Die Blauinnen 2024 – Jahresrückrundumbeobachtungen von Jan-Hendrik Grotevent
Auch wenn in diesem Jahr der große Titel knapp verpasst wurde: Es war ein spannendes Jahr 2024 mit Arminias Frauenteam. Lest im folgenden vom gar nicht mal so grauen Alltag in der Regionalliga West, von Pudding- Trikots, von gleich zwei Zuschauerrekorden und von Legenden. Lest, wie die Blauinnen in 2024 alte Fäden aufnehmen, neue Fäden abwickeln und die schwarzweißblauen Fäden weiterspinnen.
Pokalteam? Ja. Spitzenteam? Nein.
Das Jahr beginnt mit einer Premiere: Zum ersten Mal seit dem Finale 2023 steigen die Blauinnen als amtierende Westfalenpokalsiegerinnen in eben jenen Wettbewerb der Saison 2023/2024 ein. Hohenlimburg war zur ersten Runde nicht angetreten, Recklinghausen musste sich in der zweiten Runde vertagen, da der Platz nicht bespielbar war (doch nicht in Recklinghausen…).

Und so ergibt es sich, dass die Blauinnen das Jahr komprimiert mit Westfalenpokal beginnen und gleich mal ihr Image als Pokalmannschaft unterstreichen. Ein Elfmetertor von Pam Jahn sichert das Weiterkommen in Recklinghausen. Und eine Woche später im Viertelfinale kommt der Regionalliga- Spitzenreiter aus Bochum zum Heimspielauftakt 2024 auf die Postheide. „Wer das gewinnt, holt den Westfalenpokal“, ist sich der Spielfeldrand in Windflöte sicher. Gegen den VfL zeigt Arminias Frauenteam ein taktisch brillantes Spiel, lässt den (bis dato) 55- Tore- Sturm nicht zur Entfaltung kommen und fügt den Bochumerinnen im Elfmeterschießen die erste und einzige Pflichtspielniederlage der Saison zu.

Zum ersten Liga- Heimspiel des Jahres machen die Mädels gleich mal damit weiter, die Spitzenteams der Liga zu piesacken. Die zweite Mannschaft von Bayer Leverkusen wird mit 1:0 niedergerungen. Ebenfalls die erste Pflichtspielniederlage für das Bundesliga- Nachwuchsteam.

So nett das ist, Spitzenteams zu ärgern, so „Arminia“ das auch ist, Befriedigung daraus zu ziehen, so viel Potenzial auch in der Mannschaft steckt oder stecken mag – die Blauinnen selbst sind kein Spitzenteam. Das zeigt sich in den Spielverläufen, deren Dilemma schon in 2022 und 2023 zu sehen war und sich wie ein schwarzweißblauer Faden auch durch das Spieljahr 2024 ziehen soll: Meist beginnt Arminia die Spiele schwungvoll und drängt auf ein frühes erstes Tor. Fällt die erste Bude, läuft es und die Blauinnen spielen sich ein. Fällt es jedoch nicht, steigt die Nervosität und die Sache wird eng.

Das reicht für das obere Mittelfeld der Regionalliga- Tabelle, das reicht für Siege, auch deutliche Siege, gegen die untere Tabellenhälfte, aber eben nicht für die Sonnenseite der Liga. Nach der fast schon obligatorischen Niederlage bei Fortuna Köln ist der Spitzenreiter aus Bochum 23 Punkte weg, die Kölner Südstädterinnen zehn Punkte und Leverkusens Zwote fünf Punkte.

