SGS Essen II gegen Arminia 1:2 – Click Click Tick. Tack. BUMM! *Gong*

SGS Essen II gegen Arminia 1:2 – Rundumbeobachtungen von Jan-Hendrik Grotevent

Laotse ist ein altchinesischer Philosoph, der ausgesehen hat wie Gandalf, der den Daoismus begründet haben soll, der nichts mit den folgenden Ausführungen zum Spiel SGS Essen II gegen Arminia zu tun hat, aber dessen Zitat man dazu aus dem Zusammenhang reißen kann: „Nur, wer sein Ziel kennt, findet den Weg.“ *Gong*

SGS Essen II gegen Arminia - Bus ist da

Die Ardelshütte in Essen-Schönebeck ist das Ziel des Rundumbeobachters und der Weg war einfach zu finden für die mobiel-App. ICE, S-Bahn, Bus. Außerdem war ich da schonmal. Damals im Januar 2017 hatten die Blauinnen dort ein Testspiel gegen die erste Mannschaft der SGS Essen und erhielten eine Lektion in „Klassenunterschied“ gegen den Bundesligisten. Heute, im Regionalliga-Alltag, ist es die U20 der SGS. Andere Mannschaft, selber Kunstrasenplatz.

Arminia auswärts

Halbzeit. Und Ortsbeschreibung. Auf dem Rasenplatz spielt die dritte Mannschaft der SGS und gewinnt 5:2. Die von außen recht vielversprechende Kneipe hat zu. Wurst gibt es keine, dafür Kaffee und ein Mars. Nach dem Spiel stellt der hungrige Rundumbeobachter fest: Auch der unweit der Sportanlage gelegene und sehr zu empfehlende griechische Grill hat zu. Hrmpf. Dafür kann man Fotos machen, die so aussehen, als wäre der Kunstrasenplatz ein Knast-Innenhof. Guckt mal, sieht doch aus wie „Die DSC-Frauen auf Freigang“, oder? Höhöhö…

Die Schönebecker U20 ist mit 18 Punkten Tabellenführer der Regionalliga. Die Blauinnen haben acht Punkte, davon die letzten sieben in den letzten drei Spielen geholt. Die Mädels sind im Aufwind. Nur, wer sein Ziel kennt, findet den Weg. Ziele werden beim Fußball in der Regel nicht so präzise formuliert wie in der mobiel-App, und so sagte unser Cheftrainer Tom Rerucha vor der Partie: „Wenn wir dort gewinnen, könnte es uns das einen Schub geben und wir würden das obere Drittel angreifen.“. Na dann mal tapfer auf den Weg.

Alle Arminen dieser Tage wissen: Unabhängig vom Ziel stehen und fallen die Wege mit der richtigen Traineransprache. Und da präsentiert der Coach der Gastgeberinnen eine komplett eigene Terminologie. Sein liebstes Idiom ist „Click! Click!“. Der Zusammenhang ist nicht unbedingt offensichtlich, da sowohl lange Bälle als auch kurze Pässe als „Click! Click!“ gelten. Zweitliebstes Idiom: „Tick! Tick!“, dessen Bedeutung in Folge völlig unklar ist. Toms Ansprachen dem gegenüber: „Ausschwärmen!“. Und das ist um einiges schneidiger. Da schwingt ein „Ran an den Feind!“ mit, zumindest aber ein „Das Gewehr über!“.

Die Schönebeckerinnen clicken und ticken. Die Blauinnen stehen sicher und konzentriert. Sie lauern auf freie Räume. Und nach einer guten Viertelstunde lösen sich Click! Click! und Tick! Tick! und Ausschwärmen in der Führung der Blauinnen auf. Eleonora Ejupi wird im Strafraum sehenswert freigespielt und vollstreckt. Frei nach Will Smith: Tick! Tick! Tick! Tick! BUMM!

Jupi ist heute die auffälligste Spielerin. Überall zu finden. Rennt sich vier Lungen aus dem Leib. Fängt Angriffe ab und leitet Angriffe ein. Auch Torsteherin Lisa Venrath ist zu erwähnen, die die Kiste zumauert und kurz vor der Halbzeit im Eins-gegen-Eins die Führung rettet. ClickClick brüllt „Eins zu Eins!“. Nee, Null zu Eins. Bätsch! Fleißsternchen außerdem für Giustina Ronzetti, die immer für Entlastung sorgt, als die SGS mehr und mehr das Kommando übernimmt und Mara Lotta Finger, die im zentralen Mittelfeld für zwei kämpft.

Aber eigentlich hat die ganze Truppe ein Lob verdient. Immer konzentriert, immer kompakt. Sicher in der Defensive und clever nach vorne. Irgendwann entdecken sie, dass die Essener Torfrau etwas kürzer geraten ist – also nagelt Jocelyn Hampel den Ball knapp unter das Gestänge zum 0:2. Das bringt ClickClick total in Rage, hat er doch vorher einen falschen Einwurf gesehen. Vor dem 0:1 war übrigens auch was an der Leistung des SchiRis falsch. Und irgendwie auch an der Leistung des eigenen Teams, was er seinen Damen zwischendrin auch deutlich mitteilt. Nun denn. Das 1:2 erzielen sie kurz nach Hampels Tor. Und Tom teilt sich unseren Mädels auch mit. Mit einem Dankeschön.

Ronzetti haut noch einen an der kurzen Torhüterin vorbei ans Gestänge. Die Schlussphase dominieren die Schönebeckerinnen, wir kommen also nicht um die obligatorische schwarzweißblaue Schnappatmung herum. Lustig an der SchiRi-Schelte von ClickClick: Der SchiRi heißt Tack. ClickClick: TickTick, Tack? Tack: TickTick BUMM! Arminia: Taktik. Die geht auf. Auswärtssieg beim Spitzenreiter!

Das Ziel „Drei Punkte“ erreicht. Mit einem taktisch, kämpferisch, mental und auch spielerisch überzeugenden Weg. Jede Menge Zeilen, nicht zuletzt vom Rundumbeobachter, sind über das Talent in Arminias Kader geschrieben worden und die Frage, wann sich das nach dem Abstieg und der nahezu kompletten Neuformierung der Mannschaft finden würde. Nach zehn Punkten aus vier Spielen kann man wohl „Jetzt!“ sagen. „ Jetzt ruckelt sich der Kader ein“, sagt Tom. Laotse sagt aus dem Zusammenhang gerissen: „Die Wiederkehr ist der Weg des Sinns.“ *Gong*

Das Wort des Tages ist: „Rekapitulieren“. Rekapitulieren ist eine Lern- bzw. Trainingsmethode, bei der bestimmte Inhalte oder Ziele oder Wege (*Gong*) immer wiederholt werden, bis sie sitzen. Tom berichtet kurz nach Ejupis Führungstor: „Das haben wir lang genug trainiert. Ich habe gesagt, wir bleiben so lange da, bis Jupi das Tor trifft. Glaubt mir, das Flutlicht war an…“. Hier sind die Mädels wie schon so oft beispielhaft für die gesamte Arminia. Frank Kramer könnte das bei den Herren der schwarzweißblauen Schöpfung aufgreifen: „Wir bleiben so lange da, bis [füge hier beliebigen Namen ein] das Tor trifft.“ Funktioniert ja, wie man sieht.

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