Du wirst nie untergehn – Bochum gegen Arminia 2:1

Bochum gegen Arminia 2:1 – Rundumbeobachtungen von Jan-Hendrik Grotevent

Bochum, Bochum…da fahren wir immer hin, wenn Bochum gegen Arminia spielt. Pflichttermin, aber keiner weiß, warum. Schon gar nicht nach der Performance der schwarzweißblauen Viertelgötter in den letzten Wochen. Aber da ist ja dieses „Nie untergehn“, das trotz allem irgendwo in uns vor sich hin flackert. Ironische Zusatzinfo: Das hier ist heute genau fünf Jahre her:

Also hin da und nie untergehen. Mit einem verspäteten und kuschlig-lustig vollen Regionalexpress. Der ist in Dortmund laut Aussage des Kutschers zu schwer, in Ahlen noch nicht. Einfach zu erklären: Wir haben uns in der Zwischenzeit die mitgeführten Flüssigkeiten zu Gemüte geführt. „Was willst Du trinken?“ – „Rharbarberschorle“. – „[entgeisterter Blick] Rabababa…ich hab Bier…“.

Bochum gegen Arminia

Weg zum Stadion, Castroper, Planetarium, fantrennender Polizeikessel vorweg, Bochumer und Bielefelder, die fröhlich miteinander frotzeln, dahinter, Ihr kennt das. 2.500+ Arminen vor Ort. „Du wirst nie untergehn“ singen wir die ersten Minuten durch. Ein zeitloses Mantra,…

…das angesichts des Spielverlaufs auch nötig ist. Während wir auf den Rängen nicht untergehn, heißt es auf dem Grün Tego gegen den Rest von Bochum. Sein Gegenüber Riemann ist gefühlt der einzige VfLer, der nicht auf die Kiste schießt. Selbst am 1:0 durch Polter ist Tego noch dran.

Wie ist das ostwestfälische Befinden so im Ruhrstadion? Block-Party überall. Oben feiern und feuern die Gästeblöcke. „Du wirst nie untergehen“, „D! S! C!“ und natürlich das Gänsehaut-“Immer dabei“. Unten blocken die Bochumer alle Schüsse ab. Es sei denn, Riemann verdödelt einen Ball und dieser könnte aufs Tor geschossen werden. Das wird dann in irgendeine andere Dimension gepasst. Meeeeine Fresse…

Der VfL Bochum hat durch starke Kollektivleistungen den Klassenerhalt eingefahren und damit genau das gemacht, was Arminia immer verkündete, aber nur punktuell umsetzte. Klar wird allerdings, dass auch die Gastgeber nur mit Wasser kochen. Also…mir wurde das klar. Den Leuten neben, hinter und vor mir auch. Dem Rest von Block Irgendwas-mit-E auch.

Den Stürmern in dem roten Hemd jedoch…lasst es mich allegorisch beschreiben mit einer Frage gestellt im Sonderzug zurück nach Bielefeld: „Wo ist die richtige Richtung“. Diese Frage stellt sich das balltretende DSC-Personal ebenfalls. Und sie ist genauso dämlich wie die Frage im Zug.

Wie ist das ostwestfälische Befinden so im Ruhrstadion? Komplizierte-Wege-Party überall. Klar kann man im ZickZack-Kurs über die Bestuhlung klettern, aber „Darf ich mal vorbei?“ ist halt einfacher. Klar kann man eine der vielen Überzahl-Situationen in des Gegners Hälfte ausspielen oder mal einen auf die Kiste fackeln. Aber die Verantwortung per Quer- oder Rückpass weitergeben ist halt einfacher. Wir sind eben alle Ostwestfalen. Stur, hartnäckig, kämpferisch und nie um überflüssige Schritte verlegen.

Freistoß Arminia. Castro tritt ihn laaang auf den laaaaangen Pfosten und ZACK! HIJAAAAA! JOCKEEEEEE! Ein Tor nach einem Standard! Nochmal in Caps: EIN TOR NACH EINEM STANDARD! EIN WUUUUUUUUUUUUNDER!!!1!!!! Am 33. Spieltag! Hat ja doch was gebracht, den Gruev zu kegeln! Das „Wunder von Bielefeld“ wurde ja ab und an in den Mund genommen in letzter Zeit, allerdings ohne das inhaltlich zu präzisieren. Frank Kramer hätte sich mit sich selbst auf dieses Standard-Tor geeinigt.

Halbzeit. In Bochum hängt immer die unausgesprochene Warnung vor der Tagesform der Gästeblock-Wurstgriller in der Luft. Doch es gilt auch: Augen auf beim Brezelkauf! Irgendeine Stimme trällert fröhlich was von „Wenn es an der Kasse schnell gehen soll…bargeldlos zahlen“ durch die Lautsprecher.

Was sich ins Gegenteil verkehrt, wenn die Lesegeräte ausfallen. So was Blödes, das ist ja fast so chaotisch wie in…äääh…ja. Jedenfalls isst der Rundumbeobachter die erste Bochumer Brezel des Tages, laut Brezelfachverkäuferin. Ah, quel honneur! Das werde ich mir einrahmen und an die Wand hängen.

So, nach dem Ausgleich geht doch jetzt mal ein Ruck durch die Truppe, oder? Durch die Gästeblöcke geht kein Ruck, unser Support war schon auf Anschlag und bleibt es auch. „Wenn Du spielst, ist es wunderbar“, lautet ein Chant. „Ey, die eiern nur rum!“, lautet ein Statement. Das stimmt alles. Bis auf den Teil mit „wunderbar“. Wie schon in den letzten Wochen bleibt das Scharfstellen aus, stattdessen stehen sich Köpfe, Verträge, Stimmungen und Füße unserer Blauen gegenseitig im Weg rum.

Etwa in der 65. Minute hat Jocke Nilsson einen Distanzschuss auf Riemanns Kasten und das bezeichnend. Einen Innenverteidiger lässt nach der Hälfte des zweiten Durchgangs den ersten Torschuss ab. Nilsson schießt uns doch noch zum Klassenerhalt? Das wäre realistischer als „Die ganze Mannschaft bäumt sich auf“. Die spielen so wie die Kids, die wir im Kindergarten immer wegen „Angst vorm Ball“ ausgelacht haben.

Es wird offensiv gewechselt, lalalalalaaaa…Burak Ince fällt positiv auf. Ich habe die Hoffnung in Janni Serra nicht aufgegeben (in der zweiten Liga hat der ja alles reingeflammt, was kam), aber heute spielt er so, wie Omma damals in ein Schwimmbecken geklettert ist (Fußspitze eintauchen- „uh..haaa…kaaalt“-Fußspitze schnell wieder raus- zwei Fußspitzen rein – „uh..haaa…kaaalt“ usw.). Bellos Eigentor habe ich nicht gesehen, eine gnädige Fahne war davor. 1:2 bei einem keineswegs übermächtigen VfL Bochum verloren. Ja, was denn sonst?

Deutscher Sportclub Allez

Du wirst nie untergehn

Scheißegal, was passiert

Wir sind immer bei Dir

Stimmt. Wir. Wir sorgen dafür, dass Arminia nie untergeht. Wir sind immer bei ihr. Das gilt nicht für das kickende Personal, aber das kann immerhin beim „Scheißegal, was passiert“ mit einstimmen. Ich möchte keinem etwas unterstellen, aber die Blauen hatten genug Gelegenheit, mich vom Gegenteil zu überzeugen. Und das hat bis auf Tego und seinen Torwarttrainer (der am wenigsten dafür kann) niemand getan. Sicherlich gibt es tiefere Gründe, aber in die steigen wir ein, wenn die Saison vorbei ist. Ich habe für den Moment den Kaffee alle. Bitte verabschiedet Klos wenigstens anständig.

Das Wort des Tages ist „Zynismus“. Hilft, Probiert es aus. Siehe oben.

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Rundumbeobachters neues Buch

Nachsatz: Der folgende Twitter-Thread gibt die Geschehnisse am Bochumer Hauptbahnhof EXAKT so wieder, wie ich sie auch erlebt habe- ich stand ebenfalls einen Meter vor dem Eingang. Ergänzen möchte ich, dass wir durch ein etwa fünf Meter breites Nadelöhr den Bahnhof betreten haben bzw. sollten, was auch ohne Polizeiabsperrung riskant gewesen wäre.

Außerdem haben, als der Druck von hinten kam, die Polizisten zunächst versucht, uns ziemlich rabiat zurückzudrängen. Als schließlich die erste Gruppe in den Bereich hinter der Tür fiel und am Boden lag, war es nicht die Polizei, die die Nachströmenden zurückzuhalten versuchte, sondern wir Fans, die gerufen haben „Zurück, hier liegen Leute!“ und das auch schafften. Die Polizei hat zugesehen.

Darüber hinaus habe ich noch Pfefferspraywolken wahrgenommen, Beamte, die mit Knüppeln auf den aufgestellten Bauzaun eindroschen und einen SKB, der sich über den noch nicht abfahrbereiten Sonderzug aufregte. Bitte meldet Eure Eindrücke beim Fanprojekt Bielefeld. Mir ist nichts passiert, scheint aber nicht allen so gegangen zu sein.

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