Spaß , eklig, Sieg! – Arminia gegen Preußen Münster 2:1

Arminia gegen Preußen -Rundumbeobachtungen von Jan-Hendrik Grotevent

0:2 in Dresden? Sorge um den Kräfteverschleiß in der Liga? Beim Pokalspielvorverkauf die Vollmacht vergessen?

Arminia gegen preußen

Endgültig durchdrehen und irgendwann in einem Heuschober bei Herzebrock neben einer geköpften Barbiepuppe aufgefunden werden? Da muss mal was anderes her, ein DERBYYYYYY! Nicht irgendein Derby! Westfälisches Derby! Ostwestfalen gegen Westostfalen! Westfälischer als im Tuche gereifte Sommerwurst am Stück! 100% Westfalen! Sogar westfälischer als im Tuche gereifte Sommerwurst in Scheiben! 150% Westfalen! Arminia gegen Preußen!

„Das zweitwichtigste Spiel heute“, tönt eine erwartungsfrohe Stimme aus den Massen, die zur Alm strömen. Ist nicht immer das nächste Spiel das erstwichtigste? Es kribbelt wieder im Tempel. Ein paar Jungspunde vertreiben sich die Zeit bis zum Anstoß mit Um-die-Wette-vor-den-Zaun-treten („Ich kann doller“ – „Nee, ich“). Währenddessen läuft ein „Best of Nobbs und die Käsebrötchen“ auf der Anzeigetafel, stilecht mit Bluegrass-Sound unterlegt. Soll ja keiner auf die Idee kommen, Westfalen wäre provinziell. Die beiden Fanblöcke brüllen sich Freundlichkeiten um die Ohren.

Münster ist in den ersten Minuten deutlich stärker als der DSC und hat nach gefühlt vierundvierzig Spielsekunden schon sieben Ecken. Die Blauen sind nervös. Nicht nur die auf dem Spielfeld. „Ouououou…“, jammert es über die ganze Alm nach einem riskanten Rückpass auf Schwolow. In der zehnten Minute gibt es Ärger hinten in der Gästeecke, eine Menge Bierbecher fliegen zwischen Osttribüne und Gästestehplatz hin und her. Auf dem Platz hat Münster Freistoß. Amaury Bischoff setzt ihn übers Aluminiumkreuz. „W****!“ „A****!“ „[selbst für ***** zu heftig]“.

Es ist Derby, die Antipathien sind klar! Lasst sie uns zelebrieren! Der fade Auftritt des Teams führt jedoch dazu, dass die Stimmung auf den Rängen eher schleppend anläuft. Als sich Torwart Schulze Niehues den Ball zum Abstoß zurechtlegt (Süd: „Ooooooh….“), ruft Berengar „Derbyyyyyy!“. Süd bei Abstoß: „A***! W****! H****!“. Eigentlich mehr: „a*.w*.h*.“. Berengar: „Sensationell. -.-„. Randnotiz: Der Torwart heißt Schulze Niehues, die Kreativzentrale Bischoff – diese Kombination kann eigentlich nur in Münster spielen. Urwestfälisch, urkatholisch.

Um die 30. Minute herum verbessert sich die Atmosphäre. „Shalalaalalalalaaaa, Aaaaarminiaaaaa“. Jetzt muss noch jemand den Blauhemdenträgern mitteilen, dass ins Elfmeterschießen retten heute nicht das Erfolgsrezept sein kann. Das tut aber keiner, stattdessen wird man – urOSTwestfälisch – unzufrieden. „Sowat kannste inne Bezirksliga machen“, brüllt jemand bei einem der vielen Stockfehler. „Keine Griffigkeit!“. Dabei sollte „Griffigkeit“ auf unserem berühmten Rasen eigentlich kein Thema sein… „Hamwabaldmaballda!“ (wobei ich mir da nicht sicher bin, ob der Zeitgenosse auf Balleroberung plädiert oder den Preußen den Jihad erklärt hat…so vom Klang her…).

In der 41.Minute schließt Piossek einen schönen Angriff zum 0:1 für „die mit den Grünhemden“ (Lothar) ab. Der Gästeblock jubelt, feiert, lästert und das alles schmeckt wie eine Flasche Essigreiniger auf Ex. Der DSC bringt daraufhin etwas mehr „Griffigkeit“ auf den Platz und erspielt sich ein paar Ecken. In der ersten Hälfte passiert aber nix mehr.

Halbzeit, die wie üblich hinter der Süd zwischen den kulinarischen Versorgungsstationen verbracht wird. Dort passiert heute nix neues, und ich bin direkt ein bisschen enttäuscht, dass niemand nach Spargel fragt. Gute Gelegenheit, sich mal etwas völlig anderem zu widmen. Bis jetzt ging es um Rivalität, und gleich geht es wieder um Rivalität. Gibt es überhaupt etwas, was Bielefelder und Münsteraner gleichermaßen mögen? Ja, gibt es, und ich verrate es: Parkplätze!

