Unter Alchemie wurde ab der frühen Neuzeit das Bestreben verstanden, aus Metallen Gold zu machen. Die Blauinnen stehen in 2025 wie auch in den Jahren zuvor für das Bestreben, aus Holz Gold zu machen. Im Jahr des 120jährigen Bestehens des DSC Arminia Bielefeld, im Jahr des 50jährigen Bestehens der Frauenfußballabteilung des DSC Arminia Bielefeld, ist aus dem Holz zumindest Edelholz geworden.

Die Blauinnen 2025 – Jahresrückrundumbeobachtungen von Jan-Hendrik Grotevent
Spitzenkampf der Holzliga
Die Blauinnen überwintern 2024/205 wie in den Jahren davor auch. War es in 2022/2023 Borussia Mönchengladbach, war es im Jahr darauf der VfL Bochum, ist es jetzt der VfR Warbeyen, der mit seinen Zweitliga- Ambitionen ernst macht und die Regionalliga West dominiert. Dahinter folgt, auch wie in den letzten Jahren, mit deutlichem Abstand ein mehr oder weniger ambitioniertes Team, diesmal ist das Fortuna Köln. Und dahinter sind die Blauinnen. Drei Punkte Rückstand sind es auf die Kölner Fortuna. Die Rücklichter des Spitzenreiters Warbeyen sind auch bei klarer Sicht nicht mehr auszumachen – 13 Punkte ist die Mannschaft aus Kleve weg.

Die ersten Gegner des Jahres 2025 sind die ostwestfälische Witterung und die damit verbundenen organisatorischen Herausforderungen. Von sieben angesetzten Testspielen finden drei statt, eins davon beim Nachbarn in Gütersloh. Und da verletzt sich Lisa Lösch schwer. Kreuzband und Meniskus sind durch. Nach der schweren Verletzung von Emmy Klingen im Spätsommer 2024 verlieren die Blauinnen nun auch ihre Kapitänin auf unbestimmte Zeit. Es spricht in hohem Maße für Ehrgeiz, Disziplin und Einstellung von Lizzzza, dass sie quasi an der Seitenlinie in Rheda beginnt, an ihrem Comeback zu arbeiten, Schon im Sommer ist sie wieder für die Blauinnen auf dem Feld.

Wenn es also sportlich noch um etwas geht, dann um die Vizemeisterschaft der Regionalliga. Und vielleicht um Lametta im Westfalenpokal. Das Westfalenpokalspiel gegen den TuS Wadersloh ist nach dem Hin und Her in der Vorbereitung auch das erste Pflichtspiel des Jahres, doch dazu später. In der Liga geht es gleich mal gegen die Spitzenteams.

Das 1:1 gegen Fortuna Köln erweist sich als ein typisches Spiel gegen diesen Angstgegner der Blauinnen: Sophia Thiemann bringt Arminia in der 20. Minute in Führung, danach verballern die Mädels eine Chance nach der anderen und fangen sich kurz vor Schlusspfiff den Ausgleich. Im Spiel beim VfR Warbeyen halten die Blauinnen die ersten zehn Minuten der ersten Hälfte und den kompletten zweiten Durchgang mit dem Tabellenführer mit. Bilanz dieser 55 Minuten aus Sicht von Arminia: 2:1. Soweit, so gut. Soweit, so wenig ausreichend. Denn die verbliebene Zeit reicht Warbeyen, um Arminia her zu spielen und drei Tore zu erzielen.

Immerhin legen die Blauinnen im Jahr 2025 die dauerhafte Ergebniskrise gegen einen anderen Angstgegner ab. Eine Woche nach der Niederlage am Niederrhein kommt die Zwote der SGS Essen auf die Postheide. Arminia legt ein ordentliches, reifes Match hin und schlägt den Bundesliga- Nachwuchs mit 3:1.

Damit ist Platz Drei zurückerobert, der nach der Niederlage bei Warbeyen an eben die SGS verloren ging. Der Regionalliga- Auftakt in 2025 zeigt: Es geht maximal um Platz Zwei. Um die Meisterschaft der nicht- ambitionierten Teams in der Regionalliga. Nicht um Edelmetall sondern um Edelholz. Mahagoni statt Gold.

