Arminia Bielefeld gegen TSV 1860 München 0:1 – Orakelt und geschwommen (2013/2014)

Arminia Bielefeld gegen TSV 1860 München 0:1 – Rundumbeobachtungen von 2013/2014

Letztens habe ich geträumt, ich wäre Schiedsrichterausbilder beim DFB. Ich vertrat die Devise „Ins kalte Wasser müssen sie alle irgendwann, aber dann sollten sie wenigstens wissen, wie man richtig schwimmt“. Also habe ich im Traum meine Schiedsrichterneulinge richtig rangenommen. Und als dann der erste ein Arminia-Spiel pfeifen durfte, wollte er so richtig zeigen was er gelernt hat und ist, anstatt anzupfeifen, mit einem Startsprung in die Wiese und hat Schwimmbewegungen gemacht. Schreiend bin ich aufgewacht. Ich brauche Hilfe, weiß ich selbst.

Arminia Bielefeld gegen TSV 1860

Stefan Krämer sagte unter der Woche, dass man die „Wut kanalisieren“ wolle, die die Schwimmübungen des SchiRis in Karlsruhe im Kader hervorgerufen hatten. Darüber hinaus analysierte er die Gefühlswelt der Ostwestfalen: Wir seien stur und wollten das, was man ihnen wegnimmt, wiederhaben. Außerdem hätten wir ein feines Gespür für die Situation. In diesem Sinne kanalisierte sich die Wut des Umfeldes nach der Niederlage im Badischen auf den Freistil des Schiedsrichters.

Da sah das bei den Gästen München anders aus. Die „Sechzger“ waren offen sauer auf das in letzter Zeit wenig erfolgreiche Team. Trotzdem und trotz des Samstag Mittag waren ca. 600 Fans aus Giesing und Umgebung bei Arminia Bielefeld gegen TSV 1860 München unter den 14.309 Zuschauern. Man wolle ein „dreckiges Auswärtsspiel“ abliefern, so Torschütze Dominik Stahl nach dem Spiel zur Sportschau. Nun, im großen und ganzen haben sie genau das gemacht. Und was auch immer Arminia kanalisiert hat, Wut war es nicht.

Arminia Bielefeld gegen TSV 1860

Auf den Rängen jedenfalls ist zum Anfang die Wut auf Schwimmer kanalisiert. Die ersten Spielminuten, in denen Arminia sich recht lebendig zeigt, wird der Schiedsrichter sehr kritisch beäugt. „Ich hab doch gewusst, dass die wieder verpfiffen werden…“, röhrt es von Block Drei bei jedem Freistoßpfiff. So ab der 20.Minute nimmt der Gast das Geschehen ein bisschen mehr in die Hand, ohne wirklich gefährlich zu werden. Das Spiel plätscherte dahin, der SchiRi behielt den Kopf über Wasser. Arminia kanalisierte in der Gegend herum.

1860 machte ein Auswärtsspiel. Moritz Stoppelkamp (irgendwie passt der Name zum Spiel – Zitat aus einem 60er Forum: „Stolperkrampf“) zieht gelegentlich den Unmut des Publikums auf sich, weil er sich vor jedem Freistoß umständlich das Schuhwerk richtet. Ein Ordneraufmarsch auf Block J zog mehr Interesse auf sich als eine der harmlosen Arminia-Ecken. Kommentar von Block Drei: „Faustreeeecht!“. Gegen Ende der ersten Halbzeit wacht Arminia noch ein bisschen auf, veranstaltet ein kleines Eckenfestival und kanalisiert die eigenen Aktionen so grob Richtung Torauslinie.

