Arminia…Machte schon Sinn ( allererstes Mal Alm 1986)

Arminia und Rundumbeobachter…Machte schon Sinn

von Jan-Hendrik Grotevent

Mit der WM 1986 hatte mich Fußball endgültig angefixt. Ich schaute dann auch jede Woche in die Sonntagszeitung, wie der damals zweitklassige Verein meiner Heimatstadt, Arminia Bielefeld, denn gespielt hatte. Ein Spieler namens Westerwinter traf so gut wie immer, trotzdem wurde oft verloren. Doch das Interesse wuchs und irgendwann waren die Ergebnisse dann auch nicht mehr egal. Ich wusste nicht, dass Arminia anderthalb Jahre vorher nach fünf Jahren Bundesliga abgestiegen war. Ich wusste auch nicht, mit welchen Folgeschäden der Abstieg verbunden war. Mit knapp elf Jahren war ich also jung und unbedarft genug, um Fan dieses alles andere als nervenschonenden Clubs zu werden.

Am Samstag, den 13. Dezember 1986, war es soweit. Der Bruder meines besten Freundes nahm ihn und mich mit zum letzten Spieltag vor der Winterpause, Gegner war Fortuna Köln. Von der Radrennbahn ging es mit der knallvollen Linie 21 über die noch knallvollere Stapenhorststraße zum Stadion. „Wir gehen auf den drittschlimmsten Block“, erklärte mir mein bester Freund vorher, „Block 5“. Ob wir den Haupteingang oder den Eingang Melanchthonstraße nahmen, weiß ich nicht mehr.

arminia

Auf jeden Fall: Die Alm. Zwei riesige Lichtmasten. Gegengerade. Gegenüber die alte Brettertribüne mit den Sitzplätzen, rechts im Blick auf dem zweiten Lichtmast ein großes Werbeschild, auf dem Fertiggerichte abgebildet waren und das so unfreiwillig an eine Menükarte in einem Fast-Food-Restaurant erinnerte. Weiter rechts der massige Gästeblock, unüberdacht, Stehplätze. Dort war niemand an diesem Nachmittag, außer ein paar Polizeihundeführer, deren Vierbeiner gelegentlich einem verirrten Abpraller nachhetzten. Block 5. Menschenmassen (tatsächlich waren es 4.800), der Geruch nach blauem Dunst, Bier, Schweiß und Endorphin. Typen in Kutten, jede Menge Fahnen.

Die Mannschaften machten sich warm. Zum ersten Mal: „Bie-le-feld! Bie-le-feld!“. So fühlte sich also die Alm an. Machte schon Sinn. Lothar „vom Dixi“, Stadionsprecher seitdem und bis heute, verliest die Mannschaftsaufstellungen. Sachlich bei der Kölner Fortuna. Bei Arminias Aufstellung mit viel Verve, jeder verlesene Name wurde bejubelt.

Schon in der fünften Minute ging Köln Führung, direkt in das Tor vor unserer Nase. Doch schon eine Minute später der Ausgleich. Torjubel ist so schon kaum zu beschreiben. Bei meinem ersten Torjubel habe ich noch ohrenbetäubendes Gebrüll, wie eine Wand hochfliegende Arme in Erinnerung, und dass ich meinem besten Freund in den Armen lag. „So ist das, wenn ein Tor fällt“, meinte er, der schon ein paar Spiele im Lebenslauf hatte, anschließend. Machte schon Sinn.

Natürlich war Westerwinter der Torschütze, der nun, nachdem er bisher nur Druckerschwärze war, ein Gesicht hatte. Ebenso ein Gesicht bekamen Waldemar Steubing mit der wehenden Mähne sowie die Bundesligarelikte Norbert Eilenfeldt und Helmut „Anneliese, oh Anneliese“ Schröder. Wolfgang Kneib, der Torwart, der „Lange“ mit dem Rübezahlbart und der Rübezahlstatur, wurde der Held meiner Früh-Arminenphase. Die Jungspunde Andreas Golombek und Martin Kollenberg sollten ebenso wie Mittelfeldspieler Thomas Gerstner erst später interessant für Arminia und für mich werden.

„Bie-le-feld! Bie-le-feld!“ oder „Olé Olé Olé Olééééé Arminia De-Äss-Zeeeeeh“, „Wir sind Bielefeld, wir bilden uns was ein…“, Schwarzweißblauer Walzer, – an diese Chants erinnere ich mich. Irgendwer stimmte an, der Rest von Block 5 fiel ein. Die eigenen Spieler wurden gefeiert, der Gegner geschmäht. Bei einer strittigen SchiRi-Entscheidung wurde „Schieber! Schieber!“ skandiert, nach jedem Foul gebrüllt. Und ich war voll dabei. Machte schon Sinn. Fortuna Köln ging Mitte der ersten Halbzeit erneut in Führung. In der Halbzeit verlas Lothar die Halbzeitstände aus erster und zweiter Liga und betätigte sich als Werbesprecher. Die Anzeigetafel bestand aus zwei Diodenziffern, also machte Lothar das, was heute Laborchef Dr. Klenk macht: „Lieber morgens Alpecin als abends Haare im Kamm“.

In der zweiten Halbzeit drehte Arminia das Spiel durch Dietmar Schacht und Martin Kollenberg, Köln glich aber wieder aus. In der knallvollen Linie 21 über die noch knallvollere Stapenhorststraße zurück wurde gefachsimpelt. Ich mitten drin. War ja live dabei. Und wollte wieder live dabei sein. Und war auch wieder live dabei. Und wieder. Und wieder. Und wiederwiederwieder.

Mein erster Stadionbesuch machte mir klar, dass man Fußball nicht nur mitverfolgen, sondern miterleben kann. Mein erster Stadionbesuch hat mich vom Interessenten zum Fan gemacht und Arminia zu einem Lebensritual. Macht schon Sinn.

Viel „Früher“ aus unser aller schwarzweißblauen Leben gibt es auch in der „Fußballfibel DSC Arminia Bielefeld“. Nette Lagerfeuergeschichten. Das Buch gibt es bei Thalia. Oder bei amazon. Oder im Fanladen. „90 Minuten Arminia“ habt Ihr schon…?

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