Jetzt kann man anführen, dass der VfL die Zweite Liga (am Ende auch erfolgreich) ins Visier genommen und sich zu Saisonbeginn entsprechend verstärkt hat. Man kann einwenden, dass bei Leverkusen II gelegentlich Bundesliga- Spielerinnen auflaufen. Man kann argumentieren, dass Fortuna Köln oder der VfR Warbeyen über die Jahre eingespielte Mannschaften haben. Man könnte sogar fragen, warum das bei Arminia nicht so ist…

Gar nicht mal so grau
…aber lassen wir das. Wie heißt es im alten Alm- Klassiker? „Und trotzdem sehen wir sie immer wieder gern.“ Und das tun wir. Die ehrliche Art zu spielen, der Einsatz und die Leidenschaft, die bei den Blauinnen immer stimmen und gestimmt haben, die familiäre Atmosphäre auf der Postheide, es ist einfach nett, zu Arminias Frauen zu gehen. Auch wenn es „nur“ grauer Drittliga- Alltag zu sein scheint.

So grau ist der nämlich gar nicht. Auch, wenn sich die Vorzeichen nicht ändern, kriegt die interessierte Zuschauerschaft unterhaltsamen Ballsport geboten. Beim 4:1- Sieg in Walbeck (Tabellenkeller) läuft es rund. In Bochum (Spitzenteam, wie bereits erwähnt) kämpfen, kratzen und beißen die Blauinnen, müssen sich aber mit 0:2 geschlagen geben. Im Heimspiel gegen den ungeliebten Gegner aus Essen versuchen die Mädels viel, haben Pech und verlieren mit 2:3.

Das Spiel gegen die Nachbarinnen aus Gütersloh läuft genau anders herum: Die Blauinnen gewinnen mit 3:2, kontrollieren den tapfer mitspielenden Gegner und obwohl die Zwote vom FSV Gütersloh nach 3:0 auf 3:2 herankommt, bringt Arminia den Dreier sicher in die Kabine.

Der Westfalenpokal sorgt weiter für Spaß. Wie schon in 2023 wird das Halbfinale am Ostermontag auf der Postheide ausgetragen. Das Spiel beschert den Zuschauerrekord der Saison – was auch am Gegner liegt. Zu Gast ist Borussia Dortmund, und die Schwarzgelben bringen den größten Auswärtsmob in der Geschichte der Postheide mit. 420 Zuschauer sind in Windflöte und sehen einen Noch- Zwei Klassen- Unterschied. Mit 4:0 setzen sich die Blauinnen gegen den BVB durch und ziehen wieder in das Finale ein.

Betonung auf „Noch- Zwei Klassen- Unterschied“. 2022 begann man beim BVB, sich ernsthaft für Frauenfußball zu interessieren. Und die schwarzgelbe Borussia hat genug Ressourcen, um ihr Frauenteam weit zu bringen, von der Strahlkraft und der Attraktivität des großen Namens einmal ganz abgesehen. Zum Zeitpunkt des Halbfinalspiels sind es zwei Spielklassen Unterschied zwischen den Blauinnen und dem BVB. Zum Zeitpunkt der Abfassung dieser Jahresrückrundumbeobachtungen ist es noch eine Spielklasse. Und der BVB führt die Westfalenliga an, dicht gefolgt von den Lieblingsfeinden, den königsblauen Schalkerinnen, die über ähnliche Möglichkeiten verfügen und wie auch der BVB souverän bei der U23 der Blauinnen gewinnen.

Dortmund oder Schalke, einer von beiden wird in der nächsten Saison mit ziemlicher Sicherheit in der Regionalliga spielen. Ebenso ist davon auszugehen, dass das andere große Ruhrpott- Team im Jahr darauf nachziehen wird. Und ganz sicher ist davon auszugehen, dass sich beide aufgrund ihrer vorhandenen Ressourcen nicht mit der Regionalliga zufrieden geben werden. Für die unmittelbare Zukunft der Blauinnen stellen sich da hinsichtlich der eigenen Positionierung mehrere Fragen: Wie sehen die eigenen Ambitionen aus? Kann und will man mit den ambitionierten Ruhrpott- Teams mit- und gegenhalten? Wie kann man das machen? Wie sehen die eigentlichen Möglichkeiten aus?