Heimstarke Fichte statt Liga- Mahagoni
Klar, mag man als Meckerer einwenden: „Mahagoni“ ist ein nettes Wort dafür, dass es in dieser Spielzeit für Arminias Frauenteam in der Liga um nichts mehr geht. Die nächsten Spiele fühlen sich auch so an. Einem mehr oder weniger „Pflichtsieg“ bei SpoHo Köln folgt ein zäher Kick in Aachen, der durch einen Sonntagsschuss von Soffes Thiemann entschieden wird. Das 0:0 gegen Rhade fasst Blauinnen- Legende Grit Bender mit „Ugh!“ zusammen und sagt damit alles zum Spiel.

Weniger „Ugh!“ sind die beiden nächsten Spiele: Bei der zweiten Mannschaft des FSV Gütersloh gewinnen die Blauinnen mit 4:1. Die zweite Mannschaft des 1.FC Köln wird in Windflöte mit 3:0 besiegt. Dies ist auch insofern bemerkenswert, als dass der Nachwuchs des EffZeh die letzte Mannschaft war, die den Blauinnen zuvor eine Liga- Heimniederlage bescherte.

Die Heimstärke ist ein Charakteristikum der weiblichen Arminia auch in 2025: Von 14 Pflicht- Heimspielen im Kalenderjahr gehen nur drei verloren. Davon eins im Westfalenpokal, aber das war gegen Borussia Dortmund (dazu später), eins auf der Alm (dazu noch später) und das letzte gegen Fortuna Köln (Fluchgegner, Angstgegner). Also zählen die eigentlich nicht. Die Postheide ist eine Festung! Und wer die gerade vorgebrachte Argumentation für reichlich dünn hält, dem sei ein Blick auf die Abschluss- Heimtabelle der Saison 2024/2025 empfohlen. Die weist den Blauinnen eine weiße Weste aus. Quod erat demonstrandum!

Übrigens: Auch, wenn es nur noch um Mahagoni geht, macht es Spaß, Blauinnens zu gucken. Unabhängig davon, ob sie in Windflöte oder Auswärts spielen. Gerade Auswärts gibt es nette Gastgeber und Vereinsheime zum Kennenlernen und ungezählte kulinarische Angebote von Kaffee über Muffins und Kuchen hin zu Bratwurst zu schnabulieren. Und auf der Postheide gibt es immer noch keine Waffeln zu verdrücken (haben wir das jetzt auch für 2025 erwähnt).

Trotzdem ist Mahagoni eben nicht Gold. Bei der Reserve von Bayer Leverkusen gibt es eine 1:2- Niederlage. Beim letzten Heimspiel gegen Recklinghausen erringen die Blauinnen mit einem 2:0 tatsächlich den Mahagoni- Platz an der Holzsonne, allerdings stehen bei diesem Match, das auf der Alm ausgetragen wird, vor allem der Saisonabschluss und die Verabschiedung verdienter Spielerinnen im Vordergrund.

Das endgültig letzte Saisonspiel in Mecklenbeck fühlt sich für den Spielfeldrand dann ziemlich egal an. Ein zähes Spiel, eine 0:1- Niederlage, der Verlust des zweiten Tabellenplatzes. Auch von diesem Spiel bleibt eher das letzte Abklatschen der Saison in Erinnerung. Vize- Mahagoni. Vizemeisterin im Teilnehmerinnenfeld der Regionalliga West, das nicht die Liga dominiert. Gibt es eine Holz- Allegorie zum Silber- Edelmetall? Nehmen wir Fichte. Aus Fichte hergestellte klassische Gitarren haben einen schönen Klang.

Kein Edelmetall in Westfalen, zumindest in 2025
Also Edelholz in der Liga – Wie steht es mit Edelmetall im Westfalenpokal? Da kommt der TuS Wadersloh im Viertelfinale nach Windflöte. Es ist das erste Pflichtspiel des Jahres. Die Postheide ist ein Eiskeller und die Blauinnen tun sich gegen den tief stehenden Landesligisten schwer. Ein Eigentor entscheidet schließlich die Partie zugunsten von Schwarzweißblau. Immerhin gibt es das erste Wiedersehen des Jahres mit Jupi, doch dazu später.