Arminia Bielefeld gegen TSV 1860

Es steht also 0:0 zur Halbzeit. Es ist also noch alles und nichts drin. Das Orakel der NW kann sich noch bewahrheiten. Dort meinte man unter der Woche, dass Arminia am Samstag immer gut ausgesehen habe und die letzten Niederlagen allesamt freitags und sonntags passiert seien. Daran wird es liegen. So gesehen gibt es tatsächlich einen Grund, Montagsspiele zu mögen. Da ist Arminia nämlich noch mindestens drei Wochen lang unbefleckt. Auch das FIFA 14-Orakel der SWB-Patrioten (2:2) kann noch in Erfüllung gehen. Bei Ansicht des Orakels habe ich mich übrigens beim „Achahbar, spiel‘ ab“-Brüllen erwischt. Ich sag‘ doch, dass ich Hilfe brauche.

Arminia Bielefeld gegen TSV 1860

Zu Beginn der zweiten Halbzeit hat Berengar Probleme mit seiner Soundanlage, gegen die er tapfer anbrüllt. Der Support an sich war tapfer. Kein Hexenkessel, aber das Team wurde trotz des blutleeren Auftritts unterstützt. Gut so! Auf den giftgrünen Trikots der Gäste stand übrigens „Think Blue.“. Ein gefälliger Slogan. Think blue, don’t be blue. Was ist der Unterschied zwischen Bielefeld und München? In Bielefeld haben sich vor einem halben Jahrhundert die Blauen endgültig gegen die Roten durchgesetzt. *bäääätsch*.

Und Dominik Stahl bringt in der 57.Minute einen Drehschuss in Richtung Kiste, der von Salger unhaltbar abgefälscht wurde. *bätschzurück*.

Danach hat Arminia den Kanal voll. Ende, aus, sechste Liganiederlage in Folge gegen nicht unbedingt bissige Giesinger Löwen. Hervorzuheben sind auf Arminias Seite Christian Müller mit der einzigen wirklich dicken Chance des Spiels für den DSC, Philipp Riese und Anass Achahbar für ihre vorbildliche, aber wirkungslose Einsatzfreude. Und nun? Es wird wild diskutiert und spekuliert. Sortiert man mal die von Natur aus Missgünstigen aus, die eh alles vorher gewusst haben, bleibt ein Grundtenor: Es muss etwas passieren! Neuer Stürmer, neue Wut, neue Kanäle, neue Gesichtsmaske für Fabian Klos, neuer Rasierer für Patrick Schönfeld, nur passieren muss was! Krämers Einschätzung des „feinen ostwestfälischen Gespürs“ ist insofern richtig, es muss tatsächlich etwas passieren.

Die NW forderte in einem Kommentar, den „Architekten“ dieser Entwicklung zu vertrauen. Anders als die Abbruchunternehmer vor ihnen haben sie uns unsere Arminia nicht weggenommen. Wir ostwestfälischen Sturköppe müssen sie nicht zurückfordern. Arminia hat in den letzten zwei Jahren durch Besonnenheit mehr Grundlagen für eine nachhaltige Entwicklung geschaffen als in den Jahren zuvor durch hektische, halbblinde und übermäßig teure Entscheidungen. Was muss also passieren? Na ja: Der Knoten muss platzen! Ob das die aktuelle Mannschaft allein schafft oder mit Nachverpflichtungen, sei dahingestellt. Ich gebe zu, dass ich da keine Idee habe. Aber ich vertraue mal auf die Architekten. Alles andere ist Spekulation. Und sinnlos. Mal schauen, wie die Länderspielpause genutzt wird. Wir lesen uns nach dem Bochumspiel.

Think blue, don’t be blue!

4 des Tages: Kiddie auf Block 3: „Papa, der Appiah ist toll, der hat so eine tolle Nummer…Vier! Vier ist cooool…“. Immerhin: Diese Saat geht auf.

Klar gibt es auch ein Spiel gegen 1860 in der „Fußballfibel DSC Arminia Bielefeld“. Gehört definitiv zu den schwarzweißblauen Lagerfeuergeschichten. Das Buch gibt es bei Thalia. Oder bei amazon. Oder im Fanladen. „90 Minuten Arminia“ habt Ihr schon…? Beides übrigens perfekte Weihnachtsgeschenke!

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