Warten auf das Finale
Immerhin muss man sich als Rundumbeobachter diese Fragen nicht stellen, sondern kann einfach das Saisonfinale der Blauinnen genießen. Da steht irgendwann fest, dass Arminias Damen die Saison auf Platz sechs beenden werden. Nach oben geht nichts mehr, nach unten passiert nichts mehr. Also lass‘ ne Runde Fußball spielen und ein bisschen Regionalliga- Aura mitnehmen.

Das Spiel gegen Alemannia Aachen macht eine Menge Freude. Es ist ein klassisches „Wenn es bei Blauinnens gut läuft“- Spiel: Die ersten Versuche sind im Netz der Alemannia. Frühe Führung, Arminia kommt ins Spiel und lässt es rollen. Nach 13 Minuten steht es 2:0, nach 30 Minuten 3:0, zur Halbzeit 4:0. Am Ende steht es 9:1. Frau des Spiels ist Jocy Hampel, die fünf Mal einnetzt und sich damit Arminias interne Torjägerinnen- Kanone sichert.

In den beiden nächsten Spielen schießen die Blauinnen weitere fünf Tore, kassieren allerdings zehn. Der VfR Warbeyen mausert sich schon länger zu einer Art Erfolgsteam, im Jahr 2024 dann endgültig, da kommen wir aber noch zu. Beim 2:5 in Kleve zeigt sich der Unterschied zu den Blauinnen schonmal: Warbeyen zeigt sich effektiv, Arminia unglücklich. Das letzte Heimspiel der Saison gegen die U23 des 1.FC Köln ist mehr eine gute Story als eine tiefer gehende sportliche Erkenntnis. Zum einen sorgt das Wetter in Senne erst für eine längere Spielunterbrechung, dann für schlechte Platzverhältnisse, daraufhin für verlorene Fäden im Spielfluss und schließlich eine 3:5- Niederlage. Aber: Auf der Postheide gab es Waffeln!

Im letzten Spiel der Saison geht es zum SSV Rhade. Der Ironiker würde sagen: „Veredelung von Tabellenplatz Sechs.“ Der Fanatiker würde sagen: „Generalprobe für das Pokalfinale in Mecklenbeck.“ Am Ende haben beide recht. Nach einer ersten Halbzeit zum Vergessen genügen den Blauinnen zehn starke Minuten, um aus einem 0:1 ein 3:1 zu machen und am Ende ein 4:1 mit nach Windflöte zu nehmen.

Nun soll noch die Saison veredelt und das Finale des Westfalenpokals gewonnen werden. Mission Titelverteidigung! Jede Menge Arminen begleiten die Blauinnen in die alte Heimat des Rundumbeobachters. Wacker Mecklenbeck hat den Aufstieg in die Regionalliga klar gemacht und sich im Vorjahr schon als schwerer Gegner im Westfalenpokal erwiesen. Trotzdem sind die Blauinnen als Titelverteidigerinnen leichter Favorit. Im Spiel allerdings erweisen sich die Gastgeberinnen aus Münsters Westen als das etwas weniger verkrampfte Team- Arminia hat es vor allem einer starken Tor- Lisa zu verdanken, dass das Spiel im Elfmeterschießen entschieden wird. Und da zielt Jocy Hampel zwei Millimeter zu hoch- ihr Lattentreffer ist der einzige Fehlschuss im Shoot Out. Wacker Mecklenbeck ist Pokalsiegerin.
Der Pathetiker würde sagen: Die Blauinnen beenden die Saison wie auch schon in den Vorjahren in der Grauzone der Regionalliga West, nur diesmal fehlt das Strahlen des Westfalenpokals. Am Ende hat er recht.
Neues Trikot, neues Glück
Bittere Abschiedstränen gibt es vor Anpfiff des 3:5 gegen Köln. Anna Lena Maier, Samantha Hermann, Samantha Kühne und Publikumsliebling JupiJupinatorJupp verlassen die Blauinnen. Damit gehen nicht nur lange Zeit liebgewonnene Spielerinnen, sondern auch 22 der 59 in 2023/2024 erzielten Saisontore.

