Verwirrspiele – Arminia gegen Mainz 05 1:2

Arminia gegen Mainz 05 1:2 – Rundumbeobachtungen von Jan-Hendrik Grotevent

Ach, Arminia…es ist alles so verwirrend. Nach dem Spiel gegen Mainz läuft ein Kiddo in DSC-Kluft Richtung Stadtbahn und schwenkt Stolz ein Mainzer Trikot, von Innenverteidiger Stefan Bell. Trikot gefangen? Warum hat Bell es Kiddo zugeworfen? Verwandt mit Kiddo? Unvermutete Gewaltakte? So viele tolle Erklärungsmöglichkeiten…verwirrend…

Arminia gegen Mainz 05

Jetzt ernsthaft (zumindest für ein paar Zeilen): Die Profimannschaft des DSC Arminia Bielefeld befindet sich in einem gewissen multidimensionalen Zustand der Unordnung. War das eine B-Elf, die im Pokal unter der Woche gegen Mainz gespielt hat? War es gegen Dortmund eine C-Elf? Was ist die A-Elf oder sieht zumindest näherungsweise nach einer A-Elf aus? Serra aufbauen? Klos führen lassen? Dreier-, Vierer-, Fünferkette? Taktik nach vorne? Kampfmoral, Mentalität?

Jedenfalls ist es heute die Z-Elf, Variante 463 in dieser Saison (Pokal nicht eingerechnet). Block 3 ist vor dem Spiel nicht verwirrt, sondern einfach mal optimistisch. „4:1“, lautet ein Tipp, weitaus sonniger als das ostwestfälische Wetter. Und erstmal geben sich unsere Blauen alle Mühe, dem 4:1 (oder zumindest einem dreckigen 1:0) nahe zu kommen. Hack dröhnt einen über das Tor. Lasme zwingt Zentner zu einer Sahnetat, Auch Prietl fordert den Meenzer Keeper. Block 3 sabbert vor Begeisterung, sogar ein „Ouuuawawawawa…“ wird vernommen.

Das Tor fällt nicht, dafür aber die Fieberkurve in Arminias Offensivspiel. „Mehr den Ball spielen“ fordert Block 3 und stellt fest „Das dauert zu lange.“. Alldieweil köpft Mainz knapp neben das Tor…ui…uiuiui…Bei den Nullfünfern läuft es jetzt. Onisiwo rennt durch Arminias Defensive, die sich nicht im strengen Sinne dafür interessiert. Er flext einen auf die Kiste, Tego kann nur abklatschen und Lee putzt die Platte.

Das war es mit der schwarzweißblauen Fieberkurve. Auch auf den Rängen Die bis dahin noch kräftigen Chants verstummen. Verstörtheit, ein bisschen Resignation. Das Team kriegt kaum etwas zuwege..“Alles auf Null!“, postuliert Block 3. Die Ballbewegung der Blauen sieht in den nächsten Minuten etwa so aus: Ortega zu Andrade, Andrade zu Pieper, Pieper zu Ortega, Ortega zu Pieper, Pieper zu Ortega…Uwe-Neuhaus-Gedächtnis-Spielaufbau. Nur ohne Spielaufbau. Da kannste nix mehr auf Null stellen, ohne negative Zahlen einzuführen.

Block 3 bleibt nur, mit Unverständnis auf die wirklich nervige Pedanterie des SchiRis zu reagieren („Du Ei!“). Tego muss einen Abstoß nochmal ausführen, weil es kein Abstoß, sondern ein Freistoß war. Jaja, ich weiß, es ist eine wichtige Sache, die Regel richtig auszulegen. Tegos Gegenüber heißt ja auch Robin Zentner und nicht Robin Fuffzichkilo. Ist ja gut. Ich stelle lediglich fest, dass unsere Nummer Eins etwas macht und zurückgepfiffen wird, um genau dasselbe nochmal zu machen.

Die 40. Minute ist schon durch, als es vor Arminias Tor eine Runde Slapstick gibt. Ein paar Mainzer schaffen es nicht, die Pille über die Linie zu drücken, ein paar Arminen schaffen es nicht, selbige aus selbigem rauszubolzen. War Abseits und jetzt verstehe ich auch, warum man die abseitsverdächtigen Situationen zu Ende spielen lässt: Um uns nicht um den Slapstick zu bringen. „Ein Kraftakt!“, meint Block 3.

