Zahlenspiele – 10 Statistiken zur Stadionauslastung, Ticketpreisen und Klingonen

Winterpause 2012/2013, Weihnachten 2012, zwischen den Jahren Ende Dezember. Da hatte das Hirn freie Kapazitäten und fabrizierte mit den Zahlenspielen einen meiner bis heute liebsten Texte. Die hier aufgeführten Statistiken basieren übrigens alle auf realen Werten-könnt Ihr nachprüfen. Sie sind auf dem Stand von 2012. Und – liebe Lesende des Jahres 2022 – seht mir den Part mit den Ansteckungen nach. Im Dezember 2012 konnte ich nicht ahnen, wie ernst das Thema „Ansteckung“ zehn Jahre später ist.

10 Statistik-Wahrheiten über Fußballfans

statistik

1.) Wäre Deutschland ein Stadion, gäbe es keinen demographischen Wandel

In der Saison 2011/2012 besuchten 18.981.617 Zuschauer die 712 Spiele der Deutschen Fußballliga, macht im Schnitt 26.660 Zuschauer pro Spiel. Seit 2002 (Schnitt: 18.801 Zuschauer pro Spiel) verzeichnete die Stadionbevölkerung ein Wachstum von 41,8 %. Wäre Deutschland ein Stadion, die Renten wären mal sowas von sicher…

2.) Wäre Deutschland ein Stadion, hätten wir bald ein Überbevölkerungsproblem

Statistisch gesehen war das Dreisamstadion in Freiburg schon in der Saison 2008/2009 überlastet. In der Saison 2018/2019 wäre die Leverkusener BayArena, in der Saison 2057/2058 die Arena Auf Schalke mit den Kapazitäten am Ende. Im Moment profitieren wir von Überkapazitäten – Im Dortmunder Westfalenstadion können aktuell drei Bundesligaspiele stattfinden- gleichzeitig! In der Saison 2081/2082 wäre aber auch die schwarzgelbe Kapazität erschöpft. Dann stehen wir aber da…

3.) Das Stadion als statistischer Spiegel der Gesellschaft

Von 26.660 Stadiongängern haben 169 Besucher einen Kita-Platz, 1.440 Besucher sind über 80 Jahre alt, 4 Besucher haben eine künstliche Niere und 264 Besucher sind Reinigungsfachkräfte.

4.) Im Stadion ist jeder 42,18. Zuschauer (potenziell) gewalttätig

Das errechnet sich so: Die aktuelle Jahresstatistik der ZIS schätzt die Zahl gewaltbereiter und –suchender Fans in 1. und 2.Liga auf insgesamt 11.373 Personen, umgerechnet sind das 16 Personen pro Spiel. „Gut!“, mögt Ihr jetzt denken, „wenn ich das nächste mal ins Stadion gehe, schaue ich mich um und zähle. Jedem 42,18. Zuschauer gehe ich aus dem Weg.“

5.) Wie man die Gewaltstatistik senkt

Laut ZIS sind 8.143 Strafverfahren in der Saison 2011/2012 eingeleitet worden. Statistisch gesehen ist es das beste Mittel gegen Gewalt, wenn an einem Spieltag mal komplett alle Zuschauer ausrasten. Dann gibt es 59 Jahre lang keine Strafverfahren mehr. Wie gesagt, statistisch gesehen.

6.) Wissenswertes zum Anreiseweg

Von den 26.660 Zuschauern kommen 22.187 Personen mit dem Auto, 3.457 Personen mit Bus und Bahn, 920 Fans mit überregionaler Bahn, 65 kommen mit Flugzeug, Hubschrauber und Fallschirm und 31 Leute via Gelegenheitsverkehr ins Stadion. Äääh… Gelegenheitsverkehr? Völlig klar: Raumschiff. Wenn Euch also Klingonen auf dem Block begegnen, seid froh, dass sie nicht zum Ordnungsdienst eingeteilt wurden.

(Übrigens: Wenn man das bisherige mal gegenrechnet, kommt man zu dem Ergebnis, das in jedem 2.067. Spiel des deutschen Profifußballs eine gewaltbereite klingonische Reinigungskraft im Stadion ist.)

7.) Die Preisobergrenze einer Eintrittskarte

Wir wissen alle: Das Stadion verbindet alle Bevölkerungsschichten. Damit verbindet es auch alle möglichen Privatvermögen. Berücksichtigt man die durchschnittlichen Ausgaben bundesdeutscher Haushalte für Freizeitvergnügen, kann man ohne weiteres 64 Euro für eine Eintrittskarte verlangen. Hoffentlich liest das hier kein Clubfunktionär… Zur allgemeinen Beruhigung: Die Preistendenz ist fallend. Berücksichtigt man die Zuschauerentwicklung (s. Punkt 2), heißt es in der Saison 2087/2088: Kein Zwanni für’n Steher. Schade nur, dass der Profifußball schon sechs Jahre zuvor wegen Überbevölkerung dichtgemacht hat.

8.) Das Freikarten-Verschenken-Potenzial

Keine Sorge, tatsächlich liegt der durchschnittliche Kartenpreis bei 32,64.- Euro. In jedem Spiel sind 269 Millionäre auf der Tribüne. Diese könnten mit ihrem Gesamtvermögen nicht weniger als 21.711.057 Personen ins Stadion einladen, das sind 45 ganze Spieltage. Also los, Ihr Maybachfahrer, werdet zu Robin Hoods der Fußballkultur! Die klingonische Reinigungskraft müsste 37.480 Jahre für die gleiche Anzahl Freikarten arbeiten, das nur am Rande.

9.) Das wahre Sicherheitsrisiko

Viel ist über Sicherheit gesprochen worden. Völlig übersehen wurde aber ein gewaltiges Risiko für die eigene Gesundheit: Die virale Rhinitis, auch bekannt als Rüsselpest oder allgemein: Schnupfen! 444 der 26.660 Stadionbesucher haben Schnupfen, zum Schlusspfiff haben sie 3.932 weitere Personen angesteckt. GEGEN ALLE NASIVINVERBOTE!

10.) Weitere Sicherheitsrisiken

In jedem Spiel landet ein Zuschauer unter einem zufällig auf den Block springenden Baum. In jedem 5. Spiel wird ein Zuschauer vom Blitz getroffen. In jeder 3. Saison bekommt eine Person was von einer gewaltbereiten klingonischen Putze auf die Omme geklopft.

Natürlich fehlt bei allen Punkten die Dunkelziffer. Bei der weiß keiner, wie hoch sie eigentlich ist. Man weiß nur: Sie ist erschreckend hoch.

Alle Jubiläumstexte im Wochenkalender.

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