Und leider gibt es einen Trauerfall: Lutz Bentrup, langjähriger Jugendtrainer in Arminias Frauen- und Mädchenfußball, stirbt im Sommer an einer Krebserkrankung. Er hatte einen großen Anteil daran, dass der schwarzweißblaue Frauenfußball auf einer sehr soliden Basis an Jungfußballerinnen steht. Danke, Lutz! Auch für tolle Texteinschübe wie der beerdigten schwarzen Katze auf der Postheide (damals, als man ewig auf Heimsiege warten musste).

Lutz hätte sich sicher darüber gefreut, zu sehen, wie viele Juniorinnen in 2024/2025 in den Kader der ersten Mannschaft nachrücken. Marie Bärenwaldt, die schon in der Endphase 2023/2024 öfter zum Einsatz kam, ist nun auch offiziell in der Ersten und eine zuverlässige Stammkraft auf dem defensiven Flügel. Sophia Pauli wird früh in der Saison durch eine Verletzung zurück geworfen, mausert sich aber zu einer Alternative in der Sturmspitze. Rim Meliani, Cosma Abendroth, Alessia Söffker und Artijola Berisha sind Spielerinnen mit Zukunft, ebenso Anna Weßeler und die aus Gütersloh kommende Hannah Wehmeyer, die dann in zehn Spielen zum Einsatz kommt.

Die beim Herforder SV ausgebildete Kira Kutzinski kommt von den Maine Black Bears in den USA auf die Postheide und ist hinter Tor- Lisa Venrath eine zuverlässige Nummer Zwei. Sie kommt im Ligaspiel bei der U23 der SGS Essen zum Einsatz und hält einen Punkt fest. Direkte Verstärkungen sind Thandie Reinkensmeier, die variabel auf den Flügeln agiert, Pia Schmidt als Außenstürmerin und Jana Leuchtmann in der Regentonne…äääh, im defensiven Mittelfeld.

In der Vorbereitung wird kreuz und quer durch den Kader und kreuz und quer durch die Ligen getestet. Zwei Siege, ein Unentschieden und zwei Niederlagen bei 15:11 Toren sowie ein unspektakulär verlorenes Blitzturnier stehen am Ende der Vorbereitung zu Buche. Darunter ein 5:1 gegen Hansa Rostock, ein Monsun gegen Borussia Mönchengladbach und ein 7:1 gegen die Zweitvertretung von Werder Bremen im Trainingslager am Dümmer.

Ein weiterer Neuzugang steht nicht auf dem Platz, wird aber mit an den Stellschrauben der weiteren Entwicklung der Blauinnen drehen: Die Pudding- und Tiefkühlpizza- Bündniskönige aus Gadderbaum werden Hauptsponsor der Arminia- Frauen und auch Trikotsponsor. Das sorgt auch außerhalb der Blauinnen- Bubble für Aufmerksamkeit. Gut so! „Wann kannich Oetker- Trikot kaufen?“ Nicht vor der Sommerpause 2025. Bis dahin könnt Ihr Euch schonmal Eure Lieblingsspielerin aussuchen, mit der Ihr das Trikot beflocken lasst. Wie Ihr die findet? Indem Ihr auf die Postheide kommt.

AJK, Köln-Saison und neue schwarzweißblaue Fäden
Die neue Saison hat gleich mal einen Höhepunkt zu bieten. Trotz der Niederlage gegen Mecklenbeck im Finale des Westfalenpokals sind die Blauinnen für den DFB- Pokal qualifiziert- gute Gelegenheit, die Holzmedaille als Erfolg darzustellen, aber lassen wir das. Im DFB- Pokal fährt Arminia nach Hamburg zum FC St.Pauli. Die Adolf- Jäger- Kampfbahn in Altona liefert den nostalgischen Rahmen, 1.400 Zuschauer den atmosphärischen Rahmen.

