeinen Halbwüchsigen auf die Arme genommen hat und wir uns gegenseitig ins Ohr schreien.

Während die Mannschaft noch feiert und Sam Schreck (Mann, was hätte ich es dem gegönnt) als Torschütze gefeiert wird, sickert durch: Videobeweis. Tor wird aberkannt. Mist… obwohl… eigentlich gar kein Gefühl, nur irgendein Flimmern in der Birne. Zehn Jahre minus eine Woche ist es her, dass eine drittklassige Arminia Werder Bremen aus dem Pokal warf, heute hätte es die nächste drittklassige Arminia mehr als verdient… Werder im Angriff, Torwart nicht vorne… neinneinnein, selbst der Fußballgott, der uns in seinem unendlich zynischen Ratschluss mit der Darmstadt- Relegation, mit Robin Hack und Janni Serra segnete, ist so fies, dass er heute… ist er nicht.

LASST! UNS! FEIEEEEERN!

Fotos zum Spiel

Empfehlung: Die „Fußballfibel DSC Arminia Bielefeld“ mit jeder Menge schwarzweißblauer Lagerfeuergeschichten. Das Buch gibt es bei Thalia. Oder bei amazon. Oder im Fanladen. „90 Minuten Arminia“ habt Ihr schon…?

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