Zum dritten Mal in Folge stehen die Blauinnen damit im Halbfinale des Westfalenpokals. Zum zweiten Mal in Folge gegen Borussia Dortmund. Der ambitionierte BVB ist zu stark – Arminia kommt zu keinem Zeitpunkt der Partie richtig ins Spiel, die Schwarzgelben gewinnen mit 3:0. Also kein rauschendes Pokalfinale in 2025 für die Blauinnen und in Folge auch kein DFB- Pokal mit Rekordbesuch- Spiel gegen spätere Finalisten.

Zum Jahresende 2025 stehen die Blauinnen zum wieder im Viertelfinale des Westfalenpokals. Nachdem Grün- Weiß Nottuln und der FC Iserlohn in den ersten Runden besiegt wurden, wird es zum ersten Pflichtspiel des Jahres 2026 nach Mecklenbeck gehen – eine Pokalbegegnung mit Geschichte. Nein, nicht nur wegen des im Elfmeterschießen verlorenen Finals 2024. In den Westfalenpokal- Wettbewerben 2022/2023 und 2024/2025 setzten sich die Blauinnen jeweils mit 1:0 in Mecklenbeck durch. Und Elfmeterschießen ist ja eigentlich auch ein Unentschieden.

Lüdenscheid Nord scheiterte übrigens an Herne West – die Schwarzgelben sind 2026 also nicht mehr in der Verlosung. Wenn es für Arminia und den Rest der Viertelfinalteilnehmer erwartungsgemäß (oder hoffnungsgemäß) läuft, werden die Blauinnen sich irgendwann Schalke stellen müssen. Und damit einer ähnlichen Herausforderung wie dem BVB in diesem Jahr… wir sind mal optimistisch.
50 Jahre Blauinnen
Dass das Jubiläumsjahr 2025 ein ganz besonderes für Arminia Bielefeld war, ist nun wirklich kein Geheimnis. Auch die Blauinnen haben dazu beigetragen. Die Abteilung Frauen- und Mädchenfußball wird 50 Jahre alt.

Arminias Frauenfußball gibt es, weil ihn eine Vereinsführung in den 1970ern haben wollte. Und seitdem auch immer für wichtig erachtete, unabhängig davon, in welcher Schieflage Ostwestfalens mehr oder weniger Gloria auch war. Widrigkeiten und Hindernisse haben auch den schwarzweißblauen Frauenfußball nicht kaputt gekriegt. Wie im Gesamtverein sind hier auf und neben dem Platz Leute unterwegs, die lieben, was sie taten und tun und bewiesen und beweisen, wie blau das Herzblut ist. Und die an den Frauenfußball des DSC glauben.

Die Blauinnen sind der Gegenentwurf zu vielen „Männerclubs“, die aktuell mit großem Aufwand Frauenmannschaften etablieren, weil Frauenfußball gerade hip ist und/oder man den Männerfußball damit veredeln kann. Arminia geht einen eigenen Weg, der vielleicht nicht so spektakulär ist wie bei anderen Clubs, dafür aber kontinuierlich, mit Bedacht – und damit vielleicht auch beständiger als die derzeitigen Trends im deutschen Frauenfußball. Inwieweit das weitsichtig ist, ob sich das langfristig durchsetzt oder ob der Rest des deutschen Frauenfußballs den Blauinnen gerade davon zieht – die Zukunft wird es zeigen.
Europaholz, grünes und starkes Holz
Doch zurück in die Gegenwart bzw. den Jahresrückblick. Zwischen Saisonabschluss und Saisonvorbereitung gibt es noch ein nett anzuguckendes Spiel: Die Blauinnen treten gegen die deutsche Polizei- Nationalmannschaft der Frauen an. Die weibliche Fußballpolizei steckt zu diesem Zeitpunkt in der Vorbereitung auf die Polizei- Europameisterschaft. Mit im Kader: Jocy Hampel, die im Spiel eine Halbzeit für Arminia und eine Halbzeit für die Polizei antritt.

Die deutsche Polizei- Nationalmannschaft der Frauen wird dann tatsächlich Europameisterin. Arminias Nummer 27 macht alle Spiele des Turniers mit und erzielt zwei Treffer. Sowieso ist 2025 ein Schokoladenjahr für Jocy Hampel: Mit 21 Treffern ist sie Arminias beste Torschützin im Kalenderjahr und führt mit aktuell 15 Toren die Torjägerinnenliste der Regionalliga West 2025/2026 an.