Die Bielefelder mögen Parkplätze so sehr, dass sie unglaublich stolz sind, viele davon zu haben. „Guckt mal, Parkplätze! So viele! Und alle günstig! Habta gesehn??!“. Die Münsteraner mögen Parkplätze so sehr, dass sie sich mit Hingabe um einen Parkplatz (lies: die mit Abstand scheußlichste Freifläche der Innenstadt) kümmern. Erst verhinderten sie per Bürgerentscheid den Bau einer neuen Mehrzweckhalle dort. Und dann wollten sie ihn zweimal umbenennen. Per zwei Bürgerentscheiden. Der eine hat, der andere kann. Oder nicht. Oder umgekehrt. Oder wie? Oder was?

Es gab deutliche Pfiffe zur Halbzeit. Zur Rückkehr der Spieler gibt es herzlichen Applaus. Auf Block 3 gestaltet sich die Rückkehr weniger herzlich. „Hier können wir nicht bleiben, ich kann nicht gucken…“ – „Es geht hier nicht ums Gucken, sondern um den Derbysieg!!“. Was sich nicht widersprechen muss Bekanntlich wird auf der Süd unheimlich Zeit und Weg damit verbracht, beides in Einklang zu bringen. Arminia hat Ecke. Die Pille fliegt rein, kommt gefährlich, und da bebt das Netz. Und die Alm! Jubel, Freude, Lothar. „Der Torschütze! Die Nummer Vierzig!…“ – „Zwei Manuel Junglas!“.

„No Limit!“ knallt! Jetzt ist die Stimmung endgültig da. Derby-Atmosphäre, von beiden Seiten! Und mal wieder misheard lyrics auf Block 3: „Preußeeeenscheißeeee…was!?…oh… Preußeeeenschweineeee…“. „Steht auf, fallsüchtiges Gesindel!“, heißt es, als wieder ein Grüner auf dem grün liegt. So schlecht, wie andere Grüne unser Grün geredet haben, ist unser Grün also nicht. Die heutigen Grünen liegen oft auf dem Grün, was so ziemlich der ganzen nickeligen Mannschaft von Arminia Gelb einbringt. SchiRi Meyer leitet die Partie im großen und Ganzen ordentlich, wäre aber (auf beiden Seiten) auch mit weniger Gelb zurechtgekommen.

Grün, gelb, was ist mit Blau? Die haben eine Riesenchance durch Schütz. Es gibt Ecke, Florian Dick tritt (Achtung Spoiler!) zu seinem 743. Torassist an. Börner stochert eine Quervorlage ins Netz. Und jetzt ist die Alm endgültig da! Alle Tribünen, sogar die Nord, wollen keine Preußen sein und hüpfen. 25.192 Zuschauer sind heute da, aus Münster etwa 2.000. Minus 700, deren Karten zurückgegangen sind. Oder hatten sie Betretungsverbote? Ach nee, die traditionelle Rivalität hatte Arminia ja mit Gladbach, stimmt…Risikospiele festzulegen muss ein unglaublich kreativer Prozess sein. Falls es irgendwelche Schwierigkeiten gab: Bitte Kommentar.

Sowohl Fans als auch Spieler aus Münster geben sich nicht auf. Amaury Bischoff zielt bei einem Freistoß knapp drüber. Von den Blauen kommt nicht mehr allzu viel, sie schaffen es aber, den Ball vom Tor fern und in den eigenen Reihen zu halten.

„Derbysieger, Derbysieger, Hey! Hey!“

Schlusspfiff YEEEEAAAAH!

Derbysieger, Derbysieger, Hey! Hey!

„Spitzenreiter, Spitzenreiter, Hey! Hey!“

„Ihr könnt nach Hause fahrn…“

„Dritte Liga, Münster ist dabei“

Unterm Strich gute Stimmung und gutes Support-Duell. Am Ende rettet ein DSC-Ordner noch eine Arminiafahne vor unbefugtem Zugriff. Und während des Fanfestes kokelt es auf den Almterrassen. Aber: Wurscht im Tuche gereift! Preußen war sportlich der fast traditionelle Angstgegner. Der Sieg war schwer, erzwungen, nicht erspielt, glücklich und eklig. Aber auch schwere, erzwungene, glückliche und eklige Derbysiege sind Derbysiege! Und das sorgt rund um die Alm und in Bus und Bahn für eine Menge Honigkuchenpferdgesichter und vor allem Honigkuchenpferdgefühl. Und das ist eine Menge wert!

Sechs Punkte vor, noch fünf Spiele. Achtung, Hintersinn: Das nächste Spiel ist das erstwichtigste. Und das übernächste das zweitwichtigste. Alle’ne Vollmacht dabei!?

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Falls es nochmal Osna gegen Arminia und damit eine Reise an die Bremer Brücke geben sollte, werde ich Knipsi als Bengalo tarnen. Bengalos reinzubringen scheint nämlich völlig unproblematisch zu sein.

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