Und die Blauinnen gewinnen das enge, kampfbetonte und spannende Spiel nach Toren von Thandie Reinkensmeier und Jocy Hampel mit 2:0. Und wenn die Geschichte nicht stimmt, ist sie zumindest hübsch ausgedacht: Tor- Lisas Wasserflasche lenkt einen Schuss der Kiezkickerinnen an den Pfosten und trägt so zum Sieg bei.

Auch die Regionalliga West startet in 2024/2025. Eine Spielzeit, in der es die Blauinnen nicht weniger als viermal nach Köln verschlägt. Dort, beim Aufsteiger DJK Südwest, bestreiten die Mädels ihr erstes Ligaspiel. Das 4:3 ist mühevoll, ebenso der Heimspiel- Auftakt gegen die zweite Mannschaft von Borussia Mönchengladbach. Jetzt kann man natürlich den gewesenen Wuckel zitieren – „Lieber 7:3 als 1:0 gewinnen“ – dazu müssten allerdings auch genug Tore geschossen werden. Leider nehmen die Blauinnen in dieser Spielzeit einen neuen schwarzweißblauen Faden auf: Sie verballern in Massen gute Torchancen. Zu einem weiteren schwarzweißblauen Faden wird eine gewisse Leichtfüßigkeit in der Defensive – zwei Spiele, fünf Gegentore.

Nachdem das zweite Spiel der Saison in Köln bei der einmal mehr starken Fortuna verlegt wurde, kommt Warbeyen auf die Postheide. Die Mannschaft aus Kleve hat sich in den letzten Jahren zu einem Spitzenteam entwickelt und verliert bis zum Jahresende nur ein einziges Spiel… und das ist eben dieses Spiel in Windflöte. Warbeyen ist spielstark, Warbeyen ist eingespielt… die Frage warum sie dreckig und „körperbetont“ spielen und Gegnerinnen als „asozial“ betiteln müssen, können die Spielerinnen vom Niederrhein nur selbst beantworten.

Jedenfalls rettet der Halbzeitpfiff des unsicheren SchiRi- Gespanns das Spiel vor einer Massenschlägerei auf dem Hybrid- Rasen. Für Emmi Klingen ist es da schon zu spät: Die Stürmerin erleidet einen Kreuzbandriss und wird lange fehlen. Teuer erkaufte drei Punkte. Sind die Blauinnen jetzt ein Spitzenteam oder ärgern sie wieder nur? Immerhin holen Arminias Frauen die Maximal- Ausbeute aus den ersten drei Ligaspielen. Im Nachholspiel bei Fortuna Köln allerdings…

Zuschauerrekord und Finalrevanche
…aber nein, halt, das Spiel ist ja verlegt und kommt später. War da noch was anderes…? Gibt es einen Grund für die Spielverlegung?

Na und ob, und zwar das Highlight des Jahres 2024! Die Kulisse beim Erstrundenspiel in Hamburg war mit 1.400 die größte, vor der die Blauinnen bis dato gespielt haben. Betonung auf „war“. In der zweiten Runde des DFB- Pokals kommt Werder Bremen nach Bielefeld. Das Spiel wird auf der Alm ausgetragen und ist der nächste Zuschauerrekord: 1.811 Fans verfolgen das Match Regionalliga gegen Bundesliga von der Osttribüne aus und geben unseren Mädels einen fantastischen Rahmen.

Sportlich sind die Vorzeichen eindeutig, das Ergebnis am Ende auch. Arminia verteidigt tapfer, Tor- Lisa ist in Überform. Die Blauinnen kommen aber kaum dazu, selber Angriffe zu starten. Man kann diskutieren, ob das 0:4 ein bis zwei Tore zu hoch ist oder dass in der Frühphase der Partie eine Notbremse übersehen oder dass Tor- Lisa beim 0:1 gefoult wurde. Aber das ist müßig, da der Zwei- Klassen- Unterschied schon ziemlich deutlich war und es am Bremer Sieg nichts zu rütteln gibt.