Das Kernteam für 2025/2026 bleibt zusammen, eine Mischung aus erfahrenen Kickerinnen und jungen Nachwuchsspielerinnen. Beim letzten Heimspiel gegen Recklinghausen werden trotzdem liebgewonnene Blauinnen verabschiedet. Mach’s gut, Captain Jack! Alles Gute, Pämm und Tolke Rickmitt! Bleib‘ dran, Pia Schmidt!


Und ein fröhliches „Ugh!“ an die am lautesten knackenden Schnürsenkel in der schwarzweißblauen Geschichte, die Legende, Griddy Spritspender! Auf viel weitere Maulfechterei am Spielfeldrand!


Die Neuzugänge Maren Allmeroth und Lea Bultmann bilden die neue Innenverteidigung der Blauinnen und geben der Defensive eine neue Stabilität. Zwar haben die Blauinnen zum Jahreswechsel 2025/2026 genauso viele Gegentore kassiert wie im Jahr zuvor (16), dazu ist aber anzumerken, dass zehn dieser Gegentore in den ersten vier Spielen der Saison fallen. Das kann man angesichts der danach folgenden Entwicklung als „Findungsphase“ verbuchen. Dazu später.

Fabienne Brakemeier kommt aus der zweiten Mannschaft hoch und sorgt für Ordnung im defensiven Mittelfeld. Sie kommt in 13 von 15 Ligaspielen zum Einsatz. Auch Jana Reitmeier kommt aus der Zwoten rauf und trägt sich in die Torschützinnenliste ein. Sowieso wird der Kader durch einige Nachwuchsspielerinnen aufgestockt- eine weitere Bestätigung der guten Nachwuchsarbeit bei Blauinnens.

Und es gibt gleich zwei Wiedersehen: Susi Werner versucht es nach ihrer schweren Knieverletzung und der ersten Schwangerschaft nochmal und erzielt drei Tore, bevor sie sich im Herbst endgültig der Familie widmet. Und für Jupi bleibt es nicht nur beim Gastauftritt im Westfalenpokal: Nach einem Jahr beim TuS Wadersloh ist der Jupinator wieder da- und auch sie wird wissen, wo die Kiste steht.

Jana Richter ist eine Alternative für das Sturmzentrum und erzielt bisher bei zehn Joker- Einsätzen ein Tor. Im Hinblick auf das Sturmzentrum wird auch Emmy Klingen in 2026 wieder zurückkehren. Das ist ein vielversprechender Kader, der da im Sommer 2025 an den Start geht…
Edelholz muss keimen
…sich aber tatsächlich erstmal finden muss. Bella (Wuckel: „Anna“) Jäger und ihr neuer Chefcoach- Partner Kevin Stwolinski bringen in nahezu jedem Spiel eine neue Startelf ins Match. Die schaffen es, den kleinen Angstgegner aus Essen in einem spannenden Match mit 3:2 in Unterzahl zu besiegen und unspektakulär mit 2:1 bei SpoHo Köln zu gewinnen.

Dann kommt Leverkusens U23 nach Bielefeld. Auf der Alm soll noch einmal das 50jährige Jubiläum der Blauinnen zelebriert werden und abseits des Platzes ist es nach der Postheide- Party in der Sommerpause das zweite nette Treffen der Generationen. Auf dem Platz jedoch schenken sich die Blauinnen drei Gegentore mehr oder weniger selbst ein und verlieren trotz eines eigentlich recht gefälligen Offensivspiels mit 0:4. In der Woche drauf setzt es die fast schon obligatorische Niederlage beim Nachwuchs des kölschen EffZeh.

Nach vier Spieltagen stehen die Blauinnen mit sechs Punkten auf Platz Acht der Regionalliga- Tabelle. An der Spitze hat die eben erwähnte U23 des 1.FC Köln doppelt so viele Punkte und hat sich durch ein 4:3 auch den mehr oder weniger offensichtlichen Aufstiegskandidaten aus Dortmund vom Leib gehalten.

