Frühlingstabelle – Arminia gegen Nürnberg 1:0

Arminia gegen Nürnberg 2017/2018 – Rundumbeobachtungen von Jan-Hendrik Grotevent

Wer auf die Alm will, kommt an Peterchens Einfahrt nicht vorbei. Das ist nicht nur kulturelle, sondern auch verkehrstechnische Tatsache. Arminen kommen nicht vorbei, weil die Wegzehrung nicht bis zum Eingang reicht. Bei Arminia gegen Nürnberg kommen fränkische Gäste nicht vorbei, weil die Cops schon auf dem Kreisel aufmarschiert sind. Und Autos kommen nicht vorbei, weil die Straße voll ist. Warum es trotzdem einige Autofahrer versuchen, ist schwer nachzuvollziehen. Das übliche “Ich sitze hinterm Steuer, ich darf das!”? Autos, die an Peterchen vorbei wollen, sind immer ein Anlass für Spaß vor dem Spiel (“Spitzenidee, Kollege wuahahaha!”, “Nun fahr, die gehen schon zur Seite!”,…). Besonders lustig ist es, wenn aus beiden Richtungen Autos kommen. Zuschauen – Entspannen – Kichern.

Arminia gegen Nürnberg

Aber wir haben ja ein Spitzenteam zu Gast, also zur Sache. 18.542 Zuschauer, davon etwa 1.300 Nämbercher. Der Rahmen stimmt schon mal. Süd ist laut, Glubberer sind laut. Auf dem Rasen hat der FCN erstmal Ballbesitz. Quer. Quer. Wieder zurück quer. Block 3 fühlt sich an vergangene Zeiten (etwa ein Jahr) erinnert und fordert: “Und jetzt zurück auf Davarí.”. Dann kommt Arminia in Ballbesitz und…dasselbe nochmal von vorne. Diesmal mit Hesl, oder? An Torchancen ist das kickende Personal erstmal nicht interessiert. Die Partie ist so taktisch geprägt wie eine Seeschlacht im 19.Jahrhundert. Nur nicht die erste Breitseite abfeuern, man weiß ja nicht, was dann passiert.

Es dauert etwa 20 Minuten, bis sich die schwarzweißblauen Linienschiffe in Position bringen. Dass die Kirsche mittlerweile recht gepflegt durch die schwarzweißblauen Reihen läuft, ist nichts Neues. Dass der letzte Schuss, der letzte Pass fehlt, aber auch nicht. Und der FCN steht gut und klärt gut – jede Defensivaktion landet beim eigenen Mann. Block 3 grübelt über den Namen des Glubb-Pfostenstehers. “Wie heißt der, kann das wer erkennen?” – “…24.”. Bredlow heißt er, und es ist in der Tat schwer zu erkennen. Sein Trikot hat eine Farbe, die man der UNO melden müsste – irgendwie aus Orange und Pink zusammengerührt. Und wäre beim Glubb nicht Zrelak auf dem Platz, Bredlow hätte gute Chancen auf den Titel “furchtbarste Gästefrisur” gehabt.

Eben dieser Zrelak, Ersatz für den verletzten Nürnberger Topstürmer Ishak, nickt dann kurz drauf an Ortegas Kiste vorbei. Schreckmoment auf Block 3, der sich ungefähr so anhört: “Ouhuhufff…”. So ein Ding, das wohl hätte müssen, aber alle sind dankbar, das es nicht gemusst hat. Ein bisschen so, als müsste man sich einen verdorbenen Magen vorstellen.

Nettes Spiel ist es jetzt. Der Ball ist viel unterwegs, wohin weiß er nicht genau. Zeit für das Almpublikum, sich mal wieder eine Runde mit dem SchiRi zu befassen. Andreas “Ich hab Muskeln, Rest ergibt sich” Voglsammer ist nicht dafür bekannt, wie ein Schwan zu sterben. Erst recht nicht, wenn er freie Bahn in Richtung Kiste hat. Sieht der Referee anders und zieht sich damit den Unmut der auf der Süd versammelten Regelexperten zu. Zum einzigen Mal am heutigen Abend, insgesamt war es eine ordentliche SchiRi-Leistung. Kerschi köpft…Drübba! Mist! “Wawlsasslallall!”, ertönt von hinten, was so viel heißt wie: “Drübba! Mist!”.

Halbzeit. Weiterer Beitrag zum Thema Kommunikation an den alminternen Versorgungseinrichtungen. Heute: Die reduzierte Kommunikation. Das bedeutet: Mit wenigen Worten viel sagen und auch verstehen. Unserem Klischee zufolge haben wir Ostwestfalen die reduzierte Kommunikation total gut drauf. Und der heutige Besuch an der mittleren Saufbude unter der Süd zeigt: Dat stimmt. “[von hinten] Ey, Kalle!” – “[vorne im Gewühl] Jou.” – “Machste?” – “Jou. [Kommt mit drei Bier, zwei Wasser, einer Cola und einer Apfelschorle nach hinten]”. Genial!

Kann sich noch einer an die elende Kälte beim letzten Spiel erinnern? Nö, warum auch. Es sind Frühlingstemperaturen und entsprechend gibt es Frühlingssupport. Block 1 stimmt mal an, Block J stimmt mal an, und wenn direkt dazwischen steht, kann man sich aussuchen, wo man mitsingt. “Deutscher Sportcluuuuub, Allez Allez Allez Alleeeez!” halten viele lange durch. (Obwohl ich regelmäßig den Einsatz zu “Deutscher” verpasse…möh…).

Die aufm Feld sind auch frühlingsmäßig unterwegs, Chancen gibt es kaum, dafür rasseln die Aktiven in schöner Regelmäßigkeit mit den Köpfen gegeneinander. Da ist es schade, dass Gerrit Meinke nicht mehr im Club ist – der hätte früher den halben Nürnberger Kader auf die Bank gerasselt, der Blechkopp, der…STAUDE! WAAAAAH! Dicke Chance. Behrendt am Ball, prescht durch, der is sauer – WUMM! – Glanzparade von ZweitschlimmsterNürnbergFrise. Block 3 Standard: “Das wärs gewesen”.

Jetzt Nürnberg, die übernehmen ein bisschen das Kommando. Jaja, geduldig abwarten, dann zuschlagen, im Stile einer Spitzenmannschaft und so, ich sehe, was Ihr da vorhabt! Arminias Abwehr fußballgottseidank auch. Arminias Torwart muss nicht ernsthaft eingreifen. Der heißt übrigens nicht “24”, das war früher mal. Aber das Gelb seines Trikots kann man gleich mit bei der UNO verpetzen. Und für Arminia-Scheitel braucht es eh einen Extra-Text. Egal, jetzt kommt die Schlussphase.

Und die Blauen drehen auf. Dass Arminia immer für ein Tor gut ist (dazu in Kürze an anderer Stelle mehr), auch und vor allem in der Schlussphase, ist in den Köpfen der Zuschauer. Hab’s lange nicht mehr erlebt, dass eine Schlussphase so dermaßen vorangebrüllt wurde. Ecken gibt’s, schnelles Spiel gibt’s. Dann kommt Hartherz an den Ball, haut dat Dingen nach innen, Fabi ist clever und köpft zurück, der Kerschi kommt angerast und…

…Torjubel mit zerbrechender Stimme und blauen Flecken. Die emotionale Detonation ist kaum zu beschreiben. Während ich hier auf meine Tastatur einhacke, läuft im Hintergrund Quarks & Co. Ranga Yogeshwar erzählt was von Wellen im Universum, mit denen man den Urknall nachweisen kann. Es gab einen Physik-Nobelpreis für deren Entdeckung. Nun, wer am Freitag in dieser 90.Minute auf Block 3 und Umgebung war, weiß, was Urknallwellen sind. Sie ersetzen auch das sonst übliche Nachspielzeit-Zittern. Lasst Euch feiern, Ihr Frühlingsarminen!

Allez Allez Ladihoooo-oooo, Arminia Bielefeld, nur Du bist das, was zählt!

Frühlingsgefühle überall. Die Party, die in der 80.Minute begann, dauert etwa bis Gütersloh, wo neue Theorien über das Preis-Knülle-Verhältnis begeisterte Anhänger finden. Spritti für Nobelpreis!

Der kritische Blick auf die Tabelle:

Lothar nennt es “Frühlingstabelle”. Jeff hat vor dem Spiel gesagt, man solle nicht zu viel Energie mit Blicken auf die Tabelle verschwenden. Das gilt wohl auch für Frühlingstabellen. Finde ich grundsätzlich gut, weil…

Unnötige Energieverschwendung raus!

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