Viel schöner als das rein sportliche ist, dass Arminias Frauenmannschaft an diesem Nachmittag so viel Zuspruch bekommt. Und einmal mehr gibt der Rundumbeobachter seiner Hoffnung Ausdruck, dass sich dies auch im Liga- Alltag niederschlägt. Hey, es mag auf der Postheide allenfalls sporadisch Waffeln geben, ist aber trotzdem schön da. Oder ganz okay, wenn Euch das lieber ist.

Ganz okay ist auch der Westfalenpokal in dieser Spielzeit. Tatsächlich spielen die Blauinnen noch im Kalenderjahr 2024 im aktuellen Wettbewerb, sogar gleich zweimal. Beim FC Iserlohn fällt zwar früh das 0:1, am Ende steht ein ungefährdetes 5:1. Im November gelingt Arminia die Revanche für das verlorene Finale im Sommer. Mit viel Kampf gewinnen die Mädels mit 1:0 bei Wacker Mecklenbeck und ziehen ins Viertelfinale ein. Dort kommt – Kalender raus! – am 16. Februar der TuS Wadersloh zum ersten Pflichtspiel 2025 auf die Postheide. Es gibt ein Wiedersehen mit Jupi, die hoffentlich nicht ihre ehemaligen Mannschaftskameradinnen jupiziert.

Kiki’s Return
Zurück zur Regionalliga. Nach dem Sieg gegen Warbeyen geht es zur U20 der SGS Essen. Auf einem großen Sportgelände, das nach Essener Fußballprominenz benannt ist (Nee, nicht Glockenhorst), gibt es ein 0:0. Ein Tor von Anna Czekalla wird abgepfiffen. Tor- Kira, die ihr Debüt für die Blauinnen gibt, rettet den Punkt. Es ist das erste Spiel ohne die verletzte Emmi Klingen, die etatmäßige Spitze. So wird in Essen viel rotiert- sowohl Lisa Lösch als auch Jocy Hampel besetzen zeitweise das Sturmzentrum. Das wirkt sich natürlich auf die Spielweise aus, aber immerhin… viertes Spiel, zehnter Punkt.

In der Sturmspitze wird Bella (Wuckel: „Anna“) Jäger im eigenen Laden fündig: Kristina Lazic kehrt beim Heimspiel gegen SpoHo Köln nach exakt 1.204 Tagen nicht nur in die erste Mannschaft, sondern auch gleich in die Startelf der Blauinnen zurück und das erweist sich als guter Griff. Kiki legt bis zur Winterpause einige Tore auf und erzielt selbst fünf Pflichtspieltreffer. Im Spiel gegen die Sporthochschülerinnen trifft sie zwar noch nicht, aber die Blauinnen spielen sich beim 5:1 wieder ein.

Es rollt also wieder. Und im Nachholspiel bei Fortuna Köln winkt zum ersten Mal die Tabellenführung. Der Anhang reist optimistisch zum Spitzenspiel in die Kölner Südstadt…

…um dann zu erleben, wie die Blauinnen überhaupt nicht ins Spiel kommen. Um mal einen Arminia- Klassiker zu zitieren: „Wenn wir in der ersten Halbzeit dreimal über die Mittellinie waren, ist das viel gewesen.“. Zwar werden die entschlossenen und eingespielten Kölnerinnen weg verteidigt… aber ein Abwehrfehler bringt die Gastgeberinnen dann auf die Siegesstraße. 0:2 heißt es am Ende. Spitzenspiel verloren. Immerhin gibt es ein Wiedersehen mit Pippilotta Finger.


Trotzdem ist im Oktober Platz Eins noch in Sichtweite. Und strategisch sind die Blauinnen gegenüber dem Tabellenführer aus Warbeyen im Vorteil, haben sie diesen doch besiegt. Um wieder in die Spur zu kommen und an der in dem Zusammenhang nicht unwichtigen Tordifferenz zu arbeiten, wäre ein Gegner wie Alemannia Aachen vermutlich genau richtig. Doch die Aachenerinnen sind krank, zahlen ein paar Pfennig Strafe an den Verband und treten nicht auf der Postheide an. Das Spiel wird mit 2:0 für Arminia gewertet. Zur Erinnerung: Das Spiel im Frühjahr endete 9:1.