Ob Arminia schon wieder nur um Edelholz kämpft, ist nach dem Saisonauftakt schwer zu sagen. Okay, das war es noch nie, denn seit dem Abstieg 2021 standen die Blauinnen nach vier Spielen nie besser da als Platz Fünf. Für den Moment zeigt sich nur, dass der Kader sich einspielen muss. Um in der Holz- Allegorie zu bleiben: Auch Edelholz muss erstmal keimen und dann wachsen. Edelmetall- Allegorien ersparen wir uns erstmal.
Edelholzbretter
Jedenfalls keimt und wächst das Edelholz. Aber sowas von! In den nächsten sieben Spielen brettern die Blauinnen durch die Regionalliga West, die Startelfvarianten werden vom Beleg der Findungsphase zum Beleg für die Flexibilität des Kaders. In diesen sieben Spielen holen die Mädels 19 Punkte, schießen 21 Tore und kassieren nur zwei.

Los geht es im Heimspiel gegen Mönchengladbach II. Nach einer zähen ersten Hälfte steht es 1:0. Im zweiten Durchgang legen die Blauinnen los und gewinnen am Ende mit 8:0. Hier beginnt auch der „Siegeszug“ von Jocy Hampel an die Spitze der Torschützinnenliste. Sie steuert fünf Tore bei. Auch in Recklinghausen behält Arminia die weiße Weste und siegt 3:0.

Die in der Bilanz 19 von 21 Punkten fehlenden beiden Tabellenzähler sind eigentlich keine Verlustpunkte. Borussia Dortmund kommt auf die Postheide. Der BVB ist aus der Westfalenliga aufgestiegen, mit einer Bundesliga- Infrastruktur und einer mindestens zweitligatauglichen Mannschaft ausgestattet und hat zu diesem Zeitpunkt 31 Tore in sechs Spielen erzielt. Die Blauinnen wehren sich nicht nur gegen den erklärten Durchmarschierer, sie greifen selbst an und egalisieren die Dortmunder Führung in den Schlussminuten zum 1:1- Endstand. Auch Blauinnens: Ein mühseliges Spiel auswärts beim Tabellenletzten aus Moers, das am Ende etwas glücklich mit 2:1 gewonnen wird.

Mittlerweile ist Arminia auch taktisch eingespielt. Zwar ist nicht unbedingt jeder Schuss ein Treffer, aber die Mädels stehen hinten sicher und vorne machen sie ihre Tore. Stabil und effektiv. Das zeigt sich beim unspektakulären, aber verdienten 2:0 in Deutz und beim 4:0- Heimsieg gegen Wacker Mecklenbeck, bei dem auch eine Menge Spielfreude mit dabei ist. Beim SSV Rhade tun sich die Blauinnen schwer, erzielen den 1:0- Siegtreffer aber trotzdem.

Abholzen
Die Fortuna aus Köln ist kein Angstgegner mehr, sondern entwickelt sich zum Fluch. Nach dem 1:0 durch Jocy Hampel lassen die Blauinnen reihenweise Chancen liegen und verlieren 1:2. „Manchmal läuft es einfach nicht“, sagt eine geknickte Sophia Thiemann nach dem Spiel, „Aber das nächste Spiel kommt bestimmt.“

Und das darf als symbolische Aussage verstanden werden. Die nächsten Spiele kommen. Und wie! Arminia holzt weiter die Liga ab. Drei Spiele noch bis zur Winterpause, drei Siege, 14:2 Tore. Die Hinrunde wird abgeschlossen mit einem Auswärtsspiel beim FSV Gütersloh (jetzt die erste Mannschaft). Die Blauinnen machen keine Gefangenen und gewinnen mit 6:0. Zum Rückrundenauftakt ist dann auch die U21 der SGS Essen kein Angstgegner mehr – 4:1 für Arminia im Ruhrpott.

Und am zweiten Advent gibt es den Jahresabschluss auf der Alm. SpoHo Köln ist zu Gast. Und auch hier zeigt sich der sportliche Schritt nach vorne. Arminia geht früh durch Jana Leuchtmann in Führung, spielt danach ruhig und sicher. Das ist kein 8:0, das ist anders gut. Sophia Thiemann per Elfmeter und natürlich Jocy Hampel stellen bis zur Pause auf 3:0 und auf Sieg. Zwar kommt SpoHo noch zum 3:1, aber die eingewechselte Jupi stellt den 4:1- Endstand her. Arminias Frauen gehen mit ziemlich satten 31 Punkten in die Winterpause.