Mag sein. Was folgt, ist jedenfalls blanke Wut. Im folgenden Angriff der Blauen, im Aufregen um das rüde, nicht geahndete Foul an Fabi im Mainzer Strafraum, in der Gewalt, die Laursen in seinen Torschuss legt und im wilden Torjubel auf der Südtribüne. Schade, dass die blanke Wut nur ein paar Minuten konserviert werden durfte.

Halbzeit. Jedes Zahlungsmittel funktioniert an jeder Fress-/Saufstation. Bis auf Bargeld und Tauschware wie Gänse, Strohballen und Plunder aus dem Fanshop. Es ist halt nichts perfekt.

Die ersten zwanzig Minuten der zweiten Hälfte versuchen sich beide Mannschaften durch die jeweiligen gegnerischen Raumdeckungen zu spielen, nur um an eben diesen zu scheitern. Sieht in etwa so aus, wie wenn Block 3 mit Fressen, Saufen und Plunder aus dem Fanshop beladen nach der Halbzeit wieder auf die Tribüne zurückkehrt: „Mach Dich mal schlank“ – „Ich BIN schlank…hups…tschullige…“.

Dann kommt Schwung ins schwarzweißblaue Angriffsspiel. Erst macht Lasme per Seitfallzieher einen auf Zlatan, ist dann aber doch nur Lasme. Dann packt Fernandes einen 20-Meter-Granatwerfer aus und Robin muss alle Fuffzichkilo aufbieten. Fernandes und Vasiliadis sind übrigens zwei, die mich optimistisch stimmen. Haben Übersicht, können kicken und haben Mut zu Unkonventionellem. Diese Kombi könnte ein Weg sein, der weiter geht.

Und mitten in die Drangphase, mitten in die „Vielleicht, vielleicht“-Gefühle der Zuschauer hinein setzt es in der DSC-Defensive aus, Burkardt rennt frei durch und macht das 2:1 für Mainz. Fassen wir es knapp, tiefsinnig und nachhaltig mit einem Zitat von Block 3 zusammen, so knapp, tiefsinnig und nachhaltig wie Block 3 eben ist: „Es tut so weh…so weh…“.

Knapp deswegen, weil man die Situation nicht besser zusammenfassen kann. Tiefsinnig deswegen, weil es an so vielen Stellen stimmt. Nachhaltig deswegen, weil es bis zum Schlusspfiff weh tut. Es kommt dann noch ein Viererwechsel beim DSC. Excel würde aus der Z-Elf jetzt eine ZA-Elf machen. Die Pfiffe beim Wechsel Serra für Klos gelten hoffentlich nur dem Akt des Wechsels und nicht Serra, der ja in letzter Zeit der Hartherz war.

Die Stimmung kippt. „Wir wollen Euch kämpfen sehn!“ stimmen einige an. Und als das Match schlussendlich verloren ist: „Kramer raus!“. Resignation und Ratlosigkeit in der Mannschaft und in der Fangemeinde. Riesenstreit zwischen Kramer-Befürwortern, Kramer-Henkern, Bundesligatauglichkeitsexperten und … na ja, Arminen halt. Und obwohl wir immer erzählen, dass wir die Malässe gewohnt sind – fünf Punkte aus zehn Spielen zuletzt 2011 und 2017, wilde Startelf-Rotationen und Taktikchaos zuletzt 2018 – wollen wir uns doch nicht dran gewöhnen. …warum auch, verdammt!?

Die Profimannschaft des DSC Arminia Bielefeld befindet sich in einem gewissen multidimensionalen Zustand der Unordnung. Verwirrung, Ratlosigkeit, Verstörtheit…welches Synonym auch immer man bei OpenThesaurus findet, es passt. Die einzigen Konstanten: Vielversprechende Phasen im Spiel, bei denen keine eigenen Tore fallen, werden durch brotige Gegentore beendet. Wie oder durch wen das komplexe Chaos beendet werden soll…ach, ich weiß es doch auch nicht.

Das Wort des Tages ist: „Ruhe“. Auf dem Rückweg erwischt der Rundumbeobachter ein komplett leeres Stadtbahnabteil. Da hat er Ruhe. Aber nicht die Ruhe, die Arminia braucht. Und auch nicht die Ruhe, die er braucht.

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