Man kann das mit einiger Berechtigung als Wettbewerbsverzerrung empfinden, nur verabschieden sich die Blauinnen selbst allmählich aus dem Wettbewerb. Spitzenteam Arminia? JaNeinVermutlichWeißichnicht. Fakt ist jedenfalls, dass die Spitzenteams aus Warbeyen und dem Kölner Süden (Fortuna) Spiele wie das der Blauinnen beim SSV Rhade eben nicht liegenlassen. „Wenn die Fehler nicht passieren, ist das 1:0 gewonnen“, hadern Spielerinnen und Spielfeldrand nach der 1:2- Niederlage in Dorsten. Tja… nun sind sie aber passiert, die Fehler…

Festung Postheide und knackende Schnürsenkel
JaNeinVermutlichWeißichnicht – ein Statement, dass sich auch daraus ergibt, dass Talent, Können und spielerische Klasse eines Spitzenteams durchaus vorhanden sind. Beim 4:0 in Recklinghausen – natürlich ist es Spätherbst, natürlich ist es trist, natürlich ist es matschig – spielen die Blauinnen tatsächlich wie ein Spitzenteam auf und zeigen eins der besten Spiele des Jahres 2024.

Auch auf der Postheide läuft es: In der Saison 2024/2025 sind die Mädels auf heimischer Scholle ungeschlagen. Im Herbst gibt es ein „Wenn es früh bimmelt läuft’s“- Spiel gegen Gütersloh und ein hart erkämpftes 2:1 gegen die U23 von Bayer Leverkusen. Lediglich ein 0:0 gegen Mecklenbeck, das den Begriff „Abwehrriegel“ an diesem Sonntag neu erfindet, schränkt die Maximalausbeute ein. Die Postheide ist zur Festung geworden. Allerdings… Warbeyen hat auch hier die weißeste aller Westen. Kein Punktverlust zu Hause. 2:0 gegen Mecklenbeck.

Beim Spiel gegen Leverkusen gibt es was zu feiern. Grit Bender, die Legende! Elf Jahre bei Arminia. Drei Spielklassen. 200 Spiele in Schwarzweißblau. Schöpferin historischer Aussagen wie „„Ey…Pokalsieg…könnt Ihr es glauben?“ und „Mannistdasgeileysosuperwiegeilistdasichgehmalduscheneywiegeilwiegeeeeilhihihihihi!“. Erfinderin von Spitznamen wie „Pippilotta“. Ansagerin von „Schreib‘ unbedingt in Deinen Text, wie matschig das hier ist!“ (Recklinghausen, richtig geraten). LEGENDE! „Wenn ich meine Augen verbinde, und die Mädels gehen an mir vorbei…“, heißt es in 2024 vom Spielfeldrand, „die höre ich raus. Da knacken alle […].“ Schnürsenkel. Schnürsenkel soll ich schreiben, nicht Knochen. Sagt Grit. Grit liest Rundumbeobachtungen. @Grit, Deinen lustigen Legendentext schreiben wir noch zusammen, wie angedroht. Und wenn es zu Ehren des 222. Spiels ist.

Schwarzweißblaue Fäden
Nehmen wir ein letztes Mal in diesen Rundumbeobachtungen die schwarzweißblauen Regionalliga- Fäden wieder auf. Das tun die Blauinnen auch. Der, sagen wir mal, weiße Faden ist der, dass die Mädels reihenweise Torchancen liegen lassen. Wie beim Rückrundenauftakt gegen die DJK Südwest Köln, wo es aber zu einem 3:1 gegen die Kellerkinder reicht. Oder beim zweiten Rückrundenspiel in Gladbach, das mit 1:2 verloren geht und wo auch der Faden der leichtfüßigen Defensive weiter gesponnen wird.

