Relegation 2023 – Wie lang stirbt Hoffnung eigentlich!? (II)

Arminia in der Relegation gegen Wehen Wiesbaden – Ein Ausblick von Jan-Hendrik Grotevent

Relegation, zum vierten Mal in der 118jährigen Vereinsgeschichte des DSC Arminia Bielefeld. Um es diplomatisch zu formulieren: Die Vorzeichen könnten besser sein.

Zahlen undsoweiter

Arminias Relegationsgeschichte lassen wir außen vor, die kennen wir alle. Von Unterschätzen (Saarbrücken) über dämlich (1860 München) bis maximal dämlich (Darmstadt) haben die Blauen jedes Schmerzregister gezogen. Das besagt aber nichts über die anstehenden Spiele. Aus dem aktuellen DSC-Kader hat nur Klos eine Relegation erlebt und der dürfte drüber weg sein.

Relegation

Unser Gegner ist der SV Wehen Wiesbaden, der am Pfingstwochenende zwei Minuten kürzer direkt aufgestiegen war als der HSV. Wenn Arminen an Wehen Wiesbaden denken, fällt ihnen zweierlei ein. Erstens Rüdiger Rehm, zweitens das hier:

Tatsächlich ist die gemeinsame Geschichte der beiden Relegationsgegner noch nicht lang. Keine zwölf Jahre ist es her, dass beide Teams zum ersten Mal aufeinander trafen. Das letzte Spiel gewann Arminia mit 1:0 am 1.März 2020 durch einen Gewaltkopfball von Klos, es war das letzte Heimspiel vor dem Corona-Lockdown. Die Bilanz der Blauen gegen die Hessen kann sich sehen lassen: Achtmal trafen beide aufeinander. Viermal ging Arminia als Sieger vom Platz, lediglich einmal konnte Wehen Wiesbaden gewinnen. Nimmt man die bisher ausgetragenen Hin-und Rückspiele als Maßstab, hätte der DSC zweimal die Relegation gewonnen, einmal Wehen, eine wäre in die Verlängerung gegangen (zweimal 1:1 in der Gänsehautsaison 2014/2015).

Relegation

Auch das ist hinsichtlich der anstehenden Spiele belanglos. Bei den Blauen etwa spielten beim Gewaltkopfballtorsieg noch Clauss und Schipplock in unseren Reihen. Am Freitag steht eine andere Arminia auf dem Platz. Und ebenso ein anderer SV Wehen Wiesbaden. Ich jedenfalls weiß den Gegner nicht einzuschätzen. Fest steht nur, dass man nicht im Vorbeigehen den vierten Platz in der Dritten Liga macht…

Das Magdeburg-Spiel

…und dass es nicht viel benötigt, um Arminia zu besiegen. Das Spiel in Magdeburg hatte, wenn überhaupt, nur den Vorteil, dass eventuell anwesende Wiesbadener Scouts nichts von dem sahen, was Arminia eigentlich oder vielleicht oder manchmal oder wenn die Sterne stimmen spielen kann.

Der Auftritt in Magdeburg hat alles Schlechte präsentiert, was die Blauen in dieser Saison auszeichnet. Jepp, die ganze lange Liste. Die bewegungsarme Defensive, fehlende Zuordnungen, ein kaum vorhandenes Offensivspiel, eine „Pffff…“-Einstellung zur Situation, eine Trägheit wie unsereins nach drei Tellern von Mutters Gulasch mit Vanilleeis zum Nachtisch (nur nicht so lecker).

Haben unsere Jungs an der Elbe Moral getankt für die Aufgabe Wehen? Offensichtliche Antwort.

Wie sollen, können, wollen die Blauen das schaffen?

Eine gute Frage, die schwer zu beantworten ist. Der Bezahl-TV-Mensch in Magdeburg (rhetorisch einer der Originelleren seiner Zunft) sagte irgendwann über die Stürmer in dem blauen Hemd: „Inhaltlich können sie es.“. Richtig. Das sagen wir schon die ganze Saison. Die verschiedensten Protagonisten, einschließlich der Stürmer in dem blauen Hemd selbst, haben in den vergangenen Monaten mehrfach auf die „inhaltlichen“ Fähigkeiten Arminias hingewiesen. Nur auf den Platz gebracht haben sie es in dieser Spielzeit kaum. Eigentlich ist es keine Frage, ob Arminia Wehen Wiesbaden schlagen kann. Aber eigentlich können sie auch Rostock, Regensburg und Sandhausen schlagen. Zonk!

Relegation

Man kann sich drüber ärgern, dass Jomaine Consbruch gesperrt ist. Man kann spekulieren, wo die Blauen mit einsatzfähigen Okugawas und Ramos‘ stünden. Ist aber müßig. Es ist nicht das Potenzial, was die Saison vergeigt hat, sondern der unangenehme Umstand, dass aus guten Einzelspielern so gut wie nie eine Mannschaft wurde. Und dass die Kapelle, die die Punkte einspielen sollte, so gut wie nie ein kollektives Selbstbewusstsein zeigte.

Relegation- Gefühlter Ausblick

Man mag es kollektives Selbstbewusstsein nennen, man mag es irgendwas mit „mental“ nennen, man mag es Einstellungssache nennen – bei mir persönlich jedenfalls hat es dazu geführt, dass ich jegliches Vertrauen in diesen Kader verloren habe. Potenzial, gut und schön, aber die Saison ist zu mies gelaufen, als dass ich noch auf das Potenzial setzen könnte.

Die Herausforderung in der Relegation wird aber genau das sein: Das Potenzial auf den Platz zu bringen. Jetzt, wenn es keinen nächsten Spieltag mehr gibt, jetzt, wenn man mit dem Rücken zur Wand steht, endlich mal zeigt, was in der Truppe steckt. Es ist wurscht, wie die Relegationen in der Vergangenheit gelaufen sind. Es ist wurscht, wie die Bilanz gegen Wehen Wiesbaden ist. Es geht gegen einen Gegner, den man nicht unterschätzen sollte und darf, die Moral der Mannschaft ist nach dem 0:4 in Magdeburg völlig unklar.

Wenn am Freitag in Wiesbaden angepfiffen wird, steht es 0:0. Und dann sind 180 starke, konzentrierte, kämpferische und spielerische Minuten notwendig. Vielleicht motiviert es die Spieler ja, das beste zu geben, weil sie endgültig keine andere Wahl und/oder Ausrede mehr haben (auch nicht das Zahlen der Tickets in Wiesbaden!). Wir Fans können nur das beste hoffen, weil wir sowieso keine andere Wahl haben.

Relegation

An uns wird es sowieso nicht scheitern. In einer Woche wissen wir, ob und wie lange die Hoffnung stirbt.

Relegation ist auch ein Thema in der „Fußballfibel DSC Arminia Bielefeld“. Muss ja. Und die anstehende Reli reicht sich hoffentlich ein in die positiven Lagerfeuergeschichten. Das Buch gibt es bei Thalia. Oder bei amazon. Oder im Fanladen. „90 Minuten Arminia“ habt Ihr schon…?

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