Hertha BSC gegen Arminia 1:1 – Daheimgebliebene Rundumbeobachtungen von Jan-Hendrik Grotevent
Es war gefühlt im Winter 2023 so, es war gefühlt im Winter 2024 so, es ist definitiv im Winter 2025 so: Kaum steht die dunkle Jahreszeit an, verlernt Arminia das Toreschießen, der Gegner knipst die Blauen mit einem gelungenen Angriff und/oder einem ausgenutzten Abwehrfehler aus und bucht den Dreier auf sein Punktekonto. Gerade die Spiele, die vom Verlauf auf der Kippe stehen, gehen so verloren.
Und die Rückkehr ins Olympiastadion zum Gastspiel bei der alten Dame Hertha reihte sich vom Drehbuch her auch exakt in die Filmreihe des schwarzweißblauen Herbsts 2025 ein: Arminia spielt konzentriert, der Gegner kommt nicht zur Entfaltung, die Blauen selbst aber auch nicht. Die dann nötige Effektivität ist irgendwo im Sommer geblieben und die Torchancen (eigentlich nur eine durch Bazee plusminus zwei, drei halbe) enden nicht im Torjubel.
Dann lädt ein Abspielfehler den Gegner zum Führungstreffer ein und das Spiel in Berlin macht alle Anstalten, in Richtung des aus irgendwelchen Gründen selbst ernannten Big City Clubs zu kippen.

Die Herausforderung bei kippligen Spielen ist, nach einem Rückstand eigene Torgefährlichkeit nicht nur zu entwickeln, sondern entwickeln zu müssen, um eben nicht mit leeren Händen nach Hause zu fahren. Die Nachbarschaftsduelle gegen Münster und in Bochum sind da sehr junge und sehr eklige schlechte Beispiele.
Nun kann man Arminia nicht absprechen, keine Einstellung und keine Motal zu haben – dass galt in den letzten Wochen und galt auch in Berlin (und übrigens galt es auch am Jahresende 2024, als man erst gegen Haching und dann in Mannheim nach Rückständen noch punktete). Stefano Russo mit einem Zauberschuss in der letzten Aktion des Spiels nachdem Kersken aus dem Mittelfeld flankte – das Drehbuch hätte selbst Disney als zu kitschig abgelehnt.

Und so bleibt unterm Strich ein verdienter Punkt in Berlin und die Erkenntnis, dass nach dem Heimspiel gegen Kaiserslautern das nächste enge Spiel nicht in Richtung des Gegners gekippt ist. Natürlich bleibt die bohrende Frage, ob lange Laufwege, Kampfmoral und das Hoffen auf Zauberschüsse in Minute 90 plus 6 eine gute Grundlage für die Punktejagd in der Rückrunde sind- darauf wird Arminia Antworten finden müssen, sollen nicht nur die Spiele sondern auch am Ende die ganze Saison nicht zur falschen Seite kippen.
Da der Rundumbeobachter nun aber endgültig in Feierlaune ist, empfiehlt er, das Spiel in Berlin symbolisch zu sehen: Was auf der Kippe steht, geht am Ende gut aus. Und falls sich jemand damit nicht für die nächsten vier Wochen zufrieden geben kann: Der nächste Frühling kommt bestimmt!

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