Gütersloh II gegen Arminia 1:4 – Wege gegangen

Gütersloh II gegen Arminia 1:4 – Rundumbeobachtungen von Jan-Hendrik Grotevent

Hallo und herzlich Willkommen zu den Rundumbeobachtungen vom Spiel der zweiten Mannschaft des FSV Gütersloh 2009 gegen die erste Frauenmannschaft von Arminia Bielefeld. Ich habe es schonmal erzählt: Zwischen Bahnhof Rheda und Tönnies- Arena hat die Mobilitätsplanung des autofreien Rundumbeobachters einen 40- Minuten- Fußmarrsch gesetzt. Am Sonntag Morgen. Um halb zehn. Ich bin müde. Ich muss da jetzt lang. Und Ihr müsst da jetzt durch.

Gütersloh II gegen Arminia

Hat man die bahnhofsnahen Gewerbehallen passiert, kommt man an der St.Clemens- Kirche vorbei. Hier das besondere Touristenfoto: Das Gotteshaus von hinten.

Dann da lang…

…über den Wasserlauf, der übrigens kein geringerer ist als die Ems. Irgendwo da hinten ist die Nordsee!

…hier lang…

…und hier… oh, guckt mal. Kirschblüten.

Nicht verirren. Wir wollen nicht nach Wiedenbrück, wir wollen in „Alle Richtungen“ (gebt das mal in ein Navi ein)…

…oooh, nochmal Kirschblüten…

…da lang…

…und hier…

Rundumbeobachters Life Heckmeck: Wenn Du sackweise Tulpenzwiebeln hast und nicht weißt, wohin damit: Mach‘ mitten im Nichts ein Tulpenbeet zum Selberpflücken auf. Oder schnibbel‘ sie aufs Mettbrötchen. Zwiebeln sind Zwiebeln.

Immerhin fällt einem dabei ein, dass „lange Wege gehen“ und „Blumen Pflücken“ als Fußball- Metaphern durchgehen können und kommt so an Überschrift und Teaser für den Text. Und wenn man diese romantische Weltkulturerbe- Ecke hier passiert hat…

…ist man fast da.

Geschafft! Auf dass die Blauinnen lange Wege gehen und ordentlich Blumen pflücken.

Na ja, zunächst machen das die Gastgeberinnen. Schöner Seitenwechsel des FSV auf rechts. Die Spielerin nimmt Maß und haut den Ball aus 20 Metern in den Knick. Keine Chance für Tor-Lisa. Wenn man ChatGPT spaßeshalber fragt, was eine schöne Blumenmetapher für ein Traumtor ist, kommt das dabei raus: „Das Traumtor blühte wie eine seltene Orchidee im Garten des Spiels, strahlend und unerwartet, ein Moment der Vollkommenheit, der die Herzen der Zuschauer zum Erblühen brachte.“ Falls irgendwer noch Argumente gegen KI braucht… gern geschehen.

Als ob mein Herz erblüht, wenn die Blauinnen in Rückstand geraten. Und das auch bleiben. Zwar bemüht sich Arminia, kommt aber nicht Richtung Gütersloher Tor durch. Dafür gibt’s die nächste Orchidee vom FSV, die diesmal knapp am Tor vorbei streicht. Charakterisierend für die Zwote des FSV Gütersloh sind übrigens die ganz unorchideenhaft olivgrünbraunschmutzigen Spielbälle, die so aussehen, als wären sie schon beim letzten Aufeinandertreffen in Verwendung gewesen und hätten im Freien überwintert.

Wie heißt es so schön, ohne Metapher und ChatGPT- Gegen Mitte der ersten Hälfte neutralisieren sich beide Mannschaften gegenseitig. Viel Klein- Klein- Gepasse bei den Blauinnen mit Raumgewinnen im Millimeter- Bereich. Der FSV steht hinten gut, stellt alles an Laufwegen zu, geht teilweise zu viert auf eine ballführende Arminia- Spielerin und ist an Raumgewinnen nur bedingt interessiert.

Erst kurz vor der Pause haben die Blauinnen die erste richtige Torchance: Tolcke Rikmitt geht in den Strafraum, legt zurück auf Jocy Hampel, die am Tor vorbei zielt.

Tjaaaaa… und wie es in vielen Spielen der Blauinnen schon war, etwa hier oder hier oder auch mal gegen Gütersloh, ein Doppelschlag bringt die Mädels in der Nachspielzeit der ersten Hälfte auf die Siegerstraße. Und wie es in diesem Spiel der Blauinnen ist und sein musste, holt sich Kommissar Zufall zwei Scorerpunkte. Erst landet ein abgefälschter Schuss im Fünfmeterraum der Gütersloherinnen, Anna Czekalla schaltet am schnellsten und schiebt ein…

1:1! Dann feuert Griddy „Hat auch diesmal wieder die Spitznamen geliefert“ Spritbender aus 30 Metern irgendwas zwischen Torschuss und scharfem Pass Richtung Weltkulturerbe- Ecke und der Ball saust ohne Freund- oder Feindberührung ins Netz. 2:1 zur Pause für die Blauinnen!

Halbzeit. Ostwestfälischer Problemlösungsprozess am Sonntag kurz vor zwölf: Kaffee holen… Wo jetzt… Oh, da gibt es eine Schlange, ach sooo, anstellen,… Selbstbedienung?… Wo jetzt… nochmal… Wo jetzt… Keine Selbstbedienung?… ach sooo, nur Milch und Zucker… Kaffee verschlabbern, Jacke versaut.

Heute gibt es ein Wiedersehen mit Lena und Lea. Was sich im ersten Eindruck so anhört wie ein Pferdemädchen- Comic sind zwei verdiente Ex- Blauinnen. Lena Meynert ist Pokalheldin

…und Lea Bartling hat mal im Alleingang den Monte Bressero erobert.

Arminia spielt in Hälfte zwei mit deutlich mehr Schwung und findet auch ein paar Lücken. Die gefährlichsten Szenen kommen aber aus der Distanz. Zoffia Thiemann will die gleiche Orchidee pflücken wie in Aachen, trifft aber nicht aus der Ferne. Harry Leuchte versucht es auch, zielt aber ebenfalls vorbei.

Um die am Tulpenfeld erarbeitete Überschrift zur Geltung zu bringen: Die Blauinnen gehen lange Wege, konditionell sind sie ihren Gegnerinnen deutlich voraus und mittlerweile das dominante Team. Und in der 71. Minute biegt der lange Weg auf die Siegerstraße ein. Schönes Anspiel auf Joseph Hampel, die von links in den Strafraum geht und ins lange Eck vollstreckt. Jocys zehnter Saisontreffer!

Das befreit! Die Blauinnen spielen die Partie mit sehr viel Rückenwind zu Ende. Der letzte Treffer des Tages ist gleichwohl krüppelig wie freudig. Ein Schuss auf das rechte Toreck, die Gütersloher Torfrau kann den Ball nicht festhalten, sehr zur Freude von Pia Schmidt, die den Ball aufnimmt und ins Tor bugsiert. Die ganze Saison immer lange Wege gegangen, immer alles gegeben und sich jetzt endlich die erste Blume geschenkt- Die Blauinnen freuen sich mit „ihrer Pya“.

Auswärtssieg, für die, die wollen, Derbysieg!

Mehr Fotos zum Spiel

Für zeitloses Lesevergnügen ist die „Fußballfibel DSC Arminia Bielefeld“ empfohlen. Da stehen viele Lagerfeuergeschichten drin, auch über die Blauinnen. Die Fibel gibt es bei Thalia. Oder bei amazon. Oder im Fanladen. „90 Minuten Arminia“ habt Ihr schon…?

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