Alchemie- aus Edelholz mach‘ Edelmetall
In 2022, in 2023, in 2024… tja, und auch in 2025 schreibt der Rundumbeobachter in seinen Jahresrückblick zu den Blauinnen, dass es im betrachteten Jahr um Holz geht. Die Blauinnen befinden sich im Spannungsfeld zwischen den hinzugewonnenen eigenen Stärken und der übermächtig erscheinenden Konkurrenz aus ambitionierten Ruhrpottclubs – heute Dortmund, morgen Schalke – sowie mit weiterem Blick anderen ambitionierten Clubs, die sich mehr und mehr in der Zweiten Frauenbundesliga, im Rückstau zum Oberhaus, ansiedeln – die schon vor zwei Jahren enteilten Bochumerinnen seien zusammen mit Mainz 05 und dem VfB Stuttgart als Beispiele genannt.

Die bisherigen Pflichtspiele gegen den BVB verdeutlichen das Spannungsfeld: 2024 ist es noch ein souveränes 4:0, im Jahr darauf ein chancenloses 0:3, dann aber auch ein 1:1, das mit eigener Tugend und eigener Stärke erkämpft wurde.

Auf Platz Drei stehen die Blauinnen aktuell. Vier Punkte Rückstand sind es auf den Tabellenführer vom Kölner Geißbockheim, einer ist es auf den zweitplatzierten BVB. Das liest sich schon anders als in den Vorjahren, als die Spitzenreiterinnen mit zweistelligen Punktzahlen weg waren.

Von Edelmetall ist in den Jahresrückrundumbeobachtungen 2025 nicht die Rede. Ganz einfach, weil das in 2025 kein Thema war. Edelholz – Mahagoni, Fichte, whatsoever – ist es aber vor allem in der aktuellen Saison geworden. 34 Punkte haben die Blauinnen nach 15 Spielen. Das ist die mit Abstand beste Zwischenbilanz zu diesem Zeitpunkt seit dem Abstieg 2021. Nach der Findungsphase der ersten vier Spiele holte Arminia aus elf Spielen 28 Punkte, bei 36:6 Toren.

Unter Alchemie wurde ab der frühen Neuzeit das Bestreben verstanden, aus Metallen Gold zu machen. Für Arminias Frauenteam ist es nun daran, aus Mahagoni, Fichte, whatsoever Gold zu machen. Was im Mittelalter als Hexenwerk verschrien wurde, ist für die Blauinnen nicht unbedingt Hexenwerk. Die zweite Bundesliga ist Ziel und Ambition bei Arminia, das erklären Spielerinnen, sportliche Leitung und Offizielle immer wieder mehr oder weniger offen. Und so nahe dran am Unterhaus wie in der aktuellen Spielzeit waren Blauinnens seit der Zeit einer aktiv spielenden Bella (Wuckel: „Anna“) Jäger nicht mehr.

Allerdings sollte man nicht allzu enttäuscht sein, wenn es auch in 2026 erstmal beim Edelholz bleibt. Die Tendenz spricht für die Blauinnen, um den Platz an der Sonne zu erreichen, müsste aber mit hoher Wahrscheinlichkeit alles gewonnen werden. Beim BVB. Bei Fortuna Köln. Gegen die Zwote vom EffZeh. Ohne Fluchgegner, ohne Angstgegner, ohne Textabsätze, die der Rundumbeobachter mit „Auch Blauinnens:“ einleiten muss. Zudem ist bei den Kölnerinnen, die aufgrund ihrer aufgerüsteten Bundesligamannschaft mit reichlich erstligaerfahrenen Spielerinnen bestückt sind, nach hinten raus ein längerer Atem zu vermuten. Ebenso beim aufgepumpten BVB.

Die schwarzweißblaue Alchemie vollzieht sich tatsächlich wohl am besten so, wie hier im Text bereits beschrieben und wie seitens des DSC oft betont: Durch eine langsame, aber beständige Weiterentwicklung, die dann (hoffentlich) die vorgepreschte Konkurrenz einholt und auf einem soliden Fundament gebaut mit dieser mithalten kann. Der Rundumbeobachter drückt alle Daumen.
Aus Edelholz mach‘ Edelmetall. Dazu später. Vielleicht.
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