Der, sagen wir mal, blaue Faden zeigt sich bei der U23 des 1.FC Köln, wo die Blauinnen nicht ins Spiel hineinfinden, ihr Tor zum Dose Öffnen nicht machen und durch einen unglücklichen Gegentreffer 0:1 verlieren. Wenigstens ist die abenteuerliche Reise des Rundumbeobachters ins, im und aus dem adventlichen Köln noch eine lustige Anekdote.

Der schwarze (oder auch: der verlorene) Faden ist der, den wir schon aus den Vorjahren kennen: Es wird Herbst, es wird Winter und die Blauinnen verlieren den Anschluss an die Tabellenspitze.

Weiterspinnen
„Warum sollen wir etwas angehen, wenn wir dann die Klasse nicht halten können“, lässt Bella (Wuckel: „Anna“ Jäger) auf der Jahreshauptversammlung des Gesamtvereins mitteilen. Damit nimmt sie im Prinzip den Faden auf, den ihr Vorgänger schon zwei Jahre zuvor gewebt hatte: „Um in die Zweite Liga zu kommen, brauchst Du schon jetzt ein Zweitligateam“.

Sportliche Perspektiven sind da: Wenn Nachwuchsspielerinnen wie Sophia Pauli, Inci Fenu und Hannah Wehmeyer verletzungsfrei bleiben, werden wir in 2025 viel Freude an ihnen haben. Anna Czekalla hat in diesem Jahr einen großen Schritt nach vorne gemacht- ihre bisher vier Saisontore sind schon jetzt persönlicher Rekord.

Viel hängt an den Stammkräften- das fällt deutlich auf, wenn diese ausfallen, seien es Emmi Klingen, Sophia Thiemann, Leonie Heitlindemann oder auch Jocy Hampel, die mit sieben Kisten Arminias Torschützinnenliste anführt. Im ersten Testspiel des Jahres hat sich Lisa Lösch schwer verletzt und wird lange ausfallen. Das Fehlen der Kapitänin wird sich auswirken.

Sportlich spielen sich die Blauinnen in 2024 irgendwo zwischen dem 9:1 gegen Aachen, dem 4:0 in Recklinghausen und dem 1:2 in Rhade ab. In den letzten beiden Jahren haben die Jahresrückrundumbeobachtungen ein weiteres Jahr zwischen Aachen und Gütersloh prophezeit, das wird hiermit für 2025 erneuert. Als Fan hat man da nichts gegen, sind die Spielorte doch in Reichweite für einen Sonntag Nachmittag, das wäre in der Zweiten Liga nicht mehr gegeben (Wo oder was ist „Weinberg“?). Aber natürlich freut man sich über sportliche Weiterentwicklung.

Zum Jahreswechsel von 2024 auf 2025 sind es 13 Punkte und 32 Tore Rückstand auf den Tabellenführer aus Warbeyen – da hätte auch ein Kantersieg gegen Aachen kaum etwas geändert. Gegenwärtig steht die erste Frauenmannschaft von Arminia Bielefeld auf Platz Drei der Regionalliga- Tabelle und hat 29 Punkte. Zum Vergleich: In 2023 waren es im Winter Platz Fünf und 20 Punkte. In 2022: Platz Sechs, ebenfalls 20 Punkte. Das ist zweifellos eine positive Entwicklung.

Wohin die wann und wie führt, ist im Moment noch nicht auszumachen, sie darf sich aber gern so fortsetzen, entspräche sie doch der Zielsetzung von Bella (Wuckel: „Anna“) Jäger und auch der nachhaltigen und soliden Entwicklung, die Arminia sich ja generell auf die Fahne geschrieben hat. Unabhängig davon wird es auch in 2025 eine Menge Freude machen, den schwarzweißblauen Faden mit dieser liebenswerten Mannschaft weiter zu spinnen.

Ich jedenfalls freue mich drauf.
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