Klabautersieg- Holstein Kiel gegen Arminia 1:2

Holstein Kiel gegen Arminia 1:2 – Rundumbeobachtungen von Jan-Hendrik Grotevent

Was Ostern hätte passieren sollen: Der Rundumbeobachter besucht das von ihm hochgeschätzte Kiel, inklusive einem Besuch von Holstein Kiel gegen Arminia im Holsteinstadion.

Was Pfingsten passiert: Der Rundumbeobachter hockt auf seinem Sofa, guckt in den Klapprechner und sieht Arminia im leeren Holsteinstadion.

Was daraus folgt: Die Zeit ohne Gekicke ist genauso lang wie die Osterzeit, die mit Ostern beginnt und mit Pfingsten aufhört. Die Zeit ohne Fußball wird noch dauern.

Arminia legt los wie ein Karnickel im Frühling und hat mehrere dicke Chancen. Der Bezahl-TV-Mensch jubiliert: Ortega ist hochbegabt und Pieper macht bei der nächsten Ecke ein Tor. Das mit dem Amos’schen Treffer stimmt nicht so ganz, dass mit Tego schon. Junge, kann der Geige spielen… Aber auch für den Gastgeber an der Westförde hat der Mann nette Worte übrig.

Die KSV Holstein könnte vielleicht mal eine gute Rolle spielen, wenn…[übliches Fußballgefasel]. Dass die verlorene Bundesliga-Relegation der Kieler gerade einmal zwei Jahre her ist, womit die Störche (bisher!) schon mehr erreicht haben als Arminia in den letzten Jahren, scheint er aber vergessen zu haben.

Jedenfalls legt Arminia einen flutwellenmäßigen Auftritt hin. Ist schön anzusehen, wäre noch schöner abzufeiern gewesen. Aber bis in den Sommer durfte man ja nicht warten. Heißt es im Norden eigentlich „Geisterspiel“ oder „Klabauterspiel“? „Weiter, Männer!“, brüllt Kiels Keeper Gelios, nachdem die nächste schwarzweißblaue Walze zu einer Ecke geworden ist. Das sagt einiges über das Spiel bisher aus.

Und JAWOLL, da isses doch! Fabi legt auf Schonatoo Clauss und der schiebt das Runde über die Linie. Bezahl-TV-Mensch versteht Jos Wechsel nach Lens nicht. Da ist er nicht der einzige, obwohl seine Begründung etwas dünn ist: „Er kommt ja aus Straßburg“. Welches von Lens an Luftlinie etwa genauso weit weg ist wie Bielefeld.

Dafür hat Bezahl-TV-Mensch eine Menge für Arminia übrig. Zum ersten und nicht zum letzten Mal erzählt er ca. zur 28. Minute: „Wenn die Bielefelder heute gewinnen, dann steigen sie auf, da lege ich mich fest…“. Ein toller Satz, vor allem, weil man ihn noch ein paar Spiele wiederverwenden kann. Der Rundumbeobachter fläzt sich auf seinem Mehrzweck-Sofa (die da sind: Glotzen, Ferngucken, TV oder Klapprechner schauen) gönnt sich eine etwas pragmatischere Spitzenreiter-Arroganz: „Ein 2:0, bitte.“

Das müssen die Störche irgendwie alles mit gekriegt haben, denn sie fahren die Brenner höher. Prietl sieht die zehnte Gelbe und ist gegen Nürnberg gesperrt – MIST! Und Fabi kracht nach einem Zweikampf an der Seitenauslinie fast mit der Birne in die Kieler Bank. Zum Glück passiert nichts Schlimmes. Sonst hätten die Kieler die Halbzeit damit verbringen müssen, die Trümmer ihrer Bank wegzufegen.

Halbzeit. Die schlechte Nachricht: Kaffeefilter alle. Die gute Nachricht: Ist noch Pulverkaffee da. Puh. Ja! So spannend sind Geisterhalbzeiten! Klabauterhalbzeiten!

Bei den TV-Menschen dieses Samstags (erst hier und dann später in der Sportschau) scheint es Schwierigkeiten zu geben, die Protagonisten des Spiels sprachlich auseinander zu halten. Die Sportschau-Menschin schiebt es auf das „ie“ in beiden Städtenamen. Bezahl-TV-Mensch schafft es kurz nach Wiederanpfiff, beide „ie“ unterzubringen und sagt: „Bielekieler“.

Wie dem auch sei, Kielebiel ist jetzt am Drücker. Eigentlich muss jetzt auch in diesem Text der Ausgleich fallen. Anstatt dessen kommt jetzt zur Entspannung ein kleines, sehr sehr relaxtes Video über den Kieler und Ex-Paderborner Kicker Hauke Finnwal, danach geht es beim Stand von 1:1 weiter:

Was ist denn mit Euch los? Come on, you boys in blue! Der Druck der ersten Halbzeit ist weg, die in gelb spielenden Blauen sind so zweikampfstark wie das Flatterband am Sandkasten. Kiel an die Latte, mit Glanztat von Tego, Wuaaaah!

Kiel nochmal an die diesmal mit unglaublicher eigener Dämlichkeit. Na ja, Störche und Orientierung…

Dann wird es wieder offener und die gelben Blauen kommen wieder mehr nach vorne. Neuhaus zieht die schon-beim-HSV-Taktik durch, bringt Yabo und Vogi. Später wechselt er dann den Sieg ein (Schipplock. Nee, echt!). Okay, die Lage ist nicht mehr so bedrohlich, schauen wir mal, was wir im Stadion noch so entdecken (außer den traurigen leeren Rängen). Was ist ein „Snickers Store“? Hier heißt das „Kiosk“ oder „Tankstelle“.

Und wer hat eigentlich festgelegt, dass es jetzt en flique für Fußballer ist, sich die Haare grau zu färben? Bestimmt irgendein Influencer, der „en flique“ immer noch nicht richtig schreiben kann. Oder Billie Eilish, die das bestimmt nicht schreiben kann und auch in Grau rumläuft. Liebe ledertretende Zunft, liebe…was auch immer Billie Eilish ist… die silbernen Todesvorboten kommen früh genug von selbst. Ich weiß wovon ich rede…

Im Spiel sind wir kurz vor Ende. Nilsson macht den Roberto-Massimo-Gedächtnis-Ballverlust, ohne Folgen. Dann setzt sich Arminia auf links durch, Hartel flankt rein…und wie lange und unter welcher Bedingung wir das nächste Mal zu saufen aufhören, dazu in ein paar Tagen mehr.

Tim Linnenbrügger vom Arminia-Podcast auf Radio Bielefeld fragt: „Müsste es das nicht schon gewesen sein?“. Der Bezahl-TV-Mensch hat sich ja eh schon festgelegt. „Spielfreude und Gier auf Erfolg überwiegt bei den Bielefeldern. Man merkt nicht, dass es um die Bundesliga geht.“ Richtig gesehen. Dieses Problem gilt für unsere großkotzigen Verfolger, nicht für uns. Aber so lange Linnenbrügger noch im irrealen Konjunktiv und rhetorischen Fragen reden muss, war es das eben noch nicht.

VAR (Visuell aufmerksamer Rundumbeobachter):

Holstein Kiel